Porzellanfabriken Thueringen

An drei Orten im Thüringer Wald, in Sitzendorf, in Limbach und in Katzhütte, kann man rund fünfzig Jahre nach der Erfindung des europäischen Porzellans durch Johann Friedrich Böttger erneut hinter das Geheimnis der Porzellanherstellung. Georg Heinrich Macheleid, Johann Gotthelf Greiner und Johann Wolfgang Hammann sind die Namen derer, die unabhängig von Böttger die Kunst der Porzellanherstellung nacherfanden. Fortan nahm das Thüringer Porzellan eine eigenständige Entwicklung. Zweifelslos sind die Einflüsse der Meissner Manufaktur unverkennbar, doch hat sich Thüringer Porzellan die liebenswerte Originalität eines nicht höfisch orientierten Porzellans bewahrt. Noch heute verfügen die Thüringer Manufakturen über einen fast unerschöpflichen Formenschatz, der zum Teil ein Alter von 200 Jahren hat.

Die Porzellanfabriken in Thüringen

Im Jahre 1897 wurden im Deutschen Reiche 225 Porzellanfabriken und -malereien gezählt. Mehr als 50% (120 Betriebe) arbeiteten in Thüringen. Der Gesamtwert der fertiggestellten Waren wurde auf mehr als 25 Millionen Mark geschätzt, wovon 75% ins Ausland gingen. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter lag bei knapp 20.000. Von Anfang an kam es zwischen den Porzellanfabrikanten zum Kampf um Kunden und Märkte. Krumme Touren und unlauterer Wettbewerb gehörten zum Geschäft. So sorgten z.B. Schlussverkäufe (sog. Porzellanversteigerungen) und missbräuchliche Kennzeichnung der Ware für dauernden Aufregung in der Branche. Nicht selten kam AECHT MEISsNER PORZELLAN aus einem einsamen Ofen im Thüringer Wald. Die Sachsen protestierten und Hoch und Heilig versprachen die Thüringer, sich nach dem Verkauf der Ware zu bessern. Um die Jahrhundertwende ging die deutsche Kunstszene gegenüber Thüringer Porzellan auf Distanz.

1911 erschien in der renomierten Münchner Zeitschrift Dekorative Kunst ein Artikel, worin festgestellt wird: "Die Thüringer Porzellanindustrie geniesst im allgemeinen keinen guten Ruf. Sie ist die Heimat der billigsten und schlechtesten Massenfabrikation und der skrubellosesten, minderwertigsten Nachahmung guter Vorbilder der grossen staatlichen Manufakturen". Die Kritiker zeigten den Thüringern die kalte Schulter. Porzellan, meinten sie, mache Meissen, Berlin, Nymphenburg, Fürstenberg, Höchst; die Porzellanbrenner zwischen Werra und Saale seien allenfalls in der Lage, gute Erzeugnisse schlecht zu kopieren.