Porzellanfabrik Lengsdorf
Firmengeschichte Porzellanmanufaktur Lengsfeld
1890 Die Firma Koch und Schnorr wird am 20.August gerichtlich eingetragen. Ab Juni 1893 führte Herr Hegemann die Exportfabrikation ein, die sich durch den alleinigen Verkauf von Exportartikeln als unrentabel erwies. Aus diesem Grund wird die Firma Koch und Schnorr 1895 verkauft. 1896 wird der Name des Ortes geändert, aus die “Stadt Lengsfeld” wird “Stadtlengsfeld”. Übernahme aus dem Konkurs durch Familie Carl Frisch. Gerichtliche Eintragung erfolgte am 07.Februar. Sofortiger Baubeginn weiterer Porzellanöfen und Erweiterungsbauten. Im Jahre 1900 branten die Gebäude mit Druckerei, Packerei, Schmelze und Weisslager vollständig nieder und wurden in grösserem Umfang wieder neu errichtet. Im September 1901 erfolgt eine Aussperrung der Arbeiter, anschliessend wurde im Oktober der Konkurs eingeleitet. Der Besitzer Carl Frisch entschied sich für den Freitod. Laut gerichtliche Eintragung am 13. Juni 1902 erfolgt die Konkursübernahme an die Herren Büchner, Seiffert, Reuss und Beckmann. Für die neue Firma Porzellanfabrik Stadtlengsfeld Aktiengesellschaft wurde Herr Hans Grimm von der vorherigen Firma übernommen. Nach Niederlegung des Postens tritt laut gerichtlicher Eintragung am 2. Juli Herr Ludwig Ross an seine Stelle. Am 28. Januar wurde Herr Wilhelm Schreiber Geschäftsführer.
Am 4.Februar 1909 wurde die Fabrik von einem starken Hochwasser heimgesucht. Der in den letzten Jahren aufgetretene Mangel an Betriebskapital kam in diesem Jahre mit allen Begleiterscheinungen zum Ausdruck. Durch das Verlustgeschäft 1911 schied Herr Ludwig Hermann freiwillig aus dem Leben. Herr Gramss ist alleiniger Inhaber. Das Hochwasser im Jahre 1913 hatte eine erneute Einstellung der Porzellanfertigung zur Folge. Produkte.
Tafel und Kaffee Service in einfacher und besserer Ausführung. Sämtliche Gebrauchsgeschirre, weiss und mit Dekor in Unterglasur, indischblaue Geschirre aller Art. Später auch Gebrauchsgeschirr aus Hartporzellan, Porzellan für Hotel/Gastronomiebedarf und technische Keramik. Notgeld aus Porzellan z.Zt. der Inflation (1921). Erster Weltkrieg 1914 Die Arbeiter erhielten durch den Verlust eine staatliche Unterstützung. Erneutes Hochwasser überschwemmt die Fabrik 1916 bei Dunkelheit. Am 3. Januar 1918 vollständiges Abbrennen des Pferdestalles Vom 24. Dezember – 21. Juni 4-malige Einstellung des Betriebes wegen Kohlemangels. am 31. Dezember Für den Lohnausfall erhielten die Arbeiter eine Teuerungszulage vom 2. Mai-5. Mai 1919. Auf Leipziger Messe wurden für 1 Mio. Mark Aufträge abgeschlossen. Am 15. März 1920: Generalstreik infolge des Kapp-Putsches am 14. März in Berlin 22. März Wiederaufnahme der Arbeit.
Inflation
1921 Durch die Inflation konnte nicht mehr genug Geld zur Verfügung gestellt werden, so produzierte die Porzellanmanufaktur Lengsfeld 1921 Ersatzgeld (Notgeld) aus Porzellan. Im gleichen Jahr wurde die Rangieranlage und Isolatorenprüfstation wurden fertiggestellt – Produktion von Notgeld im Zuge der Inflation. 1922 Erneuerung der Akkumulatorenanlage, Luftheizungsanlage eingebaut. Am 26. November 1924 Genehmigung der Goldmarkbilanz. Am 1. Juli : Umstellung des Aktienkapitals 10 : 1 Grundkapital 600.000,- Goldmark. Am 16. Februar 1926 Erster Versuch Braunkohle-Briketts (Michel-Briketts) statt Steinkohle beim Glattbrand zu verwenden. Am 13. Juni 1927 25 Jahre Aktiengesellschaft Vom 30. November bis 26. November Werbewoche der Porzellanindustrie. Am 31. Dezember Brennversuche mit Michel-Briketts erfolgreich abgeschlossen. Vom 14. Januar-15. Januar 1928 wird der Betriebsleiter Scharf durch Dipl. Ingenieur Gramss abgelöst und das Grundstück Nr.61 vor dem Obertor wurde der Gemeinde Stadtlengsfeld übereignet.
12. Juli 1929 wurde eine neue Isolatoren-Prüfmaschine aufgestellt Am 1. Juli wurde in der Mädlerpassage ein neues Massemuster ausgestellt. Im November treten Betriebseinschränkungen infolge Auftragsmangel auf. Die Situation erfordert die Entlassung von 50 Arbeitern. Im Dezember muss Kurzarbeit festgesetzt werden; 4 von 5 Öfen werden nur genutzt.
Am 1. Juni 1930 wurde Herr Walter Luckhardt von Königszelt Betriebsleiter Es wurden nur noch 3 Öfen pro Woche genutzt Ab dem 1. September wurden Gehaltskürzungen von 10% bzw. 15% festgelegt. Umfirmierung von Porzellan Fabrik Lengsfeld AG zu Felda Porzellan später Felda Rhön Porzellan.
Zweiter Weltkrieg
Die seit Oktober 1932 bestehende Gehaltskürzung wurde nach der Kündigung des Tarifs für die keramische Industrie in Selb bestätigt. Einführung des Tarifs für Einzelhandel im Eisenacher Land. Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Am 6. Mai 1935 wird der durch den vollständigen Ausbau der Feldabahn erforderliche Umbau des Anschlussgleises mit dem Einbau der Drehscheibe beendet. Durch Postenniederlegung des Herrn Zimmermann, nimmt Herr Truckenbrodt das Amt als alleiniger Gesellschafter an.
1944 brannten die Malereigebäude – Ursache konnte nicht ermittelt werden. Im Dezember erfolgte eine Stilllegung wegen Kohlemangels.
Zwischen Januar und Mai 1945 beginnen die Renovierungsaufgaben und Behebung des Brandschadens in der Malerei. Kriegsschäden und Demontagen hat der Betrieb nicht erlitten. Im Herbst : Aufnahme der Produktion mit 78 Beschäftigten Der Betrieb kommt unter Sequestor, Hauptaktionär Büchner ist bis Mai 1946 als Treuhänder eingesetzt worden. Im Mai 1946 wird Götz neuer Treuhänder, am 11. Mai im gleichen Jahr Übernahme in Landeseigentum Am 11. August : Herr Hermann Götz wird Betriebsleiter Am 6. November brennen die Lagerschuppen und Laderampe ab, keine Aufklärung der Ursache Reparaturleistungen in Höhe von 360.000 Mark. Im April 1947 leitet Ingenieur Gramss die Fabrik Im Mai. Kontor und Lagergebäude abgebrannt, ebenfalls keine Aufklärung der Ursache. Im Januar und Februar 1948: Durch erneutes Hochwasser der Felda weitere Schäden zu verzeichnen.
Kombinat VEB
Gründung der DDR 1949 – Zu dieser Zeit sind 7 Rundöfen Einsatz. Die Produktionsbedingungen sind von schwerer manueller Arbeit bei Hitze- und Staubeinwirkungen gekennzeichnet 1950 Hans Joachim Döhring wird als Betriebsleiter eingesetzt. Ab 1955 wird Rudolf Vogler als neuer Betriebsleiter eingesetzt.
1956 Einsatz von Absauganlagen an den Rundöfen; dadurch geringfügige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Erhöhung des Ofenumschlages. Herr Gerhard Henniger wird 1957 als Betriebsleiter tätig. Nachfolger wurde Herr Helmut Deisenroth 1958. Der Einbau eines Kreisförderer, der alle Rohabteilungen miteinander verbindet, stellt die grösste Arbeitserleichterung dieser Zeit dar. Einsetzung des Herrn Ernst Roland als Werksleiter 1963. Im Jahre 1967 werden grosse Teile der Porzellanfabrik durch ein Grossfeuer vernichtet. Die Fabrik wird rekonstruiert und erweitert. Am 5. Januar kam es aus ungeklärten Gründen im Werk zu einem Grossbrand. Betroffen wurden die Giesserei, Formgiesserei, Glasiererei, Teil des Brennhauses und Einrichterei. Es entstand ein geschätzter Schaden von 300.000 Mark. Am 19.Mai brannte es erneut im Werk, wobei Brandstiftung vermutet wurde.
1969 Gründung des Kombinates Colditz, dem die Betriebe Colditz, Freiberg, Annaburg, Lettin, Weisswasser und Stadtlengsfeld angehören. Rekonstruktion des Werkes – Ende 1969 wird mit der Geländeregulierung zum Bau einer neuen Produktionshalle mit einem Wertumfang von 44,2 Mio. Mark begonnen. 1970 Bei laufender Produktion wird das Automatisierungsvorhaben realisiert. Projektierung, Bau und Inbetriebnahme gehen gleitend ineinander über. Am 12.Juni wurde der erste Tunnelofen gezündet. 1972 inzwischen wird Porzellan in vier erdgasbeheizten Tunnelöfen gebrannt. Die Beschäftigtenzahl steigt bis Ende 1989 auf fast 700. 1968 wohnen in Stadtlengsfeld 2748 Menschen. Die Beschäftigungszahl hat sich von 330 auf 570 erhöht. Wesentlich verbesserte Arbeitsbedingungen, modernste Technik und effektivere Produktionsverfahren prägten das Bild des Betriebes.
1973 Errichtung einer Freihalle für die Lagerwirtschaft. Gas und Öl-Heizhaus wird in Betrieb genommen. Im Jahre 1974 Inbetriebnahme einer neuen Masseaufbereitung-Lösehalle. Sand und Feldspat wurden erstmals direkt bezogen und verarbeitet.
Eberhard Klug verliess die Fabrik 1976, neuer Werksdirektor wurde Helmut Börner. Verdoppelung der Beschäftigten von 1969 Umfangreiche Baumassnahmen an den Werkstrassen Gestaltung neuer Werkseingänge sowie Gehwege 1978 Halle für den Einsinkfarbofen wird in Eigeninitiative errichtet. 1979 Bau und Inbetriebnahme des Einsinkfarbofens und 1980 Inbetriebnahme von zwei Henkelverputz- und Schneidanlagen – Erleichterung von komplizierten Handarbeiten. Hartmut Kunath wird 1982 als Werksdirektor eingesetzt. 1983 Rekonstruktion und Erweiterung des Anschlussbahngleises Bau des neuen Rohbraunkohleheizhauses vollständige Heizölablösung
Deutsche Wiedervereinigung
1989 Mauerfall – Zusammenfall des Staatssystem der SED. Zu diesem Zeitpunkt waren es 680 Beschäftigte. Einsatz einer Kleinteilgiessmaschine mit rotierenden Einguss. 1990 Trennung von Graf von Henneberg Porzellan Ilmenau Übergabe an die Treuhand in Suhl 1. Juli Währungsunion 3. Oktober Wiedervereinigung Ost- und Westdeutschland. 1991 erfolgt der Kauf von zwei Druckgussmaschinen Kompressorenanlage mit zwei Schraubkompressoren erneuert Abwasser-Kläranlage System Kronenberger aufgebaut Die Beschäftigungszahl sank auf 300 Mitarbeiter.
1992 Im August – Übernahme der Firma Rhön Porzellan GmbH vom Schweizer Unternehmer Robert Käppeli umbenannt in Firma Lengsfeld Rhön Porzellan GmbH Herr Rathke wurde als Geschäftsführer eingesetzt. Die Beschäftigungszahl sank auf 162 Mitarbeiter.
Ab 1993 Eigenständige Tochterfirma SRI Keramik GmbH abgespalten Ab Juli ist Erich J. Bruckert als Vertriebsleiter im Bereich Marketing tätig. 1994 Verlegung der Henkelgiesserei und Henkelputzraum in die Shed-Halle 1995 Verlagerung der Formgiesserei vom Altbau in die Shed-Halle Erich J. Bruckert verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch
1996 Porzellan Rohmasse wird fertig bezogen – keine Aufbereitung der keramischen Rohstoffe mehr. Stilllegung der Lösehalle die Beschäftigungszahl sinkt auf 90 Mitarbeiter 1997 – Bilderlager und Mustermalerei in die Shed-Halle verlagert. Ende Januar 1998 erfolgte der letzte Brand mit Tunnelofen. Ab den 1. Februar 1998 – Zündung des neuen Kammerofen Verlegung der Verkaufsstelle 6. Oktober – Arbeitsniederlegung aller 75 Beschäftigten, sowie der Tochterfirma SRI Keramik GmbH mit 6 Beschäftigten Gesamtvollstreckungsbeginn am 1. Dezember – als Sequester ist Dr. Michael Jaffé eingesetzt.
Gilitzer Porzellanmanufaktur
Ab den 1. Januar 1999 – Neugründung der Gilitzer-Porzellan-Manufaktur GmbH am Altstandort Stadtlengsfeld durch Erich J. Bruckert. Es folgt eine Auslagerung der Produktion auf Grund von umfangreichen Umbaumassnahmen. Neuzündung des Ofen 11. Oktober 1999 Produktion auf Zulieferung namhafter deutsche Porzellan- und Glashersteller ausgerichtet Im Oktober erfolgte die Gründung eines sozialen Wirtschaftsbetriebs mit 15 Mitarbeitern.
2002 begann der konsequente Aufbau der eigenen Marke Gilitzer-Porzellan-Manufaktur Germany. 2003 umfangreiche Investitionen in maschinelle Dekoranlagen, Buntdruckheissübertragungsanlage, Bänder und Liniermaschinen , CNC gesteuerte Gravuranlagen. Mit anschliessender Integration der Verwaltung in neue Büroräume auf dem Gelände der Manufaktur im Jahre 2004.
Quelle: Firmenarchiv der Gilitzer Porzellan Manufaktur GmbH
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