Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanmaler Muenster

Seit über 150 Jahren sind Porzellanmaler in Münster tätig gewesen. Von wenigen Malern aus dem 19. Jahrhundert sind Lebensdaten oder Exponate bekannt. Einige sind in alten münsterisc

hen Adressbüchern nachzulesen. Andere sind im Wirkungskreis um die Kinderhauser Porzellanmanufaktur August Roloff, die von 1919 bis 1955 in Münster ihre Porzellane bemalte, bekannt geblieben, die in diesem Bericht im Vordergrund steht. Bei Malern wie Carl Eberstein, Heinrich, Adolf und Josef Sürth sind fast nur noch die Namen erhalten.

Porzellanmaler Conrad Hagemann

Als "ältester" Porzellanmaler ist Conrad Hagemann, auch Karl genannt, bekannt. Er ist am 17. Dezember 1815 geboren und war um 1849 wohnhaft im Hause Liebfrauen-Laischaft Nr. 163 (Im Branchenverzeichnis des Münsterischen Adressbuches von 1853 findet sich auch eine Adresse an der Neustrasse 163). Weitere Eintragungen in den Adressbüchern waren: 1857 Liebfrauen-Laischaft 226 b, 1870 Liebfrauen-Laischaft (Georgskommende) 128 h. In dem letzten Haus scheint er bis zu seinem Lebensende gelebt zu haben. Die im Stadtarchiv Münster vorhandenen Adressbücher von 1870 und 1879 vermerken ihn dort. Im Adressbuch von 1883 ist er nicht mehr verzeichnet. Von C. Hagemann ist seit längerem nur ein "Tabakstopf" bekannt, der mit einer Gartenlandschaft (wahrscheinlich mit dem Bispinckschen Garten) versehen ist. Ein Wasserbär (ein Turm auf einer Gräftenmauer) wie es 2 in der Promenade gibt und eine Bockwindmühle (vermutlich die Kreienmühle) sind zusätzlich zu sehen. Auf dem linken unteren Bilderrand ist geschrieben: "Nach der Natur gemalt von C. Hagemann". Der Deckel ist nicht mehr vorhanden. Auf der Rückseite befindet sich eine Inschrift: "Deus mihi haec otia fecit. Vergil" was bedeutet: "Gott gab mir dies zur Musse".

Die Weissware, die er bemalte, ist aus der Staatlichen Berliner Porzellanmanufaktur KPM (Königliche-Porzellan-Manufaktur). Zum 4. Oktober 1846 wurde die sog. Salbenkruke an den damaligen Kanzleirat Christoph-Conrad Fahle von seinen Freunden in Auftrag gegeben und mit einem kleinen Gedicht ergänzt. Laut Marke soll das Gefäss in der Zeit von 1837 bis 1844 hergestellt worden sein. Eine ausführliche Beschreibung des Salbentopfes war in einem WN-Artikel vom 30. September 1975 zu lesen. Conrad Hagemann wurde in diesem Bericht auch als Glasmaler erwähnt.

Carl Eberstein, Porzellanmaler, wohnhaft Breitegasse 282, ist so im Branchenverzeichnis des Münsterischen Adressbuches von 1853 neben Conrad Hagemann zu finden. Über ihn sind keine weiteren Daten bekannt. Von allen Porzellanmalern der Familie Sürth, die in der folgenden Zeit auch in den Adressbüchern als Porzellanmaler verzeichnet sind, ist nur folgender Hinweis von Heinrich Sürth zu lesen:

Heinrich Sürth, Sternstrasse 5a (Preussen), Porzellanmalerei, gegründet 1854, unter obiger Fa. seit 1872. Inhaber: Heinri

ch Sürth, Fabrikat: Bemalte Tassen, Schalen, Bierdeckel, Pfeifenköpfe, Services, Manschettenknöpfe, Wandteller, Vasen etc.. Spezialität: Wandteller und Pfeifenköpfe mit Landschaften und Militärbildern (lt. Adressbuch von 1894). Weitere Adressbuchein-tragungen sind: Ad. (Adolf ?) Sürth, Wolbeckerstrasse 1a (Preussen), lt. Adressbuch von 1894. Joh. Sürth, Mauritzstrasse 12 (Preussen), lt. Adressbuch von 1894, Adressbuch von 1907 und Zentralkataster von 1908, und Joseph Sürth, Brüderstrasse 1 (um 1900). Bei allen diesen Porzellanmalern ist davon auszugehen, dass sie jeweils einzeln malten.

Porzellanmaler Friedrich Vorhauer

Über einen weiteren Porzellanmaler, den Friedrich Vorhauer, der um 1900 an der Ritterstrasse 9 wohnte, ist auch in der Nachkommenschaft we-nig bekannt. 'Fritz' Vor-hauer wurde am 28. Oktober 1866 geboren. Mit ca. 14 Jahren malte er bereits auf Porzellan. Er hatte seinen Betrieb in einem hinteren Steinhaus an der Steinfurter Strasse 116. Der benötigte Brennofen (aus Steinen gemauert, auch Muffelofen genannt) stand in einem Stall. Vorhauer bemalte überwiegend Bierseidel (Reservistenkrüge), Pfeifenköpfe, Wandteller, Service, Kacheln (auch Landschaften) u. a.. Weitere Porzellanmaler hatte er nicht beschäftigt. Durch die Malerei war er gut betucht. Infolge des Kriegsbeginnes 1914 blieb er auf einem Auftrag "sitzen". Eine Kiste mit bemaltem Porzellan sei nicht mehr abgeholt und bezahlt worden. Dies soll ihn in den "Ruin" geführt haben.

In den Kriegsjahren von 1914 bis 1918 arbeitete Fritz Vorhauer beim Finanzamt in Münster. Im Jahre 1918 kam August Roloff aus Fürstenberg zu ihm in die Werkstatt. Hier machte Roloff seine ersten Entwürfe. Am 03. Februar 1919 starb Fritz Vorhauer in Münster an einer Bleivergiftung. Bei den Porzellanmalern war es Sitte, den Malpinsel in den Mund zu nehmen, um ihn mit Speichel und Lippen "anzuspitzen". So kam über die Farben Blei in die Blutbahn. Zudem soll er zu dieser Zeit eine starke Lungenentzündung gehabt haben. Die Witwe Vorhauer hat später den Nachlass (wie Farben, Pinsel, Gold u.ä.) an die Fa. Roloff verkauft.

Porzellanmaler August Roloff

August Roloff, der am 11.10.1897 in Fürstenberg an der Weser geboren wurde, erlernte dort bei der Porzellanmanufaktur Fürstenberg das Porzellanmalen, machte seine Ausbildung an der Münchener Kunstgewerbeschule zum Porzellanmalermeister und kam 1918 nach Münster/Westf. Er malte und brannte beim Porzellanmaler Fritz Vorhauer. Er kennzeichnete in dieser Zeit mit der "ARO"-Marke. Fünf Wochen nach dem Tod von Friedrich Vorhauer zog er wahrscheinlich mit seiner ersten Werkstatt am 19.03.1919 in das hintere Gebäude der Familie Görtz an der Steinfurter Strasse 101, bis er den Betrieb 1924 an der Kinderhauser Strasse 104 eröffnete (heute Messkamp 15). Dekore, die mit der Marke ARO versehen wurden, finden sich auch auf den frühen Porzellanen der von ihm später (1919) in Münster gegründeten Porzellanmanufaktur wieder. In diesem Jahr muss er Otto Grosse kennen gelernt haben.

Porzellanmaler Otto Grosse

Porzellanmaler Otto Grosse (Otto Friedrich August Grosse), geboren am 17. Dez. 1900 in Münster, firmierte unter Grosse & Götz eine eigene Malerei. Er absolvierte vorher bei der Landmaschinenfirma Fritz Stille am Dahlweg 103 in Münster eine Lehre als Technischer Zeichner. Es ist zur Zeit noch nicht bekannt, in welcher Zeit Grosse selbst oder mit Götz zusammen seinen eigenen Betrieb unterhielt. Es wird etwa in den Jahren 1918 bis 1927 möglich gewesen sein, denn ab 1928 kam er als Porzellanmaler zur Fa. August Roloff.

Die Dekore aus seiner frühen Zeit sind denen des August Roloff, als dieser mit ARO kennzeichnete, sehr ähnlich. Hier malte und entwarf er viele graphische Muster (Art Jugendstil), Blumensträusse, Blüten und Goldstaffagen (auch Stahl- und Stempeldruck). Auch spritzte er mit einer sehr ruhigen Hand die Porzellane mit der gewünschten Fondfarbe, die je nach Vorgabe teilweise wieder ausgesprengt/ausgeputzt wurde, um das Muster aufzunehmen. 1939 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Am 8. Oktober 1948 kam er aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Danach arbeitete er bis zum Konkurs bei der Fa. Roloff. Er war in diesen Jahren als Mustermaler sehr geschätzt.