Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Archiv

Rosenthal Kuenstler

Nur bei Picasso klappte es nicht

Erinnerungen | Dietrich Müller, der ehemalige Sprecher des Vorstandes von Rosenthal, hat mit vielen namhaften Künstlern zusammengearbeitet. „Wenn man an Grenzen rüttelt, bringt man alle voran“, sagt er über die herausfordernden Aufgaben. Von Elfriede Schneider

Selb - Als 1971 in Persien das 2500. Jubiläum des Reiches ansteht, will der Schah seine Gäste auf einem besonderen Porzellan bewirten. Er lässt bei verschiedenen Firmen anfragen und bestellt schließlich ein Geschirr aus Selb. Rosenthal wird die Teller und Schüsseln entwerfen, auf denen die Gäste aus aller Welt speisen.

In der Unternehmensgeschichte von Rosenthal ist dieser Auftrag ein Meilenstein. "Der Schah machte so gut wie keine Vorgaben", erinnert sich Dietrich Müller, früherer Sprecher des Vorstands bei Rosenthal. "Er wollte nur, dass man auf den Tellern die ganze Herrlichkeit Persiens spürt." Ein gewaltiger Anspruch und eine große Aufgabe. Rosenthal beauftragt den Bildhauer Björn Wiinblad mit dem Entwurf. Dieser hat für Rosenthal mit seiner Form "Zauberflöte" bereits die Grenzen des Machbaren ausgelotet. "Bei der Form ,Zauberflöte' waren wir schnell an den Punkt gekommen, an dem es hieß: ,Das geht nicht' ", erzählt Müller. "Die Teller haben extrem flache, dünne Ränder, die beim Brennen immer und immer wieder rissen." Dank des enormen Könnens und des Qualitätsbewusstseins der Modelleure und einem extra entwickelten Brennverfahren habe es Rosenthal geschafft, die Herausforderung zu meistern. Das Umfeld für solche Wagnisse sei in jenen Jahren angesichts der Experiment.

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Porzellan- und Glasmuseum Mitterteich

Die Mitterteich Porzellanfabrik und die Gebäude, teilweise aus dem Jahre 1880, wurde teilweise abgerissen und durch Sanierung des ehemaligen Hauptgebäude sowie einen Neubau direkt an der Tirschenreuther Strasse ein Porzellanmuseum errichtet. In den neugestalteten Räumen ist ausser Porzellan der Mitterteich Porzellanfabrik auch Glas und Ausstellungstücke der Fa. Schott Ruhrglas zu bewundern.

Bei der Einweihung des Mitterteicher Porzellan-Museums war auch Wilhelm Siemen, Direktor des Porzellanikons Selb-Plößberg, zugegen. Die Einrichtung in Mitterteich empfinde er nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu seinem Haus, sagte er der Frankenpost. Denn in Mitterteich gehe es vor allem um die eigene Porzellan-Geschichte. Man habe schon im Vorfeld miteinander gesprochen. In Zukunft würden Porzellanikon und der Verein Porzellanstraße mit Mitterteich zusammenarbeiten. Jeder Baustein ist hilfreich, Porzellan wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Das Museum ist ab den 19. Januar 2010 geöffnet jeweils Dienstags bis Sonntag.

Spurensuche in Mitterteich

Die 1886 durch den Uhrmacher Ludwig Lindner gegründete Porzellanfabrik wurde 1895 an die in London ansässige Mosanic Pottery Max Emanuel & CO. verkauft. 1917 wurde sie von der Königlich bayerischen Regierung als Feindeigentum konfisziert und in die Porzellanfabrik Mitterteich AG umgewandelt. Nach einer kontinuierlichen Erweiterung der Betriebsanlagen zählte das Unternehmen in den 1930er Jahren rund 600 Beschäftigte und hatte bereits 1949 mit 740 Arbeitern und Angestellten den Vorkriegsstand übertroffen.

Das Herstellungsprogramm des stark exportierenten Unternehmens in den drei Werken am Standort umfasste neben Gebrauchs- und Zierporzellan auch feuerfestes Geschirr aus Feinsteinzeug, die unter der Markenbezeichnung Porzeton vertrieben wurden. Nach einem Brand im Jahre 1988, der grosse Teile der Fertigungsanlagen vernichtete, entstand nach dem neuesten technischen Stand die laut Firmenaussage modernste Porzellanfabrik Europas. Im August 2004 wurde über das auf 400 Beschäftigte geschrumpfte Unternehmen das Insolvenzverfahren eröffnet. Nach dem Scheitern der Sanierungsversuche wurde der Betrieb Anfang 2005 geschlossen. Im Jahre 2007 erfolgte der Abriss der Traditionsreichen Porzellanfabrik in Mitterteich.

Andrea Hanold Schönwald Porzellan

Andrea Hanold hat in enger Zusammenarbeit mit dem Porzellanikon ein Buch über die Geschichte der Industrie ihres Heimatortes geschrieben.

Schönwald - Für Bürgermeister Robert Frenzl ist das erste Buch von Andrea Hanold ein Standardwerk zur Geschichte der Stadt Schönwald und ein besonderer Höhepunkt, was die Aufarbeitung der heimischen Industriegeschichte angeht. Für Rudolf Stich, Mitarbeiter in der Produktentwicklung der Porzellanfabrik Schönwald, ist das Buch ein "Nachschlagewerk, das seinesgleichen sucht und über das die Porzellanfabrik Schönwald sehr glücklich ist". Für Wilhelm Siemen, Direktor des Porzellanikons und Herausgeber der Schriftenreihe, ist es ein "lebendiges Dokument, das die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Ortes einem großen Kreis zugänglich macht". Für Andrea Hanold ist es einfach die Verwirklichung eines Traumes.

Unter dem bewusst bescheidenen Titel "Geschichte der Porzellanindustrie in Schönwald" hat sie nicht nur Grundlagenforschung betrieben, sondern auch das bis heute bestimmende Kapitel der Schönwalder Geschichte in mühsamer Kleinarbeit dokumentiert und lesenswert und spannend zusammengefasst. Ein Projekt allerdings, das sich über einige Jahre hinzog. Das Buch Geschichte der Porzellanindustrie in Schönwald kann über das Porzellanikon bezogen werden (18.- EUR)

Tafelstern Porzellan

Exzellente Kritiken, der Kochbuch-Oscar und zuletzt der Michelin-Stern für das „Maus im Mollers“ – Dirk Maus hat einen festen Platz in der Riege deutscher Spitzenköche. Mitten im Rhein-Main-Gebiet nur wenige Kilometer von der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt entfernt, hat der Mainzer Cuisinier seit Februar 2010 eine neue Wirkungsstätte ganz nach seinem Geschmack: Aus dem Domherrenhof, einem prachtvollen Fachwerkhaus in Essenheim, ist ein hochwertiges Landgasthaus geworden. Dabei vertraut Dirk Maus auf seine mehrfach ausgezeichnete Kochkunst, sein eingespieltes Team und starke Partner wie WMF Hotel und Premium-Porzellanhersteller Tafelstern.

Dieser konnte mit Artikeln aus der Porzellankollektion Inspiration im Dekor Gold Edition Fonds und Gold Edition Rand überzeugen, weil diese die perfekte Bühne für die Kompositionen des Spitzenkochs bieten. Im Domherrenhof vereint Maus verschiedene kulinarische Erlebniswelten unter einem Dach: neben dem ebenerdigen Gastraum mit regionaler gehobener Küche befindet sich im Gewölbekeller ein weiteres Restaurant – auf Sterne-Niveau. Hier tischt der kulinarische Visionär bis zu 16 Gästen erstklassige Kreationen auf und setzt auf reduzierte, jedoch umso effektvollere Inszenierungen.

Die naturbelassenen Sandsteinwände strahlen wohligen Charme aus, auf champagnerfarbenen Tischdecken glänzt weißes Porzellan. „Das Ambiente soll Genussmomente intensivieren. Die Entscheidung für die Porzellanlinie Inspiration von Tafelstern fiel daher leicht – hier kann ich je nach Gericht zwischen klassischen oder extravaganten Showpieces wählen. Die Goldlinie ist dabei das sprichwörtliche Salz in der Suppe“, erzählt Dirk Maus. Sein klares Ziel für den Gourmetbereich: Ein Michelin-Stern.

Domherrenhof nun mit Spitzenkoch Dirk Maus und Porzellan von Tafelstern

Rosenthal Archiv gerettet

Die Sammlung des Rosenthal-Archivs deckt die 130jährige Firmengeschichte ab und enthält alle jemals von Rosenthal gefertigten Porzellanstücke. Die Kaufsumme für das Rosenthal-Archiv von 1,3 Millionen EUR wurde seitens Rosenthal nicht bestätigt. Das Rosenthal-Archiv wurde von der Oberfrankenstiftung gekauft und als Dauerleihgabe an das Porzellanikon übergeben. Damit ist eine dauerhafte Nutzung durch das Porzellanikon gesichert und die Rosenthal Schätze verbleiben in Selb.

Selb - Sie ist die Hüterin des Schatzes: Petra Werner vom Porzellanikon Selb betreut seit siebzehn Jahren das umfangreiche Archiv der Rosenthal AG. Die Kuratorin kennt sich aus mit den 15 000 bis 20 000 Stücken, die von erstaunlichen Kunst-Raritäten über gängige Rosenthal-Serien bis hin zu zeitgenössischem Werbematerial aus 130 Jahren reichen.

Exponate aus 130 Jahren

Erleichtert und glücklich ist Petra Werner, dass die Oberfrankenstiftung nach dem Verkauf des Unternehmens an die italienische Sambonet-Gruppe diese Kostbarkeiten komplett erworben hat (wir berichteten). "Die Sammlung ist das Archiv der Porzellanindustrie schlechthin, es war sehr wichtig, dass es nicht in alle Winde verstreut wurde." Der - laut Aussage von Regierungspräsident Wilhelm Wenning - "Schatz von unschätzbarem Wert" ist künftig dem Porzellanikon von der Oberfrankenstiftung als Dauerleihgabe überlassen. "Wir haben jetzt mit Abstand die größte Rosenthal-Sammlung, die es auf der ganzen Welt gibt", zeigt sich Werner stolz.

"Das einzigartige Fabrik-Archiv ist zum 100. Firmenjubiläum von Rosenthal 1978 eingerichtet worden", berichtet die Kuratorin. Doch die Bestände reichen viel, viel weiter zurück: Die ältesten stammen bereits aus dem Jahr 1880. "Das Besondere ist, dass wirklich noch alles vorhanden ist. Die gesamte Firmengeschichte wird anhand der Stücke aufgezeigt."

Namhafte Künstler

Das Archiv umfasst, wie Werner erläutert, sämtliche Produktionsentwürfe, darunter auch viele Originale, die nicht in Serie gingen. So hat etwa Salvador Dali für seine Ehefrau Gala eine Teekanne mit dem Motiv seiner "weichen Uhr" kreiert, die nie in den regulären Verkauf gegangen ist. "In unserer Sammlung ist die Kanne aber in mehreren Farben vorhanden.

Alle namhaften Künstler und Designer haben für Rosenthal gearbeitet und damit ihre Spuren in unserem Archiv hinterlassen", hebt Petra Werner hervor und zählt nur einige herausragende auf: Walter Gropius, Ferdinand Liebermann, Raymond Loewy, Lucio Fontana, Niki de Saint Phalle, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Björn Wiinblad, Otto Pine, Friedensreich Hundertwasser und Jörg Immendorff. "Kunst aus allen möglichen Richtungen, alles was formprägend war, haben die Rosenthals hierher gebracht. Zuerst der Senior, später der Junior", weiß die Porzellanexpertin.

Entwürfe und Skizzen

Nicht nur viele Entwürfe und Freigabemuster aus der Kreativschmiede gehören zu den Exponaten, auch das gesamte Schriftenarchiv ist erhalten: Muster- und Dekorbücher, Künstlerentwürfe und Skizzen. Von Philipp Rosenthal, dem Firmengründer, etwa stammt ein Skizzenbuch, in dem er die damals neuesten Entwicklungen und Anregungen für zeitgemäße Porzellangestaltung festhielt, die er auf Reisen und Messen suchte. Bei Kunstschauen war das Unternehmen aber auch selbst außerordentlich erfolgreich: So sind sämtliche Medaillen komplett vorhanden, die Rosenthal unter anderem auf verschiedenen Weltausstellungen errungen hat.

Suche nach neuer Bleibe

Das Archiv ist derzeit noch in einem Gebäude hinter dem Regenbogenhaus in Selb untergebracht. "Aber wir müssen hier raus", berichtet Petra Werner. Derzeit laufen die Verhandlungen darüber, wo die Sammlung künftig am sinnvollsten untergebracht werden kann. "1000 Quadratmeter sind dafür notwendig, wenn die Stücke fachgerecht sortiert in Regalen untergebracht werden sollen."

Die Öffentlichkeit wird keinen Zutritt zu diesem Archiv haben, aber immer wieder einmal Stücke daraus bei Ausstellungen sehen können. Schon bei der großen Schau des Porzellanikons "Königstraum und Massenware" 2010 sind verschiedene Exponate dabei.

Viele Ideen für Ausstellungen

"Jede Menge Themen für Sonderausstellungen aus den Beständen des Archivs fallen mir sofort ein", sagt die Kuratorin und zählt auf: "Design der 50er Jahre", denn 1950 stieg Philip Rosenthal junior in das Unternehmen ein und prägte es. "Jugendstil", "Art Deco" oder "Form 2000" - ein Service das über 20 Millionen Mal verkauft wurde - sind weitere Ideen für spezielle Schauen. "Da gibt es auf Jahre hinaus Möglichkeiten", schwärmt Petra Werner.

Auch für Forschungsarbeiten darf die Sammlung genutzt werden: "Die Oberfrankenstiftung wollte beim Ankauf sicher nicht, dass das Archiv danach vor sich hinschlummert."

Quelle: Frankepost, 05.09.2009

Die Kunstnacht bringt es an den Tag:

Selb hat Charme und kreatives Potential 9. Selber Kunstnacht präsentiert ihre Schirmherrin Die Vorbereitungen für die 9. Selber Kunstnacht am 21. März sind mitten drin in der heißen Phase. Und just zu diesem Zeitpunkt wartet das Organisationsteam mit einer brandneuen Neuigkeit auf: Rosemarie Döhler, Ehefrau von Landrat Dr.Karl Döhler, übernimmt 2009 Jahr die Schirmherrschaft.

„Ich war sehr überrascht und habe mich wahnsinnig gefreut, als ich gefragt wurde und es ist natürlich Ehrensache, dass ich dieses Amt übernehme“, erzählt Rosemarie Döhler. An einen Besuch der Selber Kunstnacht erinnert sie sich gut: "Ich war damals zur Eröffnung im Porzellanikon und ich muss sagen: Das ist super, was da gemacht und geleistet wird!“ Hat sie als Kunstfreundin eine besondere Vorliebe für die „alten Meister“, lässt sie sich doch auch von neuen Ideen junger Künstler begeistern: „Bei mir darf’s auch gerne verrückt sein!“. Weshalb sie sich auch beispielsweise schon auf den Porzellannachwuchs beim „3.Forum Junges Porzellan“ im Porzellanikon Selb freut. Aber nicht nur hier will sie zugange sein: „Dieses Jahr werde ich bestimmt einen gründlichen Rundgang machen und bin schon sehr gespannt.“ Damit die Selber Kunstnacht aber überhaupt stattfinden kann, muss natürlich auch Geld her: Zahlreiche Sponsoren haben sich trotz Wirtschaftskrise auch dieses Jahr wieder bereit erklärt, das kulturelle Großereignis zu unterstützen. Das Sponsoring, ist man sich einig, sei zwar zu Werbezwecken gedacht, aber eigentlich will man damit hauptsächlich die Region bei solchen kulturellen Events unterstützen, dieses Jahr „den Kopf in den Sand zu stecken“, das wolle man nicht, sondern eher noch ein Zeichen setzen. Hauptsponsor und gleichzeitig Teilnehmer der Selber Kunstnacht ist die Sparkasse Fichtelgebirge. „Bewältigen lässt sich das durchaus“, so Magita Kämpfer von der Sparkasse. Selber an diesem Abend loszuziehen, das schaffe sie aber leider nicht. Auch Thomas Steidl, Inhaber des Factory In, eine der Großplattformen für Künstler, tut sich schwer etwas mehr von der Kunstnacht zu sehen. Ein bisschen vermisse er jedoch, dass auch außerhalb der Veranstaltungsorte etwas dargeboten werde: „Früher sind noch Künstlergruppen in den Shuttlebussen mit herumgezogen und wir hatten zum Beispiel Feuerspucker als Rahmenprogramm.“ Trotzdem: „Die Kunstnacht ist eine gelungene Veranstaltung, die einiges dazu beiträgt Selb bekannter zu machen“, so Steidl.

Diejenigen Sponsoren, die als Besucher auf die Kunstnacht gehen, sind in jedem Fall begeistert. Für einige ist sie sogar das Highlight im Selber Veranstaltungskalender. Die Vielfältigkeit mache dabei die Besonderheit aus. „Es ist immer wieder interessant zu sehen was es so alles gibt“, lobt Gerhard Schwenk, Inhaber von Schwenk Sanitär und ist mit dieser Meinung nicht alleine. Viele Sponsoren übernehmen ihre Aufgabe deshalb so gerne, weil sie voll und ganz hinter der Idee der Kunstnacht stehen und so ist von den meisten nur Lob zu hören: Schöne Kunst zum Nulltarif gäbe es und auch weniger Kunstinteressierte kämen auf ihre Kosten. Uwe Heidel von der VR-Bank Marktredwitz: „Ich denke, dass durch den außergewöhnlichen Rahmen und das Konzept viele Leute kommen, die mit Kunst sonst nichts am Hut haben. Ich selber finde es zum Beispiel einfach schön, die verschiedensten Leute zu treffen und hier und da ein paar Gespräche zu führen.“ Auch Oberbürgermeister Wolfgang Kreil sieht darin das Besondere: „Die Kunstnacht zeigt das kreative Potential unserer Stadt und, dass Interesse an Kunst besteht. Dabei hat sie den Charme, Kunst mit gesellschaftlichem Treffen und Gastronomie zu vereinen.“ Er „lege großen Wert darauf, dass die Kunstnacht eher von einem kunstinteressierten Kreis als von der Stadt getragen wird: Die Bürger sollen die Möglichkeit haben, sich an der Organisation zu beteiligen“, erklärt Kreil. Dass es von Jahr zu Jahr immer kleine Veränderungen gebe, sorge dafür, dass die Kunstnacht stets lebendig bleibt. Lebendigkeit, gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise, ist auch Rosemarie Döhler ein besonderes Anliegen. „Eine Initiative wie die Kunstnacht kann die Leute motivieren. Dass man sie mitnimmt, dass man eben nicht in das Klagelied einstimmt und sich nicht ins Jammertal setzt, sondern sagt: ‚Wir schaffen die Krise!’ So eine Initiative sollte man unbedingt beibehalten und unterstützen!“

Madelaine Ruska

Villa Zoellner

Marktredwitz - Auf dem Weg von Marktredwitz nach Thölau passiert man etwa auf halber Strecke, im Wald gelegen, ein Anwesen, das man auf den ersten Blick für ein barockes Schlösschen halten möchte. Doch die gelbe Fassade mit weißen Stuckelementen und Rundbogenfenstern täuscht:

Oberfranken war bekanntlich lange Zeit eine hoch industrialisierte Region. Zeugnisse dieser Epoche finden sich heute unter anderem noch in Form etlicher Gebäude, etwa herrschaftlicher Unternehmervillen. So wurde auch der vermeintliche Barockbau erst in den Jahren 1921 bis 22 errichtet.

Bauherr war Dr. Adalbert Zoellner, der damals bereits seit zwei Jahrzehnten für Rosenthal tätig war und seit 1915 die Porzellanfabrik Thomas leitete, die Rosenthal 1908 übernommen hatte. Mit der Produktion kriegsrelevanter Produkte sicherte Zoellner auch während des Ersten Weltkrieges das wirtschaftliche Überleben von Thomas. Nach Kriegsende expandierte das Unternehmen unter Zoellners Leitung und steigerte die Zahl seiner Mitarbeiter innerhalb von fünf Jahren von gut 400 auf knapp 1000.

1921 wurde Dr. Zoellner von Philipp Rosenthal gebeten, sich ein repräsentatives Wohnhaus in Marktredwitz zu errichten, in dem auch ausländische Gäste der Firma angemessen und "in deutschem Ambiente" untergebracht werden könnten. So entstand nach Plänen des Münchner Architekten John Rosenthal - nach anderer Quelle "Rosendahl" - innerhalb kurzer Zeit eine Villa mit 40 Zimmern und zahlreichen Nebenräumen, stilistisch am französischen Barock, aber auch am moderneren Jugendstil orientiert. Der erste Entwurf sah sogar einen schlossartigen Turm vor, der jedoch nach einem Brand des Rohbaus nicht wieder aufgebaut wurde.

Edle Innenausstattung

Vor der reich ornamentierten, symmetrischen Hauptfassade mit sieben Fensterachsen breitete sich eine abgetreppte Parkanlage aus. Der Zugang zum Haus wurde an die straßenseitige Schmalseite gelegt. Hier findet sich zunächst das Vestibül mit angegliederter Garderobe, bevor man über eine halbgeschossige Innentreppe die zentrale Diele erreicht.

Mit edler Holzvertäfelung, offenem Kamin, dem Gemälde einer archaischen Jagdszene und beiderseits des Kamins angeordneten Vitrinen zur Präsentation der Waffen des Hausherrn, wurde der Raum als rustikales Jagdzimmer gestaltet.

Zum Garten reihten sich die Bibliothek - hinter einer "Geheimtür" gelegen - das Herrenzimmer, das Zimmer der Dame, das Musikzimmer sowie der Speisesaal mit anschließendem Wintergarten auf. Rückseitig schloss ein eingeschossiger Wirtschaftstrakt an den Hauptbau an. Eine zweiarmige Treppe führt von der Diele ins Obergeschoss, wo sich einst di

e privaten Räume der Familie fanden. Weitere Räume waren unter dem typisch barocken Mansarddach untergebracht.

Dr. Zoellner, seine Ehefrau und die beiden Kinder des Paares nutzten den Prachtbau nur relativ kurze Zeit als Hauptwohnsitz: Zwar wurde Zoellner 1934 noch zum Vorstandsvorsitzenden der Rosenthal AG ernannt, doch bereits ein Jahr später musste er als "Nicht-Nazi" seinen Posten räumen. Als Abfindung erhielt er unter anderem das "Rosenthal-Porzellan-Haus" in München, wohin die Familie übersiedelte. Das Marktredwitzer Anwesen diente fortan nur noch als Ferien- und Wochenendhaus.

1957 starb Dr. Zoellner. Das Haus wurde in der Folgezeit an die Caritas veräußert, die es zum Familienerholungsheim umbaute, den Wirtschaftstrakt entfernte und einen wuchtigen, neuen Flügel anbaute. Im ehemaligen Park wurden Bungalows errichtet. Im Wesentlichen erhalten blieben erfreulicherweise die repräsentativen Räume im Erdgeschoss, die lediglich teilweise durch Wanddurchbrüche zueinander hin geöffnet wurden.

Drei Jahre Leerstand

Nachdem die Caritas ihre Einrichtung Ende der 1990er Jahre aufgab, stand das Anwesen zunächst einige Jahre leer. Seit drei Jahren bietet es nun Menschen, die vom Prader-Willi-Syndrom (PWS) betroffen sind, ein betreutes Zuhause. Unter der Bezeichnung "Luisenhof Sankt Benedikt" hat hier die SeniVita-Gruppe eine heilpädagogische Einrichtung mit zwei Erwachsenen-Wohngruppen und einer WG Jugendlicher eröffnet, bis zu 30 Bewohner können aufgenommen werden.

Bei PWS handelt es sich um eine leichte geistige Behinderung, die unter anderem mit unstillbarem Appetit bei ausbleibendem Sättigungsgefühl, Kleinwuchs, aber auch psychischen Problemen verbunden ist. Insbesondere aufgrund des zwanghaften Essverhaltens benötigen Betroffene eine intensive und individuelle Betreuung, die in allgemeiner orientierten Einrichtungen meist nicht gegeben ist. Die Spezialisierung auf PWS-Betroffene stellt dennoch bislang eine Besonderheit dar, die sich in Deutschland nur selten findet. Auf dem Gelände der Villa wird den Bewohnern mit sportlichen und handwerklichen Aktivitäten, einigen Tieren und anderen pädagogischen und Freizeit gestaltenden Beschäftigungen vieles geboten.

Zukunft gesichert

Doch das Schloss ist für die Bewohner kein Elfenbeinturm und so stehen auch Ausflüge in die Region auf dem Programm. Mit der Gründung des Luisenhofes zog eine besondere Einrichtung in ein besonderes Haus, dessen Erhalt somit auf absehbare Zeit gesichert erscheint. Johannes Kottjé

Atelier Harry Beierl

Das Bild sagt, dass es fertig ist

Künstler | Harald Beierl wollte eigentlich Designer werden. Jetzt malt er in einem 500 Quadratmeter großen Atelier im Selber Factory In.

Atelier Harry BeierlSelb - Sein Atelier im Selber Factory In ist rund 500 Quadratmeter groß. Früher befand sich darin die Gießerei der Porzellanfabrik Heinrich - eine gute Adresse für Ferienjobs, als Harald Beierl zur Schule ging. Jetzt ist er 40 und als freischaffender Künstler tätig. Große Bilder malt er, sehr große, aber auch winzig kleine. Letztere taugen "zum Anfüttern", sagt "Hari" - so lautet der Künstlername, mit dem er signiert. Besucher, die kleine Aquarelle von ihm erwerben, stellen zu Hause oft fest, dass sie mit der Zeit immer schöner werden. Dann kommen sie wieder, um Größeres nachzukaufen.

Das klingt nach fröhlichem und sorglosem Künstlerleben. Aber ganz so ist es nicht. Beierl kennt die Schattenseiten der Existenz, die er sich ausgesucht hat. Noch vor vier, fünf Jahren, erzählt er, habe er schwierige Zeiten erlebt und manchmal abwägen müssen, was wichtiger sei - ein Päckchen Tabak oder ein Brot. Und mit der Frage, ob er etwas anderes machen, sich einen festen Job suchen solle, habe er schlaflose Nächte verbracht. Aber derzeit weise der rote Faden seines Lebens nach oben: "Es macht Spaß." Beierl wurde in Weiden geboren. Zur Kunst kam er früh. Weil er einen Opa hatte, der Kunstmaler war, machte er mit sieben Jahren erste Versuche mit der Ölmalerei. "Wir haben", sagt er, "Rembrandt und Picasso kopiert." Bei der Firma Seltmann in Weiden begann er denn auch mit 16 eine Porzellanmalerlehre. An deren Ende wurde er von der IHK Regensburg als bester Absolvent ausgezeichnet. In Selb, das er schon als Berufsschüler kennenlernte, bewarb sich Beierl anschließend - erfolgreich - an der Porzellanfachschule, wo man, so sagt er, künstlerisch viel lernen konnte.

Zuerst Porzellanmaler

Während er dort studierte, kamen bereits Ausstellungen zustande, die allererste in der Praxis des Zahnarztes Dr. Claus Triebel - heute Vorsitzender des Kunstvereins Hochfranken Selb -, eine weitere im Rathaus der Stadt. Die Beteiligung an einer Gruppenausstellung im Wunsiedler Landratsamt führte dazu, dass Beierl ein Stipendium für den Künstleraustausch mit Veszprem am Plattensee erhielt. Und beim vierwöchigen Aufenthalt in Ungarn war es dann, "als ob ein Fenster aufgeht". Auf einmal wurde nicht nur das Bild als Ganzes wichtig; auf jeden Quadratzentimeter kam es nun an. Und Beierl, der vorher gesucht hatte zwischen Figur und Abstraktion, entwickelte ein Zeichenvokabular, zu dem Männchen und Häuser gehören, die bis heute seine Bildwelt prägen. Aus Veszprem zurück, verkaufte er bei einer Einzelausstellung im Landratsamt so gut, dass er sich ermutigt fühlte, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Vielen Firmen legte er Entwürfe für Porzellandekore vor, die gern angeschaut und wohlwollend beurteilt, aber ungern gekauft wurden. Auch auf Fachmessen lief sich der junge Mann zwei, drei Jahre lang die Hacken ab. Dann gab er es auf. Er beschloss, nicht mehr hausieren zu gehen und stattdessen zu warten, bis die Firmen zu ihm kommen. Allerdings kamen sie nicht. Dafür lief es mit der freien Kunst immer besser. Als "große Sache" bewertet Beierl eine Ausstellung im Jahr 1996 in einem Esslinger Einrichtungshaus. Auch mit Aufträgen für Fassadengestaltungen und anderes kündigten "fette Zeiten" sich an.

Endgültig nach Durchbruch sah es aus, als sich eine Ausstellung in einer Galerie in Mailand ergab. Deren Inhaber waren begeistert ("Wow! Toll!") von Fotos, die Beierl vorgelegt hatte, und flogen eigens nach Franken, um die Originale zu sehen. Bei der sehr gut besuchten Ausstellung gelang es dann, eine Arbeit nach New York zu verkaufen. Der junge Künstler legte Teile des "Reichtums" in Geschenken für die damalige Freundin an. Aber wie das so ist: Bald war das Geld weg, die Freundin desgleichen.

Seit drei Jahren nun hat Beierl, dessen Wohnsitz Schönbrunn bei Wunsiedel ist, das große Atelier in Selb. Geöffnet ist es am Freitag von 14 bis 18 und am Samstag von 11 bis 14 Uhr, aber fast täglich hält er sich darin auf. Er arbeitet an Bildern, deren Handschrift zeigt, dass er ein Fan von Kinderzeichnungen ist, und die überwiegend fröhlichen Charakter besitzen. "Um depressiv zu werden", sagt er, "kann man den Fernseher einschalten." Freilich will er Probleme nicht unterschlagen.

Lebenskünstler

Den Planeten Erde nennt er einen zerbrechlichen Ball, und mit den Leitern, die er malt, will er auch für das Erklettern höherer Bewusstseinsstufen plädieren. Gern setzt er Schrift sowohl als grafisches Element wie auch für Mitteilungen ein. "Ich bin kein Bild", hat er auf ein Gemälde geschrieben, das tatsächlich so aussieht, als wolle es ein richtiges Bild erst werden. Der Künstler hat noch keine Vorstellung von der Weiterarbeit daran. Eigentlich immer erst beim Malen, sagt er, zeige sich, "wohin die Reise geht". Und irgendwann sage ihm das Bild, dass es fertig sei.

Auch Objekte, oft auf Fundstücken basierend, stehen im Atelier, und einige heiter-poetische Porzellanbilder - handgemalte Einzelstücke mit Echtgoldauflage - gehen in Richtung Kunsthandwerk. Kleine Sachen, sagt Beierl alias Hari, verkaufen sich recht gut, die mittleren Formate dafür eher schlecht, noch schlechter als die ganz großen.

Dass er seit mittlerweile 16 Jahren von der Kunst lebt, ist erstaunlich genug auch dann, wenn man weiß, dass seine Existenz eine bescheidene ist. Einigen Halt geben ihm fünf Förderer und Sammler in der Region. Nach Ausstellungen unter anderem in Berlin, Braunschweig und Frankfurt bestehen aber auch Kontakte nach außerhalb. Die Adressen von Leuten, die mal Interesse zeigten, kann Beierl, wenn's mal gar nicht gut läuft, als letzte Trümpfe aus der Schublade holen: Kundenpflege per E-Mail steht dann auf dem Programm.

Er sei "keine Rampensau", sagt der 40-jährige Selber Künstler von sich. Und manches könnte wohl leichter sein, wäre er eine. Aber indem er das Sein so nimmt, wie es ist, beweist er, dass er glücklicherweise Talent zum Lebenskünstler besitzt. So könnte er sich auf Dauer als Überlebenskünstler behaupten.