Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther
Lorenz Hutschenreuther AG Selb 1857
Lorenz Hutschenreuther gründete 1857 in Selb, Fichtelgebirge, eine Porzellanfabrik. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich sehr bald ein grösseres Unternehmen, das neben Servicen auch Geschenkartikel aller Art fertigte. Später kam dann in einer besonderen Abteilung für Kunst die Herstellung von Porzellanfiguren hinzu. Mit Hilfe hervorragender Künstler, die dieses Gebiet voll beherrschen, entstanden zahlreiche kleine Kunstwerke, die höchste Anerkennung finden und in aller Welt begehrt sind. Umstände führten Lorenz Hutschenreuther 1856 dazu aus der väterlichen Fabrik auszuscheiden und sich als Fabrikant selbständig zu machen. Er verfügte damals bereits über hinreichende Mittel, um auf solider finanzieller Basis eine Porzellanfabrik gründen zu können und ausserdem besass er alle Eigenschaften, sie erfolgreich zu leiten.Selb schien ein geeigneter Platz für die geplante Fabrik zu sein, der viele Arme zählte, welche Beschäftigung suchten. Ferner war neben den benachbarten Vorkommen wichtiger Rohstoffe aus Böhmen, der Holzreichtum der Umgebung, und das Vorhandensein von vorzüglichen Torf die ideale Wahl die Fabrik in Selb zu errichten.
Dieser Wahl Lorenz Hutschenreuther verdankt Selb seine Stellung als Ausgangspunkt in der Entwicklung der Porzellan Industrie Nordbayerns. Ohne das Lorenz Hutschenreuther Weissporzellan hätten die späteren Selber Porzellan Pioniere ihre Malereibetriebe, aus denen sich erst in der Folgezeit Produktionsstätten für Porzellan entwickelten, nicht errichten können. In den 60iger Jahren repräsentiert die bayrische Geschirrporzellan Industrie mit einem Anteil von 97% nahezu die gesamte Geschirrporzellan Industrie Westdeutschlands.Im Jahre 1856 legte eine verheerende Feuersbrunst Selb in Schutt und Asche. Der Tag des grossen Unglücks war aber zugleich die Geburtsstunde der Porzellanstadt Selb.
Am 11.Februar 1857 richtete der „Porcellainfabrik Mitbesitzer“ Lorenz Hutschenreuther an die Königliche Regierung von Oberfranken die „unterthänigste Bitte“, ihm die Konzession zur Errichtung einer „Porcelainfabrik“ in der Stadt Selb „gnädigst“ verleihen zu wollen. Schon 6 Monate später wurde ihm durch die Urkunde vom 10. August 1857 „im Namen Seiner Majestät des Königs“ die Genehmigung zur Errichtung der Fabrik erteilt. Lorenz Hutschenreuther pachtet nun ein Wohnhaus in Selb und erwirbt die Ludwigsmühle vor den Toren der Stadt und damit zugleich den für den Aufbau der künftigen Fabrik erforderlichen Grund und Boden.
Lorenz Hutschenreuther erwarb vom Fabrikant Gerhardt die ehemalige Ludwigsmühle am Selbbach, die dieser von dem Müllermeister Christian Ernst Baumgärtel ererbt hatte. Diese bot sich zum Umbau in eine Massemühle an, da sich einige dort befindliche Betriebseinrichtungen wie Wasserrad und Wehr weiterverwenden ließen. Da mit dem Kauf der Mühle auch weiträumiger Grundbesitz an Lorenz Hutschenreuther übergegangen war, war hiermit eine gute Basis für die Entwicklung des Unternehmens gegeben. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1858. Trotz einiger Schwierigkeiten mit der Zulieferung der bei der Maschinenfabrik Späth in Nürnberg georderten Betriebseinrichtungen der Masse- und Schneidemühle und anderen Handwerkern gelang es dem maschinen- und fertigungstechnisch versierten Porzellanfabrikanten, die Mühle bis Ende 1859 in Gang zusetzen.
Mit rastloser Energie trieb er den Bau seiner Fabrik voran und sorgte für die Beschaffung der notwendigen Rohstoffe, die er für die Produktion brauchte.Fachkräfte aus den benachbarten Thüringen, Böhmen und Schlessien wurden angestellt, um die heimische Bevölkerung anzulernen; dank des Fleisses und ihrer Geschicklichkeit stellte sich bald ausgezeichnete Facharbeiter.
Am 12. Juni 1859 kann er zwei Firmen in Köln und Frankfurt an der Oder die ersten gelungenen Proben seines Porzellans senden. Schon ein Jahr später 1860 stellte die Fabrik Weissporzellan auf der Leipziger Messe aus. Es war ein voller Erfolg. In kurzer Zeit hat sich das junge Unternehmen einen ausgezeichneten Ruf erworben. Die Bestellungen konnten kaum bewältigt werden; hatte man doch nur einen Brennofen. 1864 wurden weitere Brennofen erbaut und der Dekorbetrieb vergrössert. Ein Geschirr nach einem Entwurf von Prof. Leopold Gmelin errang 1882 in die Nürnberg die Goldmedaille. Am 8. Oktober 1886 starb Lorenz Hutschenreuther . Die Führung der Fabrik übernahmen seine beiden Söhne Viktor und Eugen.
Mit der 1862 in Betrieb genommenen Dampfmaschine hielt das industrielle Zeitalter in Gestalt des wichtigsten Antriebsfaktors für die industrielle Revolution nun endgültig Einzug in die erste Porzellanfabrik der Stadt Selb. Sieben Jahre später, 1869 wurde eine bei der Firma C.F. Schellenberg in Chemnitz georderte 10 PS Dampfmaschine auch in Hohenberg aufgestellt.
Als Aktiengesellschaft auf Expanskurs - Lorenz Hutschenreuther bis 1945
Die zunehmende Vergrösserung der Fabrik und der Wunsch, eine weitere Ausgestaltung der Werke vorzunehmen, gaben den Anlass, das Unternehmen im Jahre 1902 in eine Aktiengesellschaft unter Beibehaltung der Firma Lorenz Hutschenreuther umzuwandeln. Was hier die Jahresschau Deutscher Arbeit, Dresden 1922, über die dem Strupp Konzern angehörende Lorenz Hutschenreuther AG schrieb, ist wohl in ähnlicher Hinsicht auch für den Betrieb in Hohenberg zutreffend. Beide Porzellanfabriken bemühten sich in den folgenden Jahrzehnten um eine Vergrösserung ihres Marktanteiles auf dem Porzellansektor. Beide taten dies einerseits durch Rationalisierungsmaßnahmen bzw. deutliche Vergrösserung der im eigenen Haus befindlichen Produktionsanlagen oder auch den Zukauf weiterer Porzellanfabriken. Beide profitierten dabei von positiven Auswirkungen der jeweiligen Hochkonjukturen, nutzten vorausschauend die Phasen der Depressionen oder litten darunter. Bis zum Zusammenbruch des Dritten Reiches ging es grundsätzlich bei beiden Unternehmen mit Ausnahme einiger Stockungsphasen bergauf, beide Häuser expandierten und diversifizierten.
Im Strupp Konzern zu Vielfalt und Grösse - Die Lorenz Hutschenreuther AG bis 1918
Als im Jahre 1902 Lorenz Hutschenreuther in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, wusste Dr. Gustav Strupp genau, warum er sich hier engagierte. Den kleinen Anfängen des Jahres 1856 war diese Fabrik deutlich entwachsen. Mit vierzehn grossen und kleinen Rundöfen erreichte sie zwar nicht die Brennkapazität der Porzellanfabrik Kahla, die über 37 Öfen verfügte, doch zählte sie keineswegs zu den kleinen Betrieben des Strupp Konzerns. Der Maschinenpark war nach damaligen Maßstäben modern, die Bauten galten als sauber, gepflegt und geräumig. Die Fabrik selbst war jetzt wegen der kürzeren Wege wegen mit einen eigenen Gleisanschluss versehen, dessen Einrichtung 77.500 RM gekostet hatte. Auf diese Weise konnten die Waggons vor Ort mit Porzellan beladen werden. Dies galt ebenso im umgekehrten Sinne für die Anlieferung von Roh- und Brennstoffen. Für Transporte innerhalb der Fabrik war sogar schon ein Schaukelelevator in Betrieb. Elektrische Beleuchtung, Zentralheizung und Wasserleitung hatten Einzug gehalten. Selbst eine Badeanstalt für die Belegsschaft stand zur kostenlosen Benutzung offen.
Die Zuständigkeiten der Meister, Betriebsleiter und Direktoren, ja überhaupt das Miteinander war seit dem 1.Januar 1902 in einer neuen Betriebsordnung genauestens geregelt. Der Aufsichtsrat setzte sich aus Victor Hutschenreuther, Hans Pabst und Alfred Pabst zusammen. Vorstand wurde der Kaufmann Heinrich Kalbfuß. So blieb weitestgehend den Familien Hutschenreuther und Pabst der frühere Einfluss auf die Geschicke der ihnen einst gehörenden Porzellanfabrik erhalten. Sie brachten die Aktiengesellschaft unter der Curatel des Bankhauses Strupp in den folgejahren wieder deutlich voran. 1906 wurde die Porzellanfabrik Jäger, Werner & Cie. in Selb erworben und als Abteilung B dem Unternehmen mit seinen Fabrikgebäuden an der Ludwigsmühle, jetzt Abteilung A eingegliedert. Von nun an befand sich das Designzentrum von Lorenz Hutschenreuther in der Abteilung B. Hier entstanden in den Folgejahren die meisten Neuschöpfungen von Serviceformen für das Gesamtunternehmen.
Bankhaus Strupp Meiningen
Der Aufsichtsrat setzte sich zusammen aus:
Vorsitzender Vorstand:
Ludwig Fuld, Direktor der Bank Thüringen
Direktor Emil Mundel, Selb (Bayern)
Techn. Direktor Hans Kümmelmann, Selb (Bayern)
Direktor Hermann Müller, Selb (Bayern)
Direktor Paul Agthe, Selb, (Bayern)
Direktor Ing. Hans Gröger, Fischern bei Karlsbad
Die Porzellanfabriken des Struppkonzerns und die KERAMAG 1918 waren:
- Porzellanfabrik Gebrüder Bauscher Weiden (Oberpfalz)
- Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther AG Selb (Oberfranken)
- Porzellanfabrik und Malerei Paul Müller Selb (Oberfranken)
- Porzellanfabrik Kahla, Kahla (Thüringen)
- Porzellanfabrik Hermsdorf, Hermsdorf (Thüringen)
- Porzellanfabrik Freiberg, Freiberg (Sachsen)
- Zwickauer Porzellanfabrik Zwickau (Sachsen)
- Porzellanfabrik Königszelt, Königszelt (Schlesien)
- Porzellanfabrik E. & A. Müller A.-G., Schönwald (Oberfranken)
- Porzellanfabrik Rauenstein vorm. Fr. Chr. Greiner & Söhne AG Rauenstein
- Porzellanfabrik Schönwald AG, Schönwald (Oberfranken)
- Porzellanfabrik Schönwald AG, Abteilung Arzberg, [Arzberg] (Oberfranken)
- Porzellanfabrik zu Kloster Veilsdorf A.-G. mit Filialen in Bratendorf und Eisfeld
- Kemmlitzer Kaolinwerke vorm. F. Max Wolf GmbH, Kemmlitz
- Kaolinwerk der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther, Fischern bei Karlsbad
- Forschungsgesellschaft vereinigter Porzellanfabriken m.b.H., Meinigen
- Keramag, Keramische Werke AG Sophienau, Post Charlottenbrunn
- Porzellanfabrik Joseph Schachtel AG, Margarethenhütte
- Tonwarenfabrik Schwandorf AG, Schwandorf (Oberpfalz)
Im Jahre 1906 erfolgte der Ankauf der neu erbauten Fabrik von Jaeger, Werner & Cie., die unter der Bezeichnung Abteilung B als Filialfabrik angegeliedert und entsprechend ausgebaut wurde. Im Jahre 1917 wurde die Porzellanfabrik Paul Müller in Selb erworben und ebenfalls als Filialfabrik betrieben, so dass die Firma Lorenz Hutschenreuther AG mit einer Leistungsfähigkeit von 39 Öfen und einem Personal von über 2000 Mitarbeiter um 1918 als grösste Fabrik für Qualitätsporzellan und als eine der bedeutendsten Porzellanfabriken Deutschlands galt.
1927 erwarb Lorenz Hutschenreuther AG die Porzellanfabrik Tirschenreuth und die Hotel Porzellanfabrik Bauscher in Weiden.
Im Jahre 1917 wurde eine Kunstabteilung errichtet, die inzwischen derartig ausgebaut wurde, dass die Kollektion heute mit an allererster Stelle steht. Die gesamten Erzeugnisse, die sich auf das ganze Gebiet der Geschirrfabrikation, besonders der besseren und feinen Tafelporzellane, Hotelporzellane und Kunst-porzellane erstrecken, besitzen Weltruf. Eine wohlgeordnete Verkaufsorganisation unterhält die Verbindung mit den hauptsächlichsten Ländern der Welt. Für die wirtschaftlich und technische Stellung der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther AG ist es von größter Bedeutung, das sie eigene bedeutende Kao- lingruben in Fischern bei Karlsbad besaß und sich dadurch einen Rohstoff allererste Güte - die berühmte Zettlitzer Erde zeichnet sich durch ihre ausserordentliche Bildsamkeit vor allen Kaolinen der Erde aus - für unabsehbare Zeit gesichert hat.
Mit Hilfe hervorragender Künstler, die dieses Gebiet voll beherrschen, entstanden zahlreiche kleine Kunstwerke, die höchste Anerkennung finden und in aller Welt begehrt sind.
Die erste Kollektion dieser jungen erfolgreichen Abteilung die im Jahre 1917 angegliederte Kunstabteilung im Werk B wurde von Prof. Fritz Klee und Oberlehrer Veit entworfen. Nam- hafte Künstler wurden auch in den folgenden Jahren hinzugezogen; Die Professoren Scheurich, Esser, Börner, Nick, die Bildhauer Himmelstoss, Diller, M.H. Fritz, um nur eini- ge zu nennen, sowie die Herren Werner, Tutter und Achtziger aus dem Atelier des Werkes.
Der wirtschaftliche Erfolg verlasste die Unternehmensleitung anscheinend auch zu sozialen Innovationen. Viktor Hutschenreuther und seine Ehefrau riefen noch im gleichen Jahr eine Wohltätigkeitsstiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger Arbeiter und Arbeiterinnen, Arbeiterwitwen und Waisen, sowie ehemaliger Arbeiter und Arbeiterinnen der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther AG in Selb, ins Leben. Soziale Verantwortung wurde hiermit augenscheinlich demonstriert. Auch die Gewerkschaften stand die Unternehmensleitung nicht unbedingt ablehnend gegenüber. So zeigte sich bei den Porzellanstreik 1912: Von den 909 Beschäftigten der Lorenz Hutschenreuther AG waren immerhin 408 gewerkschaftlich organisiert. Die damals angelegte Statistik weist übrigens nach, dass Lorenz Hutschenreuther mit 909 Personen dreimal mehr Personal beschäftigte als C.M. Hutschenreuther. Hier gingen 299 Betriebsangehörige ihrer täglichen Arbeit nach. Niemand war Mitglied der Gewerkschaft.
Wenn auch von der Seite der Wirtschaftskritiker die Zeitspanne von 1894 - 1913 insgesamt als Aufschwungsspanne angesehen wird, so schliesst dies jedoch nicht kurzzeitige Despressionen aus. Solch kurzzeitige wirtschaftliche Stockungsphasen sind in diesem Zeitabschnitt immer wieder auszumachen. Nach dem steilen Aufschwung der Jahre 1902 bis 1908 liefen die Geschäfte 1909/10 relativ schlecht. Die Preise gaben nach bei schleppenden Umsatz. Der steigernde Export sorgte jedoch kurzfristig für einen Wandel der Verhältnisse: Es ging noch einmal bergauf. Mit 25 Brennöfen und 1130 Beschäftigten hatte Lorenz Hutschenreuther bis 1913 eine beachtliche Grösse erreicht. Als ein auf das Modernste eingerichtetes, mit allen Hilfsmitteln der Neuzeit ausgestattetes Etablissement von bedeutender räumlicher Ausstattung mit hoher Produktion unterhielt es Niederlagen in Berlin, Köln und Leipzig. Zunehmend war auch hier der Export zu einem wichtigen Standbein des Warenabsatzes geworden, Hauptabnehmer in dieser Beziehung waren die Vereinigten Staaten. Was aber, wenn der Export nicht mehr funktionierte, war die bange Frage manch eines Industriellen angesichts der sich über Europa zusammenballenden Gewitterwolken.
Die Antwort fand sich schon sehr bald, der 1. Weltkrieg brach aus. Manch guter Porzelliner wurde zu den Waffen gerufen und fiel für die Produktion aus. Ein Exportmarkt nach den anderen musste aufgegeben werden. Nachdem Amerika Deutschland den Krieg erklärt hatte, kam der Export praktisch zum erliegen. Wer nicht mehr auf Lager arbeiten konnte, musste seine Produktion einstellen.
Inflation, Depression und Kriegswirtschaft - Die Hutschenreuther Porzellanfabriken in der Zeit von Weimarer Republik und Dritten Reich (175 Jahre Lorenz Hutschenreuther, Seite 60)
Mit dem Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. am 9. November 1918 war das Ende des Zweiten deutschen Kaiserreiches gekommen. Nach dem Waffenstillstandsabkommen vom 11. November schwiegen die Waffen. Die Demobilisierung begann. Damit kehrten auch die bisher ihren Arbeitsplätze ferngehaltenen Porzelliner in ihre Heimat zurück. Aus dem Arbeitskräftemängel wurde ein Arbeitskräfteüberschuß: Die innenpolitische Unsicherheit, die politischen Krisen der Anfangsjahre der Weimarer Republik sowie die durch den ersten Weltkrieg abgebrochenen wirtschaftlichen Beziehungen zu den ehemaligen Exportpartern im Ausland waren keine positiven Rahmenbedingungen für den Neuanfang.
Nur mühsam gelang es den Unternehmen der Deutschen Porzellanindustrie, den Absatz ihrer Produkte im In- und Ausland wieder anzukurbeln. Trotz der dort wirtschaftlich prekären Lage, die allgemein durch starke inflatorische Tendenzen, in Deutschland sogar ab 1921 durch eine Hyperinflation verschärft wurde, gelang es sowohl der C.M. Hutschenreuther AG in Hohenberg als auch der Lorenz Hutschenreuther AG in Selb ungewöhnlich schnell wieder Fuß zu fassen.
Zugleich mit der Ankurbelung von Produktion und Absatz war auf C.M. Hutschenreuther ein anderes Problem zugekommen. Durch die Gründung der Tschechoslowakei als souveränen Staat galt es den Besitz des in Altrohlau befindlichen Filialbetriebes zu sichern. Die tschechoslowakische Republik lies die Beibehaltung der bisherigen Form der Angliederung an ein deutsches Unternehmen nicht weiter zu. Eine Lösung fand sich in der Umwandlung der Fabrik in eine weitgehend selbstständige Altrohlauer Porzellanfabrik AG mit Sitz in Altrohlau selbst. Dabei wurde die alte Beteiligung der C.M. Hutschenreuther AG an der Firma durch entsprechende Aktienanteile erhalten. Für C.M. Hutschenreuther sollte dieses Erlebnis ein Vorgeschmack auf die bitteren Erfahrungen nach dem Ende des zweiten Weltkrieges sein.
Mit den altbekannten Gebrauchsporzellan aller Art in mittlerer bis zur allerfeinsten Ausführung sowie Hotell- und Gaststättenporzellan scheint die Fabrik in Hohenberg schon zu Beginn der Zwanziger Jahre wieder einen Stand erreicht zu haben, der eine Erweiterung des Gesamtunternehmens realisierbar machte. Am 29.März 1920 stimmte die Generalversammlung dem Erwerb der Aktienmehrheit der Porzellanfabrik Carl Thielsch & CO. im schlessischen Altwasser zu. Die als eines der leistungsfähigsten deutschen Werke für Stapelware geltende Fabrik hatte in der Ofentechnik einen gewaltigen Fortschritt aufzuweisen: Dort wurde das Porzellan schon in den kontinuierlich laufenden, auf grosse Kapazitäten ausgelegten Tunnelöfen gebrannt. Mit der dort erzeugten Stapelware wurde die Produktpalette des sich langsam ausbildenen C.M. Hutschenreuther Konzerns in Richtung der preiswertesten Warengruppe Skala I erweitert. So verfügte C.M. Hutschenreuther nun über ein breites Sortiment von der einfachen bis zur Luxusware.
Im Gegensatz hierzu wenig erfreulich war die im Jahre 1921 getroffene Entscheidung, den Sitz der Aktiengesellschaft von Hoehenberg nach Dresden zu verlegen. Wohl auf Drängen des Bankhauses Gebrüder Arnold in Dresden war hier ein Verwaltungsgebäude entstanden, in das die Generaldirektion des jetzt auch in der Öffentlichkeit als C.M. Hutschenreuther Konzern auftretenden Fabrikenverbundes einzog. Nach über hundert Jahren hatte der Kopf die Glieder verlassen, war Hohenberg einer von mehreren Betrieben im Gesamtkomplex. Der Wille zum Ausbau des Konzerns nach allen Richtungen manifestierte sich alsbald auch in einer Neugründung: 1921 wurde in Radeberg bei Dresden eine Zahnfabrik zur Erzeugung künstlicher Zähne aus der Taufe gehoben. Der Vertrieb der dort hergestellten Saxonia Zähne, in der Dentalbranche bald bekannt als Zahn der Zeit, erfolgte durch eine ebenfalls ins Leben gerufene Saxonia-Dental-Verkaufsgesellschaft A.G. in Dresden.
Nach Rosenthal 1910 und Lorenz Hutschenreuther 1917 kam in den zwanziger Jahren auch C.M. Hutschenreutehr in den Besitz einer eigenen Kunstabteilung. Schmerzlich wird es für die in Hohenberg ansässigen Porzellanmaler gewesen sein, dass ausgerechnet diese Abteilung nicht in Hohenberg, sondern in Dresden arbeitete. Aufgabe der aus der Verschmelzung der Dresdner Porzellanmalereien Richard Klemm - Donath & CO. und Richard Wehsener in Dresden entstandenen Kunstabteilung Dresden war es ausschliesslich vollendete Handmalereien ausgeführt von den besten Porzellanmalern nach künstlerischen Entwürfen, auf den Markt zu bringen.
Bis zur Mitte der zwanziger Jahre hatte sich damit aus den bescheidenen Nachkriegsanfängen ein wieder stabiles, enorm vergrössertes Gesamtunternehmen entwickelt, dass jetzt selbstbewusst als C.M. Hutschenreuther Konzern als ernstzunehmender Konkurrent in der Porzellanbranche auftrat. Allein die Porzellanfabrik C. Thielsch in Altwasser beschäftigte 1925 nach ihrem Ausbau auf 10 Rundöfen, vier Tunnelöfen und vier kontinuierlich laufenden Muffeln 1300 Arbeitskräfte.
Noch immer zum Strupp Konzern gehörend, hatte sich jedoch auch die Lorenz Hutschenreuther A.G., Selb zu beachtlicher Grösse und Leistungsfähigkeit aufgeschwungen. Trotz des wegen der inneren Wachstumskrisen und der gallopierenden Inflation im Deutschen Reich noch immer nicht voll aufnahmefähigen Inlandsmarktes, hatte es die Unternehmensleitung – wie in Hohenberg auch – vermocht, schnell wieder an die guten Auslandsbeziehungen aus der Vorkriegszeit anzuknüpfen. Die sich im Anfang der zwanziger Jahre relativ bald wieder stabilisierenden Auslandsmärkte, wurden angesichts der dort sich anhaltend entwickelnden Konjunktur zu so stabilen Abnehmern, dass diese die fehlende Inlandsnachfrage nicht nur kompensierten, sondern darüber hinaus Kapazitätsausweitungen bei der Porzellanprodukion möglich machten. So hatte die Lorenz Hutschenreuther AG, 1922 als grösste Fabrik für Qualitätsporzellan in Selb mit 39 Öfen und einem Personal von über 2000 Köpfen den Vorkriegsstand von 1914 schon deutlich wieder überflügelt. Mit ihren Erzeugnissen, besonders des besseren und feineren Tafelporzellans, Hotelporzellans und der Kunstartikel galt sie jetzt als eine der bedeutendsten Porzellanfabriken Deutschlands, als ein Unternehmen mit Weltruf.
1926 lebten u.a. dank der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther von den 13.000 Einwohnern in der kleinen oberfränkischen Stadt Selb 11.000 als Porzellanarbeiter oder Angestellte der dort ansässigen Porzellanindustrie von dieser Branche. Bleibt die Produktion des technischen Porzellans berücksichtigt, so beschäftigt diese Porzellanfabriken an ihren 66 Öfen über 5000 Arbeiter und in den Veraltungen 500 Angestellte. 11% der Gesamttonnage und 14% des Gesamtwarenwertes des im Deutschen Reich erzeugten Porzellans wurden hier gefertigt. Der Exportanteil betrug 60% was die Abhängigkeit von der Konjukturentwicklung des Auslandes drastisch verdeutlicht. Doch schon die scharfe Inlands-Konjunkturkrise der Jahre 1925/26 blieb nicht ohne drastische Auswirkungen auf die Porzellanbranche. Eine 1926 von der Selber Porzellanindustrie gemeinsam mit der Staatlichen Fachschule für Porzellanindustrie gemeinsam veranstalteten Ausstellung stand ganz im Zeichen des Absatzeinbruchs. In einem Artikel des Herausgebers der Schaulade, J.A. Meißenbach, über diese Leistungsschau wird zwar nur angedeutet, dass jene trotz der zum Teil sehr widrigen Verhältnisse zustande gekommen ist, doch lässt sich die Tragweite der Auswirkungen mit folgenden Zahlen belegen. Weniger als andere Branchen von den Absatzflauten der Vorjahre betroffen, hatten die Porzellanfabrikanten den Produktionsausstoss unbedacht schnell von 62.000 Tonnen 1913/14 auf jetzt ca. 100.000 Tonnen aufgestockt. Die Folge war, dass der ohnehin von der schlechten deutschen Gesamtkonjunktur erschütterte Markt 1926 nunmehr noch 60% der Produktionsmenge – einschliesslich des Auslandes – verkraftete. Das Resultat der offensichtlich unvermutet hereingebrochenen Krise waren Betriebsstillegungen über mehrere Monate.
Wie schon zehn Jahre vorher musste manch eine Porzellanfabrik infolge dieser Ereignisse aufgeben. Der Wunsch doch zu überleben, zwang zu Konzentrationsmaßnahmen. Nach dem Tode des Geheimrates Strupp war der Konzern in den Vorjahren wieder langsam auseinandergedriftet. Die starke Lorenz Hutschenreuther AG hatte mit ihren Filialfabriken zunehmende Selbstständigkeit erreicht. Ausgestattet mit einer guten Kapitaldecke ging 1927 nun die Lorenz Hutschenreuther AG daran, durch den Zukauf weiterer Fabriken einen eigenen Konzern zu errichten. Ausweise der Schaulade 1943 bedeutete die im Jahre 1927 vorgenommene Angliederung der Porzellanfabrik Tirschenreuth und Gebrüder Bauscher Weiden die bedeutendste Maßnahme für die Entwicklung der Lorenz Hutschenreuther AG in ihrer bisherigen Geschichte. Mit der Porzellanfabrik Tirschenreuth war eine der angesehensten Qualitätsporzellanfabriken erworben worden.
Der Besitz der Porzellanfabrik Bauscher verschaffte dem Gesamtunternehmen die grösste Spezialfabrik für Hotelporzellan aller Länder, die auch technische Porzellane und feuerfeste Koch- und Backgeschirre (Luzifer) liefert. Da Bauscher zudem über die wertvollsten und bedeutendensten Pegmatit-Vorkommen Bayerns und darüber hinaus einen Teil der Schönhaider Kaolin- und Kapselerdegruben zu seinem Eigentum zählte, konnte jetzt der Nachschub an Rohstoffen für die Lorenz Hutschenreuther AG als gesichert gelten. Im übrigen erwies sich der Schritt der auf diese Weise Konzerngrösse gewinnenden Hutschenreuther AG, Selb, für beide eingegliederten Unternehmen als letzte Rettung, waren sie doch durch die anhaltende Krise schwer angeschlagen. Allein mit Bauscher kamen über 1300 Arbeiternehmer in den Konzernverbund.
1931 zählten die Behörden in der Porzellanstadt Selb 190 Arbeitslose ohne Unterstützung, 481 Arbeitslosenempfänger und 1200 Kurzarbeiter. Diese Zahlen stiegen bald darauf weiter an. Die klassischen Abnehmerländer für Hutschenreuther Porzellan in Selb wie Hohenberg, d.h., Nord- und Südamerika sowie England, bezogen immer weniger Ware. 1932 reichten die Auftragsbestände zumeist nurmehr 8-14 Tage, England hatte sich durch eine 50prozentige Zollabgabe nahezu vollständig gegen Importe abgeschottet. Preissenkungen liessen die Kapitaldecke der Fabriken schmelzen. Trotz der langsam wieder eintretenden Besserung der Wirtschaftslage nach ihrem internationalen Tiefpunkt im Sommer 1932 dauerte die Depressionsphase in den für den Porzellanexport Deutschlands wichtigen Ländern noch bis weit in die Dreißiger Jahre an, auch wenn die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik im Lande selbst Scheinblüte bewirkte. Die jedoch international agierende Porzellanindustrie profitierte von diesem Aufschwung nur in geringen Maße. Dies zeigt sich u.a. an der mit Rücksicht auf die Auftragslage von der Fabrikleitung am 1.Januar 1936 angeordnete Kurzarbeit für die kaufmännischen wie technischen Angestellten der Fabrik, die für gewöhnlich als letzte von solchen Maßnahmen betroffen waren.
1934 wurde der ehemalige Genaraldirektor der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen, Max Adolf Pfeifer technischer und künstlerischer Berater bei Lorenz Hutschenreuther. Max Adolf Pfeifer brachte bedeutende Künstler wie Paul Scheurich, Max Esser und Prof. Bör- ner zu Lorenz Hutschenreuther. In den 30iger Jahren waren bereits Karl Tutter, Carl Wer- ner und der Designer Arthur Jahreis in der Kunstabteilung beschäftigt.
Die Lorenz Hutschenreuther AG hatte trotz der schwierigen Wirtschaftslage ihre Position am Markt ausbauen können. Sie hatte sich überdies nach dem Zerfall des Strupp Konzerns als starke vereinigende Kraft durchsetzen können und neben der Kahla AG als weiteren, aus dem Strupp Konzern geborenen Firmenverband selbst einen solchen aufbauen können. Mit fünf grossen Fabriken, eigenen Kaolin-, Feldspat- und Quarzvorkommen sowie Kapselerdegruben stand diese mit einem eigenen grossen Mutterhaus als Qualitätsporzellanfabrik mit an erster Stelle im Deutschen Reich. Haus- und Wirtschaftsgeschirre, Tafelporzellane jeder Art, Hotel- und Gaststättengeschirre sowie technische Porzellanartikel hatten sowohl C.M. als auch Lorenz Hutschenreuther anzubieten. Während die eine in Dresden beheimatete Kunstabteilung sich auf die prunkvolle Bemalung von Service und teueren Zierartikeln beschränkte, hatte sich die Lorenz Hutschenreuther Kunstabteilung in Selb der Porzellanplastik verschrieben
Der Neubeginn - Lorenz Hutschenreuther und C.M. Hutschenreuther 1945 - 1949
Schon im Mai 1945 beantragten verschiedene Porzellanfabriken die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Produktion, was angesichts des Verzichts auf Demontage von seitens der Amerikaner in der Porzellanindustrie alsbald möglich war. Trotz Rohstoffmangels und nicht ausreichender Kohlelieferungen konnte das Werk A der Lorenz Hutschenreuther AG bereits 1945 den Betrieb wieder aufnehmen, das Werk B folgte 1946. Der aus der Zeit vor 1945 herübergerettete Formenschatz gestattete schon kurze Zeit später, mit einfachen Dekoren versehene Service auf den Markt zu bringen. Die folgenden Jahre brachten vor allem nach der Währungsreform 1948 einen erheblichen Anstieg der Produktion. Die erste neue Geschirrform war die 1949 von Josef Hillerbrand gestaltete Elite in der Abteilung B. Die Abteilung A fertigte 1950 die Lucia. Der bei Lorenz Hutschenreuther schon als Modelleurlehrling tätig gewesene Hans Achtziger trat nach dem Besuch der Porzellanfachschule und Kunstgewerbeschule München 1949 als Bildhauer in die Kunstabteilung Lorenz Hutschenreuther ein. Durch die Entwicklung einer prägnanten, persönlichen Ausdrucksart prägte er maßgeblich deren Stil. Die vor dem Krieg im Besitz befindlichen Rohstoff Quellen in Fischern bei Karlsbad waren in der Tschecheslowakei verloren gegangen. Lorenz Hutschenreuther musste daher auf die Rohstoffe aus der nahen Oberpfalz ausweichen. Im Laufe der Nachkriegsjahre wurde der Export vorallem in die Vereinigten Staaten zunehmend grösser.
Lorenz Hutschenreuther und Carl Magnus Hutschenreuther in den 50er und 60er Jahren
Die Lorenz Hutschenreuther AG in Selb hatte allen Grund zu feiern. Am 10. August 1957 jährte sich zum einhundertsten Male der Tag, an dem Lorenz Hutschenreuther im Namen seiner Majestät des Königs die Konzession zum Betrieb einer Porzellanfabrik erhalten hatte.
Zurückschauend auf die letzten 100 Jahre war die Entwicklung der Porzellanfabrik sicherlich eine sehr erfreuliche gewesen, aber was sich in den Jahren seit Kriegsende getan hatte, war von den wenigsten Porzellinern im Jahre 1945 erwartet worden. Nach der Währungsreform 1948 hatte ein Nachfrageschub nach Porzellan eingesetzt, der von den Unternehmen der Porzellanindustrie kaum zu bewältigen war. Rationalisierung war das Gebot der Stunde. Nachdem die zum Hutschenreuther Konzern gehörende Porzellanfabrik Bauscher schon 1954 auf den jetzt modernen und gegenüber den Rundöfen erheblich ökonomischen Tunnelofenbetrieb umgestellt worden war, hatte sich die Firmenleitung in Selb entschlossen die Selber Werke nunmehr, ebenfalls auf den neuesten Stand zu bringen. Das grössere der beiden Selber Werke, die Abteilung B, ging 1956 nicht allein vom Rundofen auf Tunnelofenbetrieb über, sondern rationalisierte durch umfangreiche Umbaumaßnahmen gleichzeitig den gesamten Fertigungsablauf.
Dafür, dass die Tunnelöfen Tag und Nacht mit Porzellan bestückt werden, sorgten seit Beginn der 50er Jahre Christian Modrack, selbst im Vorstand der AG, Rudolf Lunghard, Leiter der Fachschule in Selb, Edmund Saalfrank und allen voran Hans Achtziger. Christian Modracks Diamant von 1952, Rudolf Lunghardts Favorit, 1952 entworfen, vorallem jedoch Hans Achtzigers Serviceschöpfungen Diadem (1953) und Apart (1957) sorgten für volle Auftragsbücher. Was zeitgemässe neue Formen betraf, war Hutschenreuther dank Achtziger nicht nur in den 50er Jahren sondern auch im darauffolgenden Jahrzehnt obenauf.
Den frühen, zum Teil reliefierten Dreiecksformen war Ende des Jahrzehntes der Zylinder in Gestalt der Noblesse gefolgt, mit der aus der Poesie entwickelten Reliefvariante Lucina hatte Achtziger gar die Auszeichnung Gulden Form 1968 verliehen bekommen. Der bei Hutschenreuther angestellte Bildhauer und Formenentwerfer prägte die Jahre von 1950 bis zu seinem Abschied aus den Berufsleben 1981 entscheidend mit, wenn auch fremde Designer mehr und mehr bei Lorenz Hutschenreuther Eingang fanden. Einer der ersten, denen wirkliche Erfolgsformen zu verdanken waren, war Heinz H. Engler, der bei Bauscher 1961 die nahezu geniale bis heute wohl am besten verkaufte Hotelform B1100 gestaltet hatte.
Grünes Licht für gemeinsamen Weg Lorenz und C.M. Hutschenreuther
Im Jahre 1969 konnten die beiden vonaneinander unabhängigen bestehenden Fabriken Lorenz Hutschenreuther und Carolus Magnus Hutschenreuther zusammengeführt werden. „Vater und Sohn“ waren nach über 110jähriger Trennung wieder eins geworden. Nach Bildung der Hutschenreuther AG wurde eine einheitliches Warenzeichen geschaffen. Es trägt den Löwen von Lorenz Hutschenreuther und die Jahreszahl 1814, das Gründungsjahr von C.M. Hutschenreuther. Zurückgegriffen wurde bei dem Löwen auf den vorhandenen Entwurf von Prof. Fritz Klee aus dem Jahre 1919. Das von Klee entworfene Warenzeichen war unter Lorenz Hutschenreuther 1919 unter der Nummer 229582 in den Warenzeichenkatalog eingetragen worden.
Kurze Zeit später, 1972 fusionierte die Hutschenreuther AG mit der Porzellanfabrik Kahla AG Schönwald. Damit gehörten auch die Marken Arzberg und Schönwald zur Hutschenreuther AG. Kahla brachte die grobkeramischen Werke in Schwandorf und Wiesau mit ein. Ausgegliederte Werksteile der Porzellanfabrik Schwandorf wurden in eine gemeinsame GmbH mit der KERAMAG AG eingebracht. In dieser Zeit begründetete die Hutschenreuther AG Auslandsgesellschaften, die neue Vertriebswege gingen. Es entstanden HR France, USA, Kanada, Skandinavien, Belgien und Italien.
Auch in der Kollektion wurde bahnbrechend Neues erreicht. So brachte die Hutschenreuther AG als erstes Unternehmen die Welt der Mode in die Welt des Porzellans. Leonard de Paris entwickelte auf der Form Tavola seine famosen, Zeichen setzende Dekore.
Lorenz Hutschenreuther in den 80er und 90er Jahren
521979 wurde die Hofer Firma Groh & CO. übernommen, die keramische Kleinteile für die Elektro- und Beleuchtungsindustrie fertigte. Sie firmierte unter Hutschenreuther Keramik, Hof. Am 1.Januar 1981 folgte die Übernahme der Nailaer Porzellanfabrik Albin Klöber KG, die ebenfalls elektrotechnische Kleinteile herstellte. Hutschenreuther konnte zudem 1982 die Rohstoffwerke Bauscher-Mandt und die Massemühle Eugen Wagner in die AG aufnehmen. Mit dem Erwerb der Massemühle in Neustadt wurde der Einstieg in den Markt der Glasuren und technischen Massen erreicht.
Die Schwerpunkte 1987 waren das Demostrationsmodell in Schönwald, die Mehrzweckhalle, das internationale Fertigwarenzentrallager sowie das neue Werk für Hochleistungskeramik in Selb. Bei der Forschung und Entwicklung standen folgende Zielsetzungen im Vordergrund:
- Sicherung und Steigerung der Qualität traditioneller Produkte aus dem Porzellangeschirrbereich mit verbesserter Fertigungsverfahren
- Weiterentwicklung von Werkstoffen für die Verfahrenstechnik und den Motorenbau
- Entwicklung zum Umweltschutz in einem Entwicklungsprojekt mit der Degussa AG unter dem Arbeitstitel Entwickung und Erprobung neuartiger keramischer Werkstoffe und Herstellungsverfahren für Abgaskatalysator Trägerkörper.
Die deutsche feinkeramische Industrie (Porzellan und Steingut) stagniert weiterhin. Dies gilt sowohl für die mengenmäßige Absatz- als auch für die nominelle Umsatzentwicklung. Erste Auswirkungen gewisser Auftriebskräfte konnte die Branche erst im vierten Quartal registrieren. Diese setzen sich auch in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres fort.
Die Hutschenreuther AG hat sich wegen der Übersättigung des Marktes um den gedeckten Tisch mit Billigstartikel für den Qualitätsmarkt entschieden - Bekannte in - und ausländische Designer helfen, dieses Ziel zu erreichen. Neben Modeschöpfern wie Karl Lagerfeld und Pierre Cardin, zeichnen Wolf Karnagel, Katherine de Sousa und Elisabeth Pott-Bischofsberger hierfür verantwortlich. Leonard Dekore und Entwürfe des Hutschenreuther Dekorateliers verleihen den von Designern gestaltete Formen zusätzlichen Reiz. Qualität und Sortimentpflege sichern auch Tirschenreuth und Arzberg einen sicheren Marktanteil. Der Fundus schöner alter Formen gestaltet den Ausbau einer reizvollen Kollektion.
Hierzu zählt auch die 1982 ins Unternehmen gekommene Theresienthaler Krystallglas- und Porzellanmanufaktur. Die hochwertige Radgravur und die Handmalerei auf den handwerklich hochwertig hergestellten Gefässen verkörpern höchste Kultur der Glasmacherkunst. Für den Hotel-, Gastronomie- und Großküchenbereich stehen besonders die Marken Bauscher, Hutschenreuther und Schönwald.
Hutschenreuther jüngstes Kind ist die Sparte Technik. Sie umfasst die Produktgruppen Technische Keramik und Keramische Massen. Erstere gliedert sich in die Hochleistungskeramik und die traditionelle technische Keramik. Zur Hochleistungskeramik zählen Gleitringe und Lager, Düsen und Rohre, sowie Sonderbauteile und Motorenelement. Die traditionelle technische Keramik umfasst die Fertigung von Niederspannungs-bauteilen für die Elektroindustrie, temperaturhochbeständige Elemente für die Schweißtechnik und die Metallgießerei.
Die der Tonwarenfabrik Wiesau gehörende Produktionspalette besteht aus Steinzeugrohren für die Abwassertechnik, hochkorrosionsfesten Sonderbauteilen und kondensatbeständigen Keramikrohren für die Innenauskleidung von Neubaukaminen und die Schornsteinsanierung. Hochwertige Rohstoffe aus eigenen Vorkommen liefert die Produktgruppe Keramische Rohstoffe und Massen.
Gewaltige Herausforderungen
In nicht ganz einfachen Zeiten begann der neue Vorstand Werner Henseleit seine Tätigkeit bei Hutschenreuther. Gefreut hat er sich über die positive Aufnahme in der Firma und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, die ihm von Anfang an auf allen Ebenen signalisiert wurde. Für die Zukunft sieht er gewaltige Herausforderungen auf die Firma, die Organisation und die Personen zukommen.
Markt und Rahmenbedingungen sind schwieriger als je zuvor, und die Branche kämpft um den kleinen Wettbewerbsvorteil, der akzeptable Zahlen ermöglicht. Ein Stück weiter sei man gekommen in diesen Monaten bei der Produktentwicklung, und die gesetzten Ziele wurden erreicht. Trotz dem erwartet Werner Henseleit nach einem harten Jahr 1992 ein mindestens ebenso hartes Jahr 1993. Da die Konjunktur nicht schiebt sondern bremst, verlangt er eine Firmenkonjunktur. Hutschenreuther müsse einfach besser sein als die anderen und aus der eigenen Stärke heraus ungeachtet aller Rahmenbedingungen erfolgreich sein.
Rosenthal Porzellan AG übernimmt Hutschenreuther
Die Rosenthal Porzellan AG übernahm die Lorenz Hutschenreuther AG. In den vergangen Monaten 2008 hatte der Insolvenzverwalter der Winterling Porzellan AG mit der Rosenthal Porzellan AG und der SKV GmbH intensive Gespräche geführt, die den weiteren Fortbestand von Teilgeschäftsbetriebe der Winterling Porzellan AG zum Inhalt hatten.
Während die Marke Hutschenreuther in die Hände von Rosenthal übergeht, wird Arzberg an die SKV GmbH übertragen. Hutschenreuther wird die bisherigen Marken komplementär ergänzen und das Rosenthal Produktportfolio abrunden, sagte eine Sprecherin der Rosenthal AG. Geplant sei, rund 475 Mitarbeiter der Winterling AG in den Rosenthal Konzern zu übernehmen. Davon seien rund 270 Mitarbeiter in der Produktion beschäftigt. Nach Angaben der Rosenthal Sprecherin werden die Mitarbeiter von der Winterling AG gekündigt und danach zu gleichlautenden Konditionen von der Rosenthal AG wieder eingestellt.
Über die Höhe des Kaufpreises von Hutschenreuther wollte weder Rosenthal noch die Insolvenzverwaltung von Winterling Angaben machen. Im Geschäftsjahr 1999 erzielten die 1964 Mitarbeiter des Rosenthal Konzerns einen Umsatz von 328,7 Mill. Mark.
Es geht stetig bergauf, aber am Ende platzen alle Träume
Geschichte | Der Kirchenlamitzer Werner Bergmann hat alle wesentlichen Fakten über die Unternehmens-Gruppe zusammengetragen.
Kirchenlamitz – Mehr als 100 Jahre ging es mit der Firma Winterling stetig bergauf; nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft begann der Niedergang. Der Kirchenlamitzer Geschichts- und Heimatforscher Werner Bergmann hat die Geschichte des Porzellanherstellers, der noch kurz vor seiner Insolvenz zum bundesweiten Branchenprimus aufgestiegen war, genau aufgearbeitet. Unter dem Titel „Weißes Gold aus Kirchenlamitz“ hat Bergmann akribisch die wesentlichen Fakten der Entwicklung des Familienunternehmens zusammengetragen.
Die Fabrik in Kirchenlamitz wird 1920 als Zweigwerk der von Eduard Winterling ein Jahr zuvor gekauften Firma Schaller & Co. in Schwarzenbach an der Saale gegründet. Der Betrieb in Kirchenlamitz ist später um einiges größer als der in Schwarzenbach.
„Die eigentliche Geschichte der Firma beginnt aber bereits 40 Jahre früher“, weiß Werner Bergmann: im Jahr 1880. Georg Adam Winterling (1849 bis 1906) hat fünf Söhne: Eduard, Heinrich, Karl, Gustav und Ferdinand. Der Vater, erst Metzger, dann Viehhändler, ist Mitbegründer der Porzellanfabrik Zeh, Scherzer & Cie in Rehau, kauft 1903 die Porzellanfabrik Drechsel und Strobel in Marktleuthen und nimmt drei Jahre später die Gebrüder Winterling OHG in Röslau in Betrieb. Alle seine fünf Söhne werden später Porzellanunternehmer.
Das Geschäft blüht. „Dank ihrer vielen und guten Exportverbindungen“, so Bergmann, übersteht die Firma selbst die Wirtschaftskrise 1928/29 und kann sogar noch auf dem Höhepunkt der Krise die Vollbeschäftigung aufrechterhalten. Eduard, Chef in Kirchenlamitz, stirbt 1943 an den Folgen einer Operation in Zwickau. Seine Söhne – zunächst Otto, von 1959 an auch Hermann (heute 101 Jahre alt) – führen die Firma weiter. Im Juni 1992 werden die bestehenden offenen Handelsgesellschaften der Winterling-Gruppe in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ziel: klare Führungs- und Entscheidungsstrukturen schaffen. Der Aufsichtsrat bestellt Dr. Hermann Winterling junior zum Vorstandsvorsitzenden. Die Winterling Porzellan AG zählt 1992 zu den vier größten Unternehmen dieser Branche. Nach Öffnung der Grenzen sieht sich das Unternehmen schärfster Konkurrenz aus Osteuropa und Fernost ausgesetzt. Darauf folgt 1993 das erste negative Betriebsergebnis und es kommt immer wieder zu Entlassungen.
Im Mai 1996, die AG ist bis auf 1450 Mitarbeiter geschrumpft, wechselt Hermann Winterling junior in den Aufsichtsrat und der Unternehmensberater Birger Ihle wird zum Alleinvorstand gemacht. Unter seiner Führung übernimmt die Winterling AG die defizitäre Wohnen-Sparte des Konkurrenten Hutschenreuther AG. Mit 2600 Mitarbeitern entsteht der größte Porzellanhersteller Deutschlands.
Aber die Regel, dass zwei Kranke zusammen keinen Gesunden ergeben, bewahrheitet sich auch hier: Im September 1999 muss das Unternehmen Insolvenz anmelden.
Von der Brache zum Gewerbepark
Insolvenzverwaltung und Stadt Schwarzenbach an der Saale ziehen an einem Strang / Mieter gesucht. Vom schwierigen Geschäft nach einer Insolvenz – am Beispiel des „Gewerbepark Winterling“ in Schwarzenbach an der Saale.
Werner Thonack versucht als Beauftragter des Winterling-Insolvenzverwalters Dr. Eberhard Braun die leer stehenden Räume der Industrie-Immobilie zu vermieten. Im Verwaltungstrakt (roter Backsteinbau) ist ihm das bereits gut gelungen. Für die Ofenhalle, links im Bild, werden aktuell Möglichkeiten der weiteren Nutzung untersucht.
Schwarzenbach an der Saale – Einen guten Klang hatte der Name Winterling in Schwarzenbach an der Saale. Hunderte standen in der gleichnamigen Porzellanfabrik an der Kirchenlamitzer Straße in Lohn und Brot. Doch das ist lange her. Vergangenheit wie die traditionsreiche Porzellinergeschichte in der Stadt.
1999 ging die Winterling AG auf breiter Front in die Insolvenz. Die Standorte in Schwarzenbach an der Saale, Kirchenlamitz, Röslau, Selb, Arzberg und Windisch-Eschenbach wurden dicht gemacht. Dabei war das Werk in Schwarzenbach erst Monate zuvor mit einer neuen Ofenlinie ausgestattet worden. Der gute Klang des Namens war damit passé, Winterling wurde zum Symbol des Niedergangs einer ganzen Stadt in einer ohnehin gebeutelten Region.
Ziele
Werner Thonack ist der Beauftragte des Insolvenzverwalters Dr. Eberhard Braun. Seine Aufgabe könnte kaum schwieriger sein: Das einstige Winterling-Imperium vor dem Verfall zu retten, ist ihm zur Lebensaufgabe geworden. „Wenn man die großen Industrieanlagen sich selbst überlässt, dann ist früher oder später alles kaputt“, weiß Thonack. Das aber, meint er, könne niemand wollen. „Es muss jedem ein Anliegen sein, die Immobilie zu erhalten.“
Auch der bloße Unterhalt der großen leer stehenden Hallen in Schwarzenbach an der Saale kostet Geld. Allein sechs Handwerker sind im Auftrag Thonacks an den Winterling-Standorten damit beschäftigt, dass die Dächer an den Objekten dicht sind, die elektrischen Leitungen und die Wasserrohre funktionsfähig bleiben. Der Grund liegt auf der Hand: „Wir wollen die Flächen vermieten.“ Und das schon aus wirtschaftlichem Interesse: Mit den Mieten sollen die notwendigen Reparaturleistungen erwirtschaftet werden.
Das beleuchtet zugleich ein Problem jeder Insolvenz: „Der Insolvenzverwalter hat kein Geld und kann selbst auch kein Geld in die Hand nehmen“, erklärt Thonack. Einzige Möglichkeit, ein Objekt wie jene ehemalige Winterling-Fabrik an der Kirchenlamitzer Straße nicht dem Verfall preiszugeben, sei deshalb, die Unterhaltung des Komplexes über Mieten zu erwirtschaften.
Für einen Mieter allein ist der Komplex viel zu groß, es müssen schon mehrere sein. Allein in Schwarzenbach stehen knapp 60 000 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche zur Verfügung. Die große Ofenhalle allein hat 10 000 Quadratmeter. Eine Vermietung kann wohl nur dann erfolgen, wenn diese in kleinere Einheiten umgestaltet wird.
Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther AG Chronik
1857 Lorenz Hutschenreuther verlässt das Unternehmen in Hohenberg. Auf seinen ausführliche begründeten Antrag vom 11. Februar, eine Porzellanfabrik in Selb zu errichten, erhält Lorenz Hutschenreuther am 10. August im Namen der königlichen Regierung von Oberfranken in Bayreuth, die Konzession zur Errichtung einer Porzellanfabrik in Selb. Noch am 10. September mahnt Lorenz Hutschenreuther den Besitzer der Ludwigsmühle in Selb den Fabrikanten Gebhardt, den geplanten Verkauf der Ludwigsmühle, dem zukünftigen Standort der Porzellanfabrik, endlich abzuschliessen. Der Verkauf der Ludwigsmühle kommt noch im Dezember zustande; Kaufsumme 15900 Gulden.
1859 Die neue Fabrik wird im März in Betrieb genommen – mit einem Brennofen und etwa 50 Arbeitern. Der erste Brand bringt brauchbares Porzellan. Lorenz Hutschenreuther bestellt Farben für die ersten Dekore. Er ist mit seinem Porzellan noch nicht zufrieden, entwickelt neue Masserezepte und kann Mitte des Jahres bessere Musterstücke an seine Kunden verschicken. Er denkt auch schon an den Besuch der Messe in Leipzig, um dort seine Erzeugnisse zu zeigen. Am 10. Oktober geht eine grosse Sendung von 22 Kisten Porzellan an einen Kunden in Nördlingen. Am 11. November bietet er dem Kunden Ens & Greiner Stummel in dunklerem Porzellan an; er hat etwa 1500 bis 2000 Stück auf Lager. Am 15. November kauft er, wie schon früher, Porzellanerde von Carl Knoll in Karlsbad. Lorenz Hutschenreuther bietet schon leichte Dekore auf Tassen und Kaffeebechern auf nochmals verbesserten Scherben an und bedient mit Lieferungen weitere Kunden in Stuttgart, Kahla, Frankfurt / Oder, München und Köln.
1864 Zu den bestehenden zwei Gründungsbrennöfen werden zwei weitere, verbesserte Öfen gebaut – mit technischer und finanzieller Hilfe des Schwiegersohnes von Lorenz Hutschenreuther, dem Eisenbahntechniker und Ingenieur Hans Pabst. Hans Pabst wurde durch die Heirat mit der Tochter von Lorenz Hutschenreuther, Teilhaber der Fabrik.
1870 Die produzierten Porzellane, die bisher in der Mehrzahl ohne Marke versehen waren, werden nunmehr mit einem Prägestempel gemarkt, mit dem Monogramm L.HR. im Kreis.
1877 Lorenz Hutschenreuther zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Geschäftsleitung zurück und übersiedelt nach Würzburg. In der Firmenleitung sind jetzt die Söhne Viktor Hutschenreuther und Eugen Hutschenreuther mit Hans Pabst.
1880 Die Lorenz Hutschenreuther Fabrik bezeichnet sich noch immer als Porzellanmanufaktur. Die künstlerische Zusammenarbeit mit dem Münchner Leopold Gmelin und anderen Künstlern beginnt. Es entstehen Service- und Geschenkartikel Formen und Dekore im Stil des Historismus der Gründerjahre.
1886 Lorenz Hutschenreuther stirbt in Würzburg; er liegt in Selb begraben. Die Fabrik in Selb vergrössert sich durch neue Brennöfen. Die Arbeitersiedlung (Pabst-Siedlung) wird geplant. In Selb sind nun 12 Öfen mit 500 Arbeitern in Betrieb, in Hohenberg (C.M. Hutschenreuther) 9 Öfen mit 400 Arbeitern.
1899 Auf Gut Blumenthal (erworben 1895) stirbt Eugen Hutschenreuther. 1904 Umwandlung der Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther in Selb in eine Aktiengesellschaft. 1906 Erwerb der Porzellanfabrik Jäger, Werner & CO. in Selb. Sie wird als Abteilung B der Lorenz Hutschenreuther AG weitergeführt.
1917 Erwerb der Porzellanfabrik Paul Müller in Selb. Die Lorenz Hutschenreuther Kunstabteilung wird gegründet. Die künstlerische Leitung übernimmt Prof. Fritz Klee, der Leiter der königliche Fachschule für Porzellan in Selb. Er bringt gemeinsam mit Fachoberlehrer Veit einen grossen Teil eigener Form- und Dekorentwürfe ein.
1924 Julius v. Guldbrandsen übernimmt die künstlerische Leitung der Lorenz Hutschenreuther Kunstabteilung. 1925 Prof. Niemeyer entwirft für Lorenz Hutschenreuther die Serviceform Aida. Sie bildet mit den Formen Empire und Frauenlobdie Kollektionsspitze.
1927 Erwerb der Porzellanfabrik Tirschenreuth in Tirschenreuth – 1995 geschlossen. Erwerb der Porzellanfabrik Bauscher Weiden in Weiden. 1929 Erwerb der Porzellanfabrik Königszelt in Königszelt, Schlesien, enteignet 1945
1934 Max Adolf Pfeiffer, früherer Generaldirektor der Staatl. Porzellanmanufaktur Meissen, ist künstlerischer und technischer Berater bei Lorenz Hutschenreuther in Selb. Er bringt bedeutende zeitgenössische Bildhauer wie Paul Scheurich, Max Esser und Prof. Börner zu Lorenz Hutschenreuther. Die Bildhauer Karl Tutter, Carl Werner und der Dekorentwerfer Arthur Jahreis sind in den Ateliers der Kunstabteilung mit grossem Erfolg tätig.
1943 Die Staatliche Porzellanmanufaktur Berlin wird in das Werk Paul Müller evakuiert. 1946 Wiederaufnahme der Produktion in fast allen Betrieben des Unternehmens mit kleinen Programmen und grossen Lieferungen für das amerikanische Hauptquartier in der US Zone. Die Porzellanfabrik Paul Müller wird nicht wieder in Betrieb gesetzt, jedoch werden Geschirrformen aus ihrem Programm in die Abteilung A in Selb übernommen.
1943 Das Unternehmen rüstet von Rundbrennöfen auf Tunnelbrennöfen um. Begonnen wird damit bei Bauscher Weiden unter der Leitung von Roland Dorschner, der 1948 ins Unternehmen eingetreten ist. Es folgen unter seiner betrieblichen Führung 1956 in Tirschenreuth die Tunnelofenanlagen im Werk B und A in Selb.
1957 100 Jahre Porzellan in Selb. Die Lorenz Hutschenreuther AG in Selb feiert das Jubiläum mit 1588 Mitarbeitern in den Werken A und B (Gesamtunternehmen 3000 MA).
1958 Verstärkt wird die Mitarbeit freier Künstler für Formen und Dekore, betreut durch die Leiter des Ateliers Hans Achtziger und Edmund Saalfrank. Die Künstler Otto Hofmann, Fabius von Gugel, Frl. von Hebenstein stehen für viele andere. Hervorragend ist auch die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Dekoration mit den Kunstgewerbeschulen in Hannover, Kassel und Düsseldorf.
1960 Schon seit geraumer Zeit schafft Bildhauer Hans Achtziger figürliche Meisterwerke und entwirft Geschirrformen und Geschenkartikel für die Kollektion, die ihm internationale Anerkennung und dem Unternehmen Erfolg bringt. Er prägt bis in die 80er Jahre die Angebote auf dem Kunst- und Geschirrsektor. 1963 Nach dem Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Christian Modrack übernimmt der 36jährige Roland Dorschner die Führung des Unternehmens. Er ist für den gesamten technischen Sektor verantwortlich, wird 1969 Sprecher des Vorstandes und 1972 Vorstandsvorsitzender. Er führt die Porzellanfabriken Lorenz Hutschenreuther AG in eine erfolgreiche Zukunft. An seiner Seite steht eine gute Führungsmannschaft und in den Betrieben eine hochqualifizierte Belegschaft, die ihresgleichen sucht.
1966 Die Kunstabteilung feiert ihr 50-jähriges Bestehen und nimmt eine neue, automatische Ofenanlage in Werk B in Selb in Betrieb. Mit Bildhauer Gunther Granget kündigt sich grosse Meisterschaft an, vor allem in der Tierplastik, die weit über Europa hinaus, besonders in Nordamerika, Freunde findet.
1969 Verschmelzung der Porzellanfirmen C.M. Hutschenreuther AG in Hohenberg und Lorenz Hutschenreuther AG. 1972 Kauf der in Westdeutschland gelegenen Teile der Porzellanfabrik Kahla mit Werken in Arzberg, Schönwald, Schwandorf und Wiesau

1979 Diversifikationsstrategie: Übernahme der Firma Groh & CO. Hof im Jahr 1979, der Nailaer Porzellanfabrik Albin Klöber KG (1981), der Theresienthaler Krystallglass Manufaktur (1982), an der Hutschenreuther seit 1974 beteiligt ist.
1984 Mit dem Erwerben der Massemühle Eugen Wagner, Neustadt/Coburg, im Jahr 1984 wird die Abrundung des Masseangebotes sichergestellt. Nach der Entwicklung aussichtreicher Produkte in einer Pilotanlage in Naila errichtet Hutschenreuther in Selb ein Werk für die Produktion von Hochleistungskeramik.
1998 Die Werke A Selb, jetzt Hutschenreuther Hotel, Weiden und Schönwald, werden als BHS tabletop AG weitergeführt.
2000 Das Werk B geht an die Rosenthal AG in Selb über, Werk Arzberg an die SkV Porzellan Union GmbH in Schirnding. Die Fabriken Werk B und Arzberg werden 1998 an die Winterling AG Kirchenlamitz verkauft.
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