Porzellanland Thueringen
Ein Gemeinschaftsprojekt der Thüringer Museen, gefördert und betreut durch den Thüringer Museumsverband, den Förderverein „Thüringer Porzellanstrasse“, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Thüringer Tourismus-Gesellschaft sowie die örtlichen touristischen Einrichtungen. Der kulturelle Reichtum des Landes Thüringen fußt auf einer geschickten Wechselwirkung von Einflüssen aus der Politik, Kunst und Wissenschaft. Eine besondere kulturelle Leistung stellt das Porzellan dar, das seit nunmehr 250 Jahren in zahlreichen Porzellanmanufakturen hergestellt wird. Vor 250 Jahren - 1760 - wurde die erste Manufaktur gegründet. In rascher Folge kamen weitere Gründungen hinzu. Die Vielfältigkeit der Produkte spiegelt die unterschiedliche Entwicklung in den verschiedenen Territorien wider.
Bis zum heutigen Tag hat sich in Thüringen eine vielgestaltige und eigenständige Porzellanindustrie behauptet. Zudem hat der internationale Kunstmarkt in den letzten Jahrzehnten das historische Thüringer Porzellan als qualitätvolles Sammelgebiet entdeckt. Es liegt darum nahe, dass die Museen des Landes dieses Jubiläum sowohl als Pflicht wie auch als Chance begreifen, durch gemeinschaftliches Auftreten die Öffentlichkeit auf diese außergewöhnliche kulturelle Tradition aufmerksam zu machen.

Entlang der Ost-West-Achse Thüringens, unmittelbar an der Autobahnlinie A4 gelegen, befinden sich sieben Museen, die aufs Engste mit dem Thema Thüringer Porzellan verknüpft sind. Fährt man von Pößneck über Kahla und Rudolstadt nach Ilmenau, gelangt man weiter südlich entlang der Thüringer Porzellanstraße in die Regionen Rauenstein und Eisfeld bis nach Lauscha, dem Kerngebiet des Thüringer Porzellans. Dort finden sich seit alters her die Rohstoffe für die Glas-, Fayence- und Porzellanherstellung. Große Waldgebiete wechseln mit gerodeten Flächen. Weiße Kaolinerde wurde ebenso abgebaut wie farbiger Ton für Keramik verschiedener Art. Auf der Linie Pößneck-Lauscha befinden sich acht weitere Museen, die auf beispielhafte Weise die Herstellung des „Weißen Goldes“ im Thüringer Wald dokumentieren.
Die meisten dieser Museen sammeln nicht ausschließlich Porzellan. Als ehemalige Residenzen oder Burganlagen thüringischer Fürsten und adliger Herren bewahren sie Schätze aus verschiedenen Epochen der Kunst- und Kulturgeschichte. Sie bildeten den jeweiligen Mittelpunkt der Klein- oder Kleinststaaten, die sich auf diesem Gebiet bis in das 20. Jahrhundert hinein zuhauf fanden. Eine Besonderheit stellt das Museum „Neues Schloss Rauenstein“ dar, das sich ganz dem Thema Porzellan verschrieben hat.
So treffen - Coburg eingeschlossen - insgesamt 16 Museen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen aufeinander. Sie verbindet das Ziel, Gemeinsames und Trennendes zu verbinden. Die Vielfalt an Thüringer Porzellan hat eine 250-jährige Tradition und fußt auf den zahlreichen Herstellungsorten, die sich durch individuelle Gestaltung und Wirkung voneinander unterschieden. Dieses bis in die Gegenwart reichende kulturgeschichtliche Phänomen soll spannend dokumentiert werden.
Infolge eines regen Leihverkehrs zwischen den Partnern wird es möglich, die Einzigartigkeit thüringischer Porzellanerzeugnisse erstmalig in ihrem gesamten Umfang zu zeigen. In vielen Einzelexpositionen wird - thematisch komprimiert – der Facettenreichtum aufgefächert. Infolge umfangreicher Bau und Rekonstruktionsmaßnahmen in zahlreichen Thüringer Museen waren die Bestände in den vergangenen Jahren teilweise in die Magazine verbannt. So stellt für mehrere Einrichtungen das 250. Jubiläum der Nacherfindung des Thüringer Porzellans einen Anlass dar, ihre Häuser in neuem Glanz erstrahlen zu lassen - oder hinzugewonnene Flächen für Sonderausstellungen erstmalig zu nutzen.
Im Eisenacher Stadtschloss wird nach fast 20jähriger Bautätigkeit die neue Dauerausstellung eröffnet. Gleichsam als roter Faden durch die Ausstellung zieht sich die Geschichte der Herstellung Thüringer Porzellane. Das Stadtmuseum in Ilmenau erhält einen modernen Anbau für Sonderausstellungen. Das „Neue Schloss Rauenstein“ sieht ebenfalls einer Erweiterung der Ausstellungsfläche entgegen.
Einige Museen (Museum Leuchtenburg Kahla, Museum „Otto Ludwig“ Eisfeld, Thüringer Museum Eisenach) präsentieren das gesamte Spektrum thüringischer Porzellankunst und setzten dabei verschiedene Schwerpunkte, die differenziert dokumentiert werden. Ein Großteil der Partner behandeln konzentriert Spezialthemen, die für die eigene Geschichte und Region prägend waren. So kommt es nicht von ungefähr, dass man in Jena Erzeugnisse der Manufaktur Burgau ins Blickfeld rückt, in Rauenstein die gleichnamigen Erzeugnisse gezeigt werden und in Rudolstadt die engen Beziehungen zur Volkstedter Manufaktur aufgezeigt werden. Priorität haben in Ilmenau die dort entstandenen Porzellane. In Weimar werden die Erzeugnisse von Closter Veilsdorf im Schloss Belvedere gezeigt und das Blankenhainer Porzellan im Stadtmuseum.
Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha wird die Entwicklung der Gothaer Manufaktur im 19. Jahrhundert dokumentieren. Den Kreuzpunkt der Ost-West- und Nord-Süd-Achse bildet das Volkskundemuseum Erfurt. Hier wird daher die Thematik „Thüringen um 1800 - ein europäisches Zentrum für Porzellanproduktion“ im Mittelpunkt stehen und das Erwerbsleben der heimischen Porzelliner aufgezeigt. Insbesondere wird dabei auf die vielfältigen Auswirkungen des Greiner-Imperiums eingegangen.
Inmitten des Thüringer Waldes befindet sich der altehrwürdige Glasmacherort Lauscha. Das dort ansässige Museum für Glaskunst beherbergt eine umfangreiche Sammlung an thüringischen Beingläsern. Sie boten vor Bekanntwerden der geheimen Rezeptur des Porzellanarkanums einen adäquaten Ersatz für die begehrte weiße Ware.
Die Wirtschaftlichkeit thüringischer Porzellanunternehmen wird vor allem an der umfangreichen Produktpalette sichtbar. Gebrauchsartikel des täglichen Bedarfs wie Stock- oder Messergriffe, Pfeifensowie Puppenköpfe und auch Tabatieren (Schnupftabaksdosen) oder Nippes wurden in großen Mengen nach Übersee verkauft. Die Versendung der zerbrechlichen Fracht erfolgte per Schiff. Während im Museum „Otto Ludwig“ Eisfeld das gesamte Repertoire der Erzeugnisse des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt wird, beleuchtet eine Exposition im Spielzeugmuseum Sonneberg die große Beliebtheit der in aller Welt bekannten Porzellanpuppenköpfe.
Am Ende des Weges durch den Thüringer Wald richtet sich der Blick auf die ehemalige thüringische Stadt Coburg, die im regen Technologietransfer mit den thüringischen Porzellanmanufakturen stand. Eine Ausstellung im Stadtmuseum Coburg bezeugt daher mannigfaltige wirtschaftliche Zusammenhänge und stellt das Thüringer Porzellan um 1900 ins rechte Licht.
Wer die einzelnen der 16 Stationen von Ost nach West bis in den südlichen Thüringer Wald aufsucht, begibt sich zunächst auf eine Entdeckungsreise in ein landschaftlich reizvolles Gebiet mit Kalksteinfelsen, hügeligen Regionen, reichen Eichenwäldern bis hin in die Höhenlagen des Thüringer Waldes.
So vielseitig die Landschaft ist, so facettenreich bieten sich die Museen dar. Ob als ehemalige Residenz eines sammelnden kunstsinnigen Fürsten oder als schlichtes Bürgerhaus, das einen aufstrebenden Unternehmer beherbergte – allen gemeinsam ist die hohe Dichte an thüringischer Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte.
Im Jahr 2010 widmen sie sich in Gestalt von Ausstellungen, Sonderveranstaltungen und Workshops dem besonderen Thema „250 Jahre Erfindung des Porzellans in Thüringen“. Ein gemeinsam erstellter, reich bebilderter Katalog bildet zum Einen den Leitfaden durch die Expositionen und stellt zum Anderen die neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse vor. Diese werden u.a. auch infolge einer aktiven Zusammenarbeit mit der Schiller-Universität Jena erzielt. Thüringen präsentiert sich im 250. Jubiläumsjahr seiner Porzellanherstellung als „weißes Herz“ Deutschlands, das auch heute mit seinen Produkten den Weltmarkt erobert.
Blick in die Geschichte: Vor 250 Jahren gab es in Thüringen Versuche zur Herstellung von Porzellan, die – fünfzig Jahre nach Johann Friedrich Böttger in Dresden und Meißen – ebenfalls zum Erfolg führten. Namentlich sind Georg Heinrich Macheleid, Wolfgang Hammann und Johann Gotthelf Greiner als Nacherfinder des Porzellans in die Geschichte eingegangen und gelten als Begründer der langjährigen und geschichtsträchtigen Handwerkskunst des Thüringer Porzellans. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Porzellanmanufakturen.
Das Angebot und die Originalität dieser Porzellan-Erzeugnisse waren die Ursache für den Erfolg in der eigenen Region und einen bereits im 18. Jahrhundert beginnenden Export nach Europa und Übersee, der im 19. und 20. Jahrhundert erfolgreich fortgesetzt und enorm gesteigert werden konnte. Mit der 1992 erfolgten Gründung des Fördervereins „Thüringer Porzellanstraße“ e.V. gibt es eine erfolgreiche touristische Vermarktung zahlreicher ehemaliger Standorte, noch bestehender Porzellanmanufakturen mit Werksbesichtigung und Verkauf sowie Museen mit Dauerausstellungen Thüringer Porzellanerzeugnisse.

Porzellanland Thüringen - mit einem einzigartigen historischen Gesamtüberblick und interessanten Streiflichtern der Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Farbenprächtige, detailgetreue Fotografien und besonders wertvolle Dokumente illustrieren diese bisher einmalige Publikation – herausgegeben anlässlich des Festjahres "250 Jahre Thüringer Porzellan". 396 Seiten,über 350 Abbildungen ISBN 978-3-942176-10-1 - Ladenpreis von 39,80 € (inkl. 7% MwSt.) - Zu beziehen über das Stadtmuseum Jena.
Siehe auch Ausstellungen Thueringen 2010 aufrufen











