Porzellanmaler August Roloff
Porzellanmalerei August Roloff in Münster
August Roloff bezog in den Anfangsjahren überwiegend die Weiss ware von: Thomas, Rosenthal, Schumann, Tettau, Gräf & Krippner, Königszelt, in den Nachkriegsjahren von Heinrich, Johann Havi land, Eschenbach, Krautheim, Pirkenhammer, etc.. Auch Glas soll bemalt worden sein. Über das gezielte Aufkaufen äl terer Porzellane (Lagerbestände, die meistens früheren Datums waren) von sächsischen und vielen süddeutschen Porzellanfabriken hinaus entwarf August Roloff eigene Formen, die er dort für sich herstellen liess. Diese Porzellane tragen seine Marke in Grün unter der Glasur. Teilweise wurde die Weissware zusätzlich mit "Entwurf von Aug. Roloff" auch unter der Glasur in grüner Farbe ergänzt.
August Roloff begann mit drei Malern seinen Betrieb. 1921 kam der erste Lehrling, Bernhard Bufé dazu. Dieser wurde im Laufe der Jahre ein meisterhafter Maler, sowohl ein "Meister" für das Brennen, insbesondere für die Farbe Korallrot. Werner Reize (aus Konstanz, geb. 7.8.1902, gest. 1962 in Bonn), Freund von August Roloff und Mustermaler, bestimmte sehr viele neue Dekore. Unter anderem hat August Roloff aus einem Buch von Otto von Falke: "Altberliner Fayencen", erschienen 1923 Im Verlag von Ernst Was muth A.-G. Berlin, "seine" Paradiesvögel-Muster entnommen. Dort sind nämlich Dekore von Christoph Reichert und Ludwig Ruppert (1701 bis 1727, a.a.O, S. 14) aus der Fayencefabrik Gerhard Wolbeer aus Ber lin ent halten.
Mit ihm ging August Roloff in den Jahren 1928 und 1929 nach Konstanz, wo Roloff Mitinhaber der Porzellanmalerei Jöhle wurde. Im alten Adressbuch des Jahres 1928 von Konstanz steht August Roloff als Mitinhaber der Porzellan-Manufaktur August Roloff G.m.b.H. auf der Hindenburgstrasse 40 eingetragen. Auch Bernhard Bufé war als Porzellanmaler in Konstanz. Die Marke der Konstanzer Porzellanmanufaktur zeigt die Bayrische Krone (eine Fürstenkrone mit Purpurmütze) und Relikte der von den Wiedertäufern abgewandelten Roloffmarke aus Münster. Aber auch Marken aus Münster waren in Konstanz bekannt.
Der damalige Prokorist Henze übernahm gleich nach dem Tod von August Roloff (gest. 9.10.31) die Leitung der Manufaktur. Mit der Einheirat des Schwiegersohnes Ludwig Wiesner wurde dieser dann entlassen, weil Wiesner die Führung des Betriebes übernahm. In den Kriegsjahren hielt Porzellanmalermeister Otto Fuldauer, der als Holländer nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde, den Be trieb aufrecht. Otto Fuldauer war vorher in Dieringhausen (Wuppertal) bei der Porzellanmalerei Spitzer beschäftigt und kam 1938 zu Roloff. Beide Malereien zeigen in einigen Mustern Ähnlichkeiten.
Später kam Edith Wiesner nach ihrer Ausbildung als Meisterin da zu. Der Betrieb wurde im Jahre 1944 durch Bombeneinwirkung zerstört. Die Kriegsschäden betrugen 146.841,91 DM. Die grossen Auslandsverluste infolge des Kriegsausganges beliefen sich auf 63.000,-- DM. Die Weissware anderer Porzellanmanufakturen aus dem süddeutschen Raum, die von der Fa. Roloff sonst bemalt wurde, galt nicht als lebenswichtig und wurde somit nicht durch die Zonengrenzen gelassen. In den Nachkriegsjahren wurden deshalb Töpfer aus dem westfälischen Orten Hamm und Ochtrup geholt, um Haushaltsgeschirr für den täglichen Gebrauch herzu stellen. Die Formen wurden teils auf der Töpferscheibe gedreht oder in Formen gegossen. Es wurden besonders für Steingut ge eignete Dekore entworfen oder bisherige übernommen. Wenig spä ter wurden alte Muster abgewandelt und als neue angeboten. Nach dem Krieg war das Verkaufsgeschäft in einer Baracke am Hansaplatz untergebracht. Porzellane aus dieser Zeit wurden mit dem sogenannten "Altgold" versehen. Der Wiederaufbau an Ge bäude, Öfen und Maschinenanlagen wurde bis auf die Wiedererstellung des alten Bodenraumes durchgeführt. Im Jahre 1949 wurde die Firma August Roloff in eine OHG umgewandelt, deren Gesellschafter waren die Witwe Ida Roloff und Edith Wiesner geb. Roloff, Grevener Strasse 138, Münster/Westf..
1953 wurde das Betriebsgebäude durch ein Betondach abgedeckt. In dieser Zeit spricht die Fa. Roloff von rund 500 Orten des damaligen Bundesgebietes, in denen sie durch Einzelhandelsgeschäfte vertreten ist; in grösseren Städten sogar in mehreren Häusern. Aber auch die bereits seit 1925 geführten Auslandsgeschäfte wurden unverzüglich wieder aufgenommen. Anfang der 50er Jahre gingen grosse Lieferungen nach: "Belgien, Freistaat Triest, Norwegen, Niederlande, Schweden, Itali en, Schweiz, Portugal, Luxemburg, Türkei, Südafrika, Curacao, Mexiko, Cuba, Peru, Panama, Britisch Westindien, USA, Australien und Neuseeland."
Die Mitarbeiter malten teilweise im Akkord, um die g
anzen Aus landsaufträge so gut wie nur möglich zu erfüllen. Trotz allem (die Schiffe in Übersee wurden festgehalten und nicht gelöscht) konnte sich die Fa. Roloff nicht wieder erholen. Es ging bergab. Dienstleis ungen wurden mit Porzellan verrechnet, Löhne wurden nicht aus bezahlt. Einige Maler hatten schon rechtzeitig den Arbeitsplatz gewechselt, z. B. hatte Porzellanmalermeister Heinz Pettirsch vom 1.5.1950 bis 31.12.1971 eine eigene Manufaktur auf dem Lohkamp 11 in Burg steinfurt. Mehrere Maler (Kahlert, Kästermann, Neufeind) gingen zur Porzellanmanufaktur Rhenania (ehemals Cautex) in Duisdorf bei Bonn. Auch der Mustermaler Werner Reize ging mit. Andere machten beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Lehre als Technischer Zeichner. Auch die letzte Porzellanmalerin Ute Lieder (heute Ute Elpers) ging nach einer Lehre als Technische Zeichnerin in einem münsterischen Ingenieurbüro (VEW) zum Landschaftsverband und arbeitete dort wieder mit Bernhard Bufé zusammen.
Otto Grosse
Otto Grosse (siehe vorher), war in den 20er Jahren bei der Fa. Ro loff als Porzellanmaler beschäftigt. Von 1939 bis 1948 war er im Krieg bzw. in der Kriegsgefangenschaft. Er hat bis zum Konkurs bei Roloff gemalt. Als Mustermaler hatte er die "modernen" Muster entworfen. Von Otto Grosse sind auch Öl- bzw. Aquarellbilder be kannt. Er war mit Bernhard te Uhle befreundet und malte neben seiner Behördentätigkeit fleissig bei diesem mit und benutzte dessen Brennofen.
Von dieser Zeit an, abgesehen von älteren Geschenken (Vasen, Tassen, Teller u.a.m.) an die Verwandtschaft, kennzeichnete er mit seinem Namenszug. In einigen Fällen hat er auch Entwürfe für Bernhard te Uhle gemalt. Er starb am 18. Oktober 1972 in Münster.
Bernhard Bufé
Bernhard Bufé, Studtstrasse 64, geboren 28.04.1907, in Münster, gest. 21.11.1990 in Münster, war von 1921 bis 1955 (abgesehen vom Kriegsdienst) als Porzellanmaler bei der Fa. August Roloff tä tig. Er war besonders wegen seiner Blumen malerei beliebt. Ihm war die Aufsicht über das Brennen übertragen worden. Er besass die Brandmusterteller von Roloff, auf denen die verschiedenen Farben mit Nummern versehen waren. Er hatte viele Teller hergestellt und Farben aus probiert. Seine "Erfindung" war die Herstellung des besonders lang ausgezogenen Reliefs. Für alle Lehrlinge war er Ansprechpartner, Ausbilder und Vorbild. Während seiner Umschulung zum Technischen Zeichner und seiner Berufstätigkeit beim Landschafts verband Westfalen-Lippe bemalte er weiterhin Porzellan.
Die Deko re lehnten sich sehr stark an Muster aus seiner "Roloff-Zeit" an. Die Formen der Weissware waren beliebig. Zum Teil waren es auch alte Porzellane von der Fa Roloff, die bei te Uhle gebrannt wurden. Bernhard Bufé war ein hervorragender Porzellan-Restaurator, der von vielen münsterischen Porzellangeschäften und von den Muse en Aufträge bekam (z.T. Versicherungs- und Transportschäden).
Bernhard te Uhle
Bernhard te Uhle, Hoffschultestrasse 15, geboren 11.08.1913 und gestorben am 28.06.1996 in Münster, als langjähriger Porzellanmalermeister bei Roloff beschäftigt, übernahm 1955 (?) den Firmen-Nachlass der Porzellanmanufaktur August Roloff. Er über nahm auch das "künstlerische Erbe", die Stahldruckplatten, die überwiegend von August Roloff, Otto Grosse, Bernhard Bufé und Roloffs Freund und Mustermalermeister Werner Reize hergestellt
worden waren (Nach seinem Tod wurden diese Stahldruckplatten von den Erben zum Schrotthändler Bernsmann gebracht). In einem Nachkriegsbau an der Hoffschultestrasse hatte er seinen Betrieb. Neben seinen vielen Entwürfen verwandte er auch Muster der Fa. Roloff. Dies tat er bereits in den 30er Jahren, als er bei der Fa. Severin in Bünde malte (er ging 1937 mit Roloffmaler Alfons Zurkuhlen dort hin). Er bemalte Bonbonnieren, Mokka- und Sammeltassen, sowie Vasen, Services, Schalen, u.v.m.. Ganz besonders wurde er von münsterschen Vereinen angesprochen, um Gedenk-, Jubel- und Geburtstagsgrüsse auf Porzellan zu verewigen. Auch Broschen und ähnlich kleine Porzellanteile be malte er. Viele Münsteraner haben bei ihm fehlende Porzellan stücke wie einzelne Teller oder Tassen ergänzen und mit gleichem Muster nachmalen lassen.
Kurt Sünderhauf
Kurt Sünderhauf, Höftestrasse 2a, geb. 03.05.1913 in Duisburg, war wie Bernhard te Uhle im zweiten Weltkrieg (bei den Fliegern). Nach dem Krieg lernte er ab 1946 bei Bernhard te Uhle das Porzellanmalen. Bereits vorher lernte er die Schwester seines Meisters kennen und hei ratete sie 1940. Im Jahre 1949 machte er seine Gesellenprüfung in Münster. Seit 1951 malt er mit einer eigenen Stempelmarke Porzellan. Bis 1962 hatte er seinen eigenen Betrieb. Viele Maler der ehemaligen Fa. August Roloff liessen bei ihm ihre bemalten Porzellane brennen (Alfred Bachmann, Bernhard Bufé). Kurt Sünderhauf malte noch bis etwa 1987. Karlheinz und beson ders Arthur Claus halfen ihm beim Erledigen seiner Aufträge.
Alfred Bachmann
Alfred Bachmann, geb. am 04.03.1923 in Gross-Saabor, Von- Einem-Strasse 19, begann nach dem Krieg die Porzellanmalerlehre bei August Roloff. 1949 machte er seine Gesellenprü fung. Bis 1953 blieb er im Ausbildungsbetrieb. Danach wechselte er zu Karstadt. Er hatte immer schon neben her gemalt, fing aber nach 1980 wieder voll an zu ma len. Seine Vorliebe sind Blumen und Kindermotive. Heu te lebt er in Gescher, wo er weiterhin malt und brennt.
Diese oben genannten Porzellanmaler bzw. Malereien sind aus den letzten zwei Jahrhunderten bekannt geworden. Nur von wenigen, besonders aus diesem Jahrhundert stammenden Malereien, sind überhaupt noch Exponate bekannt oder zu bekommen. Es ist auch bei einigen nicht mehr festzustellen, ob jeweils ein Maler oder mehrere MalerInnen unter den Adressen tätig waren.
Quelle: Rainer-Ludwig Daum
- Anmelden um Kommentare zu schreiben
Freunde weiterempfehlen











