Porzellanfabriken Boehmen
Pioniere der Karlsbader Porzellanindustrie
Johann Nikolaus Weber Oberforstmeister und Oberdirektor der Graf Thunschen Herrschaft Klösterle Johann Nikolaus Weber wurde am 26. Januar 1734 zu Lützelstein im unteren Elsaß geboren. Schon Großvater und Vater waren Forstleute. Sie hatten über hundert Jahre dem Plalz- Birkenfeldischen Hause "auf der Jägerey gedient, so glaubte ich mein Glück nicht besser als bey der Jägerey zu machen", berichtet Weber in seinen Tagebüchern . J. N. Weber war das dritte von elf Kindern. Mit neun Jahren kam er nach Pfalzburg, um die Franzöische Sprache zu lernen. Nach der Konfirmation besuchte er die Lateinschule in Rappoltsweiler und erlernte bei seinem Vater, später am Zweibrückener Hof, das Jägerhandwerk. Durch drei Jahre begleitete er den jungen Baron von Steineallenfels durch Deutschland. Acht Jahre war er in Zweibrücken Hofjäger, und 1757 wurde er vom Herzog Christian IV. sogar nach Paris gesandt, um an den königlichen Jagden teilzunehmen. Am 12. Jan. 1759 hatte er den Dienst in Rappoltsweiler angetreten und alle Dienstgrade vom Jäger zum Förster, Forstverwalter und Forstmeister (3. 10. 1779) durchlaufen. Entscheidend für das Schicksal des tüchtigen und tatkräftigen Mannes wurde seine Begegnung mit dem Grafen Franz Josef von Thun im Somer des Jahres 1782.
Der Graf lernte Weber auf einer Jagd im Elsaß kennen und schätzen und stellte ihm den Antrag, als sein OberforstMeister auf seine Güter nach Böhmen zu kommen. Bereits am 1. August 1782 wurde das "Annahms-Dekret" für Weber ausgestellt, worin ihm die glänzendsten Bedingungen gestellt wurden. Neben einer jährlichen Besoldung von 900 fl, die dann auf 1700 fl erhöht wurde, erhielt Weber auch ein reiches "Deputat" mit freier Wohnung im Schloß und jährlich 4 Eimern Wein und 15 Faß Bier zugesichert. Die Entscheidung fiel Weber trotzdem nicht leicht. Erst im Februar des Jahres 1784 reiste Weber nach Wien, wo er die Teilung der und als Christian Nonne am 1. Juli 1797 die Fabrik pachtete, wurde so schönes Porzellan hergestellt, daß man die Wiener und Brünner Märkte damit beliefern konnte und sogar schon Absatz nach Polen fand. Mit der Gutsherrschaft war bereits am 16. August 1794 ein zehnjähriger Vertrag abgeschlossen worden, durch welchen sich Weber gewisse Wasserrechte, den Holzbedarf und einige Grundstücke sicherte. Nach den Aufzeichnungen im Stadtarchiv von Klösterle war Graf Thun anfangs am Unternehmen beteiligt. Als er aber die Schwierigkeiten erkannte, zog er sich von diesem Geschäfte zurück und überließ es Weber, die Fabrik auf eigene Kosten allein weiterzubetreiben. Daher kann der Ehrenname, der Begründer der Thunsehen Porzellanfabrik in Klösterle zu sein, nur J. N. Weber zugesprochen werden.
Im aktiven Dienste der Herrschaft Klösterle blieb Weber nur bis zum Jahre 1788. In diesem Jahre überließ Graf Franz Josef Thun seiner Gemahlin, einer geborenen Gräfin von Uhlefeld, die Verwaltung und Einkünfte des Majorates. Wahrscheinlich aus religiösen Gründen wurde der Protestant Weber von der streng katholischen Gräfin mit 1000 fl als Wirtschaftsrat pensioniert. Der Graf blieb fernerhin Webers Freund, konnte oder wollte aber gegen diese Entscheidung seiner Gemahlin nichts unternehmen. Als die Gräfin gestorben war, ernannte Graf Franz Josef von Thun am 15. Mai 1800 seinen getreuen Weber wieder zum Oberbeamten in Klösterle. Mit dem Tode seines gräflichen Freundes am 31. August dieses Jahres blieb zwar Weber noch eine Zeitlang Wirtschaftsrat und Inspektor, doch war das alte Vertrauensverhältnis mit dem neuen Herrn nicht herzustellen, und man legte ihm seine neuerliche Pensionierung nahe. Kränklichkeit bewogen ihn, in seiner elsässischen Heimat Erholung zu suchen, wo er aber bereits am 20. August 1801 starb. Da die Porzellanfabrik auf obrigkeitlichen Grund erbaut war, ging sie an den Grafen Josef von Thun über. Als die Pachtzeit Nonnes zu Ende ging, fand am 10. September 1803 der erste Brand auf obrigkeitlicher Rechnung statt. Im Jahre 1944, als die Fabrik ihr 150jähriges Werksjubisläum feiern konnte, waren zehn Rundöfen in Betrieb und etwa 400 Arbeiter fanden Arbeit und Brot.
Literatur: Rudolf Langhammer, Karl Venier, ein sudetendeutscher Pionier der Porzellanindustrie, 1944 Rudolf Langhammer, Aus der Geschichte der Klösterler-Thunschen Porzellanfabrik, Stifter- Jahrbuch, 1955 Viktor Karell, Das mittlere Egertal und die Geschichte der Stadt Klösterle a. d Eger, 1961
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