Porzellanmalerei Schloss Erkersreuth
1880 erwarben die Brüder Max und Philipp Rosenthal das Schlossgebäude und richteten eine Porzellanmalerei ein. Dies war auch der Beginn des weltbekannten Rosenthal Porzellanunternehmens. Bereits drei Jahre später, 1883, beschäftigte der Betrieb bereits 80 Mitarbeiter. Die Leute waren froh, wieder arbeiten zu können, nachdem ein grosser Brand am 18. März 1856 die Nachbarstadt Selb in Schutt und Asche gelegt hatte. Auch viele Erkersreuther waren davon betroffen. Ein Jahr nach dem Selber Brand beantragte Lorenz Hutschenreuther den Bau einer Porzellanfabrik, was ihm freudig genehmigt wurde. Hutschenreuther produzierte weisses Porzellan, das die Brüder Rosenthal kauften und in Erkersreuth bemalten. Der ehemals ländliche Ort bekam nun industrielle Strukturen. Allmählich wurde das Schloss Erkersreuth für die Firma Rosenthal zu klein und man verkaufte es 1899 an die Selber Brauerei Rauh und Ploss. Mittlererweile zählte Erkersreuth etwa 1000 Einwohner und in der Folge errichtete man 1928 eine eigene evangelische Kirche und 1950 eine katholische Kirche.
Schloss Erkersreuth - Familienbesitz Familie Rosenthal
Das am Ostrand zu Selb liegende „Schloss Erkersreuth” wurde 1748 von Johann Christian Freiherr von Lindenfeld erbaut. 1879 begann Geheimrat Philipp Rosenthal hier seine Porzellanmalerei und legte damit den Grundstein zur heutigen Rosenthal AG. Das Unternehmen kaufte das Anwesen schliesslich 1953. Der Bildhauer Günter Ferdinand Ris gestaltete zwei den Besucher empfangende Lichtstelen sowie das schwere, jedoch durch seine Wellenstruktur optisch eher leicht wirkende Edelstahl-Portal, das später Pate stand für sein bekanntes Porzellan-Relief. In der anschliessenden Halle haben Ris, der Kinetiker Günter Dohr und der Komponist Hans Werner Henze ein interessantes Ton-, Licht- und Form-Environment geschaffen. Das Raumkonzept von Ris ist ein dreidimensio-nales Ensemble aus wiederkehrenden Porzellanformen und verspiegelten Flächen. Dohr interpretierte dieses Ensemble durch 85 Lichtquellen, die sich einzeln oder in Gruppen ansteuern lassen. Das zur Komposition von Henze inszenierte, aus den einzelnen Quellen unterschiedlich auf- und abschwellende Licht verändert das Ensemble und scheint den Raum zu erweitern. Henze hat bei seiner Komposition ständig die Idee „Porzellan” vor Augen gehabt und das Erdige, das Heisse und Kühle, das zärtliche und leicht Glänzende des Klangs angestrebt. Die Gruppe des japanischen Schlagzeugers Stomo Jameshita hat Henzes Werk live eingespielt, heute hörbar über mehrere Lautsprecher. Treppauf im ersten Stock des Schlosses wird der Besucher durch eine weitere Halle – den nach dem Fussboden benannten „Kupfersaal” – begrüsst, für die Philip Rosenthal HAP Grieshaber überreden konnte, einige Original-Druckstöcke zur Verfügung zu stellen.

Diese überlebensgrossen Exponate an der Fensterseite verleihen dem Raum einen galerieartigen Charakter. An der Stirnwand befindet sich eine Weltkarte, in der alle Touren eingezeichnet sind, die Philip Rosenthal in seinem langen Leben unternahm – darin ist die Tür zu seinen ehemaligen Privaträumen fast unsichtbar. Dreht man sich weiter im Uhrzeigersinn entdeckt man die von Bjørn Wiinblad gestaltete Doppeltür, auf der der Künstler die leiblichen Genüsse – Essen und Trinken – in seiner typischen Bildersprache dargestellt hat. Durch diese Doppeltür betritt man den Saal, für den weltweit bedeutende Porzellanstücke aus der Geschichte des weissen Goldes zusammengetragen wurden, um sie an den Wänden auf Konsolen präsentieren zu können. Durch einen kleinen Durchgang hindurch betritt man dann das „Bilderzimmer”, an dessen Wänden altmeisterliche Original-Ölgemälde aufgezogen wurden, die nur durch einen glücklichen Zufall vor der Vernichtung bewahrt wurden. Das Schloss wird privat genutzt und ist daher öffentlich nicht zugänglich.
Quellen:
Dieter Honisch: „Kunst gebrauchen” in „Die Rosenthal Story”, Econ, 1980 Henning Müller-Gerbes: „Bauen im Selbstverständnis eines Unternehmens” in „Materialien 3: Bauen für die Wirtschaft”, Architektenkammer Rheinland-Pfalz, 1988 Ulrich Kern: „Gebaute Unternehmenskultur”, Industriebau, Heft 2/199
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