Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Thueringer Porzellankunst aus dem Lichtetal - Ausstellung Eisfeld Stadtmuseum

250 Jahre Thüringer Porzellan – „Thüringer Porzellankunst aus dem Lichtetal“ im Eisfelder Schloss ab 18.04.2010

Kein anderes Material hat die Tischkultur Europas so nachhaltig geprägt und verändert, wie das weiße Gold. Porzellan ist heute ein industrielles Massengut und sein täglicher Gebrauch ebenso selbstverständlich wie das Prädikat spülmaschinenfest. Noch vor 300 Jahren war der Besitz von „porcella“ eine Sensation und Könige, selbst Landesfürsten, haben Unsummen an Geld ausgegeben, um es zu besitzen. Kurze Zeit später, nach der europäischen Erfindung des ersten Porzellans in Dresden, gehörte es, mit Blick auf die möglichen Einkünfte und finanziellen Vorteile zum Attribut des Glanzes und der Würde eines Landesfürsten, eine eigene Porzellanmanufaktur zu besitzen. Das neue Material begeisterte die Menschen und vor allem jene, die es sich leisten konnten.

Heute ist es zu einem festen Bestandteil des Tisches geworden. Seine hervorragenden Eigenschaften wie Härte, Hitzebeständigkeit oder chemische Neutralität sind Garanten für die Zukunft des Porzellans nicht nur in Thüringen und seit 1760 hat das Thüringer Porzellan mehr als einmal bewiesen, dass es einen Vergleich mit den renommierten Porzellanmanufakturen nicht zu scheuen braucht. Die Thüringer Porzellanfabriken gehen bis auf die Gründung von Kloster Veilsdorf auf den Unternehmergeist bürgerlicher Gewerbetreibender zurück und mussten wirtschaftlich arbeiten, ohne die Zuschüsse fürstlicher Kassen. Die ehemaligen Porzellanfabriken Kloster Veilsdorf, Limbach und Rauenstein bildeten in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts das Kernland des Thüringer Porzellans. In allen großen Museen der Welt sind die Erzeugnisse dieser Manufakturen heute ausgestellt und im Kernland selbst, zeigen das Eisfelder Museum und das Rauensteiner Porzellankabinett eindrucksvolle Zeugnisse dieser einst bedeutenden Manufakturen. Man produzierte weniger für die fürstlichen Tafeln, sondern mehr für das Bürgertum. Im Jahr 2010, dem 250. Jahr der Nacherfindungen des Thüringer Porzellans, sollte der Focus auch in das Kernland seine Blicke lenken, denn neben den noch bestehenden Thüringer Porzellanbetrieben in den Standorten Kloster Veilsdorf, Rauenstein und dem Oberen Waldgebiet mit Lichte, Wallendorf und Lippelsdorf ist der Blick in die Geschichte des Porzellans auf dem Thüringer Wald von großer Bedeutung.

Schon ab 1860 gehörte Thüringen zu den im europäischen Maßstab gewichtigen Porzellanländern. Hinter der bescheidenen Fassade des Eisfelder Schlosses verbirgt sich seit Jahrzehnten eine der eindrucksvollsten Sammlungen an Thüringer Porzellan mit Dokumenten zu seiner Geschichte. Wenn dieser auch die Glanzlichter der Porzellankunst des 18. Jahrhunderts fehlen, die man sie in großen Sammlungen zwischen Eisenach und Weimar bewundern kann, so vermag sie doch die ganze Breite und Vielfalt dessen zu präsentieren, was Thüringen seit der Entstehung seiner Porzellanindustrie an weißem Gold hervorgebracht hat. Die Grundlage für die Verbreitung des Porzellans für eine größere Bevölkerungsschicht wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh. mit der Gründung zahlreicher Porzellanfabriken in Thüringen gelegt.

Als besonderes Beispiel wird das Eisfelder Museum in einer Sonderausstellung vom 18. April bis 12. September 2010 die Entwicklung der Porzellanmanufaktur Lichte zeigen. Hier gründete Johann Heinrich Leder 1804 eine Töpferwarenfabrikation, denn auf Grund des Privilegs der Volkstedter Porzellanfabrik durfte eine Porzellanproduktion nicht aufgenommen werden. Produziert wurden Tassen und Pfeifenstummel. Der Betrieb ging später in den Besitz seiner Vettern, der Brüder Heinrich und Wilhelm Liebmann, über. Letzterer war ab 1830 Alleinbesitzer des Betriebes. Nach Aufgabe der Porzellanmonopolstellung durch Volkstedt im Jahre 1832 erhielt Liebmann die Konzession zur Porzellanherstellung. 1843 erfolgte der Verkauf an Brüder Christoph und Philipp Heubach aus Lauscha. Das Produktionsprogramm bestand überwiegend aus Gebrauchsgeschirr.

Im Jahre 1876 wurde dann mit der Herstellung von Schmuckporzellan begonnen. In diese Zeit fällt auch die Wiederaufnahme der Bildnismalerei, deren Entwicklung die im Jahre 1862 gegründete Zeichen- und Modellierschule Lichte wesentlich förderte. Beachtenswerte Figurproduktionen, Modelle namhafter Künstler und wertvolle Tierplastiken von H. Krebs, Chr. Metzger, Wilhelm Neuheuser und Paul Zeiler steigerten das nationale und internationale Ansehen der Fabrik. Schalen und Platten mit Gemälden und Portraits bildeten eine weitere Spezialität. In der Bildnismalerei wurden insbesondere die Brüder Louis und Albert Scherf bekannt. Zur Weltausstellung in Paris, im Jahre 1900, stellte die Firma ihre künstlerischen Erzeugnisse zum ersten Male aus und erhielt die silberne Medaille. Auf späteren Ausstellungen, an denen sie sich beteiligte, wurden ihr die höchsten Auszeichnungen zuteil. Die Abteilung der Kunstporzellane wurde seitdem unter Heranziehung erstklassiger Künstler und sorgsamster Heranbildung der ausführenden Kräfte bis in die neueste Zeit weiter ausgebaut und hat stets unter Pflege handwerklicher Tradition das Schematische der Großfabrikation vermieden.

Seit 1904, inzwischen im Besitz der Enkel des Philipp Heubach, kam es zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und Firmierung als Gebrüder Heubach AG Lichte. Im Produktionsprogramm befanden sich ebenfalls Spielwaren als Kinderservice, Puppen und Puppenköpfe, ab 1910 auch Elektroporzellan. Nach wechselreichen Jahren wurde die Firma Heubach im Jahre 1938 von Otto Friedrich Fürst zu Ysenburg und Büdingen übernommen. Bereits sieben Jahre später erfolgte die Umwandlung in einen landeseigenen Betrieb und 1948 die Enteignung. Als VEB Porzellanwerk Lichte produzierte man Kaffee- und Teeservice, sowie Geschenkartikel. 1972 erfolgte die Angliederung des „VEB Porzellanfabrik Piesau zum VEB Porzellanwerke Lichte und Piesau und 1976 die Zusammenführung von 7 Zierporzellanbetrieben (Lichte/Piesau, Aelteste Volkstedt, Scheibe- Alsbach, Unterweißbach, Gräfenthal und Wallendorf) bei Beibehaltung der eigenen Warenzeichen zum VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte. Das Werk produzierte fortan primär für den DDR-Binnenhandel und die osteuropäischen Staaten. Auch in der Planwirtschaft war das feine Porzellan aus Lichte sehr beliebt und wurde als Luxusgut zu beachtlichen Preisen gehandelt. Die gute Tradition thüringischen Porzellans wurde weiter gepflegt.

Von 1991 bis 1993 war der Betrieb wieder im Besitz des ehemaligen Eigentümers, des Fürstenhauses zu Ysenburg und Büdingen. Seit 1994 produziert die Lichte Porzellan GmbH unter Leitung ehemaliger Mitarbeiter als eigenständige GmbH. Die Sonderausstellung im Eisfelder Museum wird versuchen, den Bogen von der 2. Hälfte des 19. Jh. bis in die heutige Zeit zu spannen.

Zum ersten Mal vereint diese Sonderausstellung die Porzellane dieser Fabrik aus den Beständen des Deutschen Porzellanmuseums Hohenberg, dem Thüringer Landesmuseum Rudolstadt und dem Eisfelder Museum miteinander. Der Schwerpunkt sind die figürlichen Porzellane zur Brüssler Weltausstellung 1910, die einen Durchbruch in der Welt des Porzellans darstellen. Firmengeschichte in Wort und Bild, Künstlerbiografien, Geschirre, Platten und Puppen dieser bedeutenden Thüringer Porzellanfabrik sind ebenfalls zu sehen.

Heiko Haine Museumsleiter Eisfeld.