Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Vorbereitung zur Porzellanausstellung 1926 in Selb

Die Stadt Selb

feiert ihr 500jaehriges Stadtjubilaeum - Vorbereitung Ausstellung 1926

Bei den Vorbereitungen zu dieser Feier kam auch der Gedanke zutage, in der Porzellanstadt Selb eine Ausstellung heimischer Porzellane zu veranstalten, in der die Industrie an der Staette ihres Wirkens zeigt, was sie fuer unser deutsches Vaterland im allgemeinen und fuer die Stadt Selb im besonderen bedeutet. Es wurde einstimmig beschlossen, in dem Gebaeude der Staatlichen Fachschule fuer Porzellanindustrie die Ausstellung einzurichten, und aller Beteiligter Wunsch war, eine Schau zu veranstalten, die zeigt, dass Selb trotz seiner Kleinheit als Stadt und seiner Abgelegenheit nicht zurueckzustehen braucht vor zentraler gelegenen und groesseren Staedten. Es soll nun aber nicht nur Porzellan schlechthin gezeigt werden, es sind bei seiner Ausstellung kuenstlerische Mittel angewandt worden, die sowohl die Industrie als auch die Haendlerschaft und Laien anregen wollen.

so wurde die Ausstellung ein Rahmen der sich um die in aller Welt bekannten Erzeugnisse der Selber Porzellanindustrie baut und der sie so zur Geltung bringt, wie es die Selber Porzellane in ihrer technischen und kuenstlerischen Vollendung verdienen. Das neben der Porzellanindustrie auch Industrien und Firmen ausstellen, die der Porzellan-Fabrikation und Handelsfirmen dienbar sind, ist selbstverstaendlich. Maschinen Fabriken und Handelsfirmen zeigen, was zur Herstellung des Selber Porzellans noetig ist.

Um nun diese verschiedenen Ausstellungssparten zu verbinden, hat das Bayer. Staatsministerium gestattet, dass ausser den Schulsaelen der Staatl. Fachschule, in der die Porzellane ausgestellt sind, auch die Maschinen- und Werkraeume, wie auch die technischen Sammlungen zur Ausstellung verwendet werden durften. Es ist somit eine einzigartige Schau ermoeglicht, die den Besucher die Entstehung des Porzellans von Anfang bis zur Vollendung zeigt. Er wandert durch die Maschinen- und Fabrikationsraeume, sieht die Brennoefen und lernt die technischen Bedingungen und Schwierigkeiten an den ausgestellten Sammlungen kennen.

Ein Augenmerk wurde bei der Ausstellung auch auf eine Ausstellung aelterer Porzellane gerichtet, die einesteils die Entwicklung der Selber Porzellanindustrie an manchen Stuecken zeigt, die aber auch an Hand auswaertiger Porzellane dem Besucher einen Einblick in die allgemeine Porzellankunst gewaehrt. Besonders aber wurde diese Ausstellung aelterer und auswaertiger Porzellane eingerichtet, um den Selber Technikern und Kuenstlern, die leider in unseren kleinen Stadt fehlenden kuenstlerischen Anregungen zu geben.

Die Gelegenheit Porzellan zu gewinnen, ist in der Ausstellung dadurch vorhanden, dass ein Glueckshafen eingerichtet ist. So soll der Selber Porzellan Ausstellung der geistigen Anregung und wirtschaftlichen Foerderung des Porzellanindustrie dienen. Sie soll nicht nur den Fernstehenden zeigen, was unsere Selber Industrie leistet, nein die Industrie selbst will sich und ihren Mitarbeitern Rechenschaft geben, ueber ihre rastlose Taetigkeit und ueber ihre Entwicklung. Jeder der sein Leben und seine Kraefte zur Herstellung des Porzellans einsetzt, soll sehen, dass er nicht nur des Mammons willens arbeiten muss, sondern dass er auch Werte schafft, die der Menschheit zur Verschoenerung und dadurch zum Glueck ihres Daseins beitragen.

Porzellanzentren entstanden in Deutschland und Boehmen und zwar: ein Zentrum in Thueringen, als das aelteste, ein Zentrum in Bayern, ein Zentrum in Boehmen und ein Zentrum in Schlesien.

Die rasche Entwicklung in der deutschen und wohl auch in der Weltporzellanindustrie hat das von C.M. Hutschenreuther, Hohenberg ausgehende Porzellanzentrum in Bayern genommen. Hier wiederum haben sich viele Unternehmungen in einem ganz besonderen Kristallistationspunkt zusammengedraengt, in Selb, der Stadt des Porzellans.

In ungefaehr 70jaehriger Entwicklung ist Selb wohl zur bedeutendsten Porzellanstadt der Welt geworden, sowohl was Menge und Verschiedenartigkeit, wie auch Wert und Guete der erzeugten Waren anbelangt. An keinen anderen Platz der Welt wird in so nahem Umkreis eine solche Menge qualitativ hochstehender Porzellangegenstaende geschaffen wie in Selb. Der grosse Selber Brand 1856, der fast die ganze Stadt einaescherte und ein ungeheueres Unglueck fuer die ganze Bevoelkerung bedeutete, war der eigentliche Anlass zur Begruendung der Selber Porzellanindustrie, denn in diesem Jahre errichtete Lorenz Hutschenreuther, um die vielen Beschaeftigungslosen unterzubringen, seine Fabrik.

1864 wurde die Porzellanfabrik Jos. Rieber gegruendet. 1880 gruendete Philipp Rosenthal im nahen Erkersreuther Schloss eine kleine Malerei. Nach wenigen Jahren vergroesserte er seinen Betrieb und errichtete in Selb eine eigene Porzellanfabrik. 1884 gruendete Chr. Krautheim seine Malerei, die spaeter in die Firma Krautheim & Adelberg umgewandelt wurde. Sie hat sich ebenfalls zu einer grossen Porzellanfabrik entwickelt. 1890 gruendete Paul Mueller seine Porzellanfabrik. Franz Heinrich begann 1896 seine Malerei. Schon nach einigen Jahren konnte er in einer eigenen Fabrik, die sich zum Grossbetrieb entwickelte, die Fabrikation des Porzellans selbst aufnehmen. 1906 entstand die Fabrik Graef & Krippner, die ebenfalls als Malerei gegruendet und in eine Porzellanfabrik umgewandelt wurde., 1920 in Erkersreuth bei Selb die Porzellanfabrik Gebr. Hofmann und 1923 die Oberfraenkische Porzellanfabrik, Erkersreuth, die in den Besitz der Maschinenfabrik Zollfrank ueberging.

Wir sehen die sich immer wiederholende Entwicklungsphase: Von den kleinsten Anfaengen heraus die Entstehung einer Malerei und Weiterentwicklung zum Fabrikbetrieb groessten Stils. Heute brennen die Selber Porzellanfabriken in 66 oefen, sie beschaeftigten 5.000 Arbeiter und ueber 500 Angestellte. Im Rahmen der gesamten deutschen Porzellanindustriebe bedeutet die Selber Porzellanerzeugung ca. 11% der Fabrikationsmenge nach Gewicht. Wird jedoch der Anteil der Selber Erzeugung in bezug auf Qualitaet und Preis erfasst, so kann man behaupten, dass ca. 14% des Wertes der gesamten deutschen Porzellanerzeugung von dem Industriefleiss der Selber Fabriken geschaffen werden.

Eine ueberragende Stellung nimmt Selb in der Ausfuhrstatistik fuer Porzellanwaren ein. Die hochwertigen Selber Erzeugnisse werden nur mit 40% auf den inlaendischen Markt gebracht, waehrend 60% der Produktion ins Ausland gehen. Mengenmaessig betraegt der Anteil an der Gesamtausfuhr von Porzellanwaren 14%, waehrend er dem Werte nach sogar 18% darstellt.

Noch groesser ist der Anteil Selber Fabriken an der Ausfuhr von elektrotechnischem Porzellan, dank der ueberragenden Stellung der Abt. E der Firma Rosenthal. Hier nimmt Selb mit 25% an der Gewichtsmenge und mit 28% am Gesamtwert der deutschen Elektroporzellanausfuhr teil. Unter den 13.000 Seelen zaehlenden Einwohnern von Selb leben allein rund 11.000 direkt von der Porzellanindustrie als Porzellanarbeiter und Angestellte zusamt ihren Angehoerigen.

Der Grund, weshalb gerade in Selb sich diese Industrie so entwickeln konnte, war vor allem die Naehe Boehmens, das in der Lage war, die Porzellanerde (Kaolin) und zum Teil auch die fuer die Kapselherstellung benoetigen Rohkaoline und Tone zu liefern. Der Hauptrohstoff war also in nicht allzuweiter Entfernung vorhanden. Ausserdem boten die grossen Waelder der Umgebung erst das Holz, bald aber wurde zu dem Brennstoff Braunkohle und Steinkohle uebergegangen, und hierin war wiederum Boehmen der Hauptlieferant.

Die wichtigste Voraussetzung fuer die Zusammenballung der vielen Porzellanfabriken an einem Ort war dann aber spaeterhin das Vorhandensein eines Facharbeiterstammes. Auch in dieser Beziehung kann Selb mit gutem Recht als die Porzellanstadt der Welt bezeichnet werden. Viele Facharbeiter, Techniker, Angestellte, die in Selb gelebt, gelernt und gewirkt haben, haben die Porzellanindustrie Deutschlands, ja der ganzen Welt befruchtet. Es gibt heute kein Gebiet der Qualitaetsporzellan Industrie, das in Selb nicht gepflegt wird.

Die Maerkte, die mit Selber Porzellan beliefert werden, sind die ganze Welt. Jedes Porzellanstueck aber, jeder Teller, der aus Selb kommt, traegt in seiner Fabrikmarke den Namen der Stadt Selb in alle Welt.