Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanfabrik Kretschmann

Porzellanfabrik Heinrich Kretschmann

In den Jahren 1872 und 1880 hatten Johann Kempf, Töpfer, und seine Frau Margarethe das Haus Zechtalstraße 8, einen Brennofen und eine Wiese erworben. In den J. 1886 und 1887 kauften Klement Winter, Porzellanmaler und Krämer, und seine unternehmungslustige Frau Julie, Gastwirtin, weitere benachbarte Grundstücke. Im J. 1887 erhalten Klement Winter und Johann Keinpf die Bewilligung zu einer Tongeschirrerzeugung unter der Firma "Winter & Co.". Im J. 1888 kaufte das Ehepaar Winter von Margarethe Kempf die Hälfte des Hauses Zechtalstraße 8 und ließ die Konzession der Firma "Winter & Co." auf Ton-, Porzellan- und Steinguterzeugung erweitern.

Als im J. 1889 Klement und Julie Winter sich nur auf Porzellanerzeugung beschränken wollten, traten Johann und Margarethe Kempf aus der Firma aus, und Johann Kempf baute sich im J. 1890 in Horn Nr. 46 eine Töpferei. Für das Ehepaar Kempf traten am 23.1.1890 der Gastwirt Andreas Maschauer und der Fabrikskassier Hermann Lochschmidt aus Elbogen und, nachdem die Firma am 4.6.1890 die Baubewilligung zu einer größeren Porzellanfabrik beim Haus Zechtalstraße 32 erhalten hatte, am 13.6.1890 noch der Porzenanmalereibesitzer Friedrich Schmied aus Schlaggenwald und am 27.10.1890 dessen Frau Emilie ein. Ab Oktober 1890 wurde die Porzellanerzeugung begonnen, mit 1 Ofed im Monat. Am 18.5.1891 verkaufte die Firma 'Winter & Co." die kleine Porzellanfabrik Zechtalstraße 8 an die Firma "Kretschmann & Co. ', [Heinrich Kretschmann, Fabriksbeamter, als Fachmann und Franz Wurda, Kaufmann in EIbogen, als Geldgeber] um 8.000 fl. Doch schon am 2.8.1892 verkaufte Wurda die Fabrik an Georg Friedrich aus Hartenberg um 9.650 fl. Dieser bezahlte 3.500 fl-, die er von seiner Schwester Anna Schlesinger in Neudek auslieh, und blieb Wurda 6.150 fi. schuldig.

Unter Friedrich stieg die Belastung der Fabrik schon nach wenigen Monaten auf 16.964 fl. 67 kr. Er mußte die Fabrik aufgeben. Die Arbeiter übernahmen sie am 17.5.1893 unter der Firma "Lippert, Muck & Co.". Sie brauchten an Friedrich nichts zu bezahlen, übernahmen aber die Schulden des Unternehmens. Da es ihnen nicht gelang, die Schulden zu verringern, sondern sie diese noch vergrößerten, wurde die Fabrik am 21.6.1894 versteigert. Sie kam mit 13.005 fl. an Ernst Schlesinger in Neudek, den Schwager des Georg Friedrich, der die Forderung seiner Frau retten wollte. Er verpachtete die Fabrik an Heinrich Kretschmann und verkaufte sie am 1.2.1898 an die Firma "Kretschmann & Co." [Heinrich Kretschmann, Fabrikspächter, und Adalbert Hofmann, Porzellanmalereibesitzer in Altrohlau] um 14.500 fl. Am 12.9.1899 kaufte Heinrich Kretschmann die Hälfte des A. Hofmann um 8.100 fl. und wurde dadurch Alleinbesitzer der Fabrik, die nun unter der Firma "Heinrich Kretschmann" sich gut entwickelte. Nach baulichen Verbesserungen und Vergrößerungen in den Jahren 1891, 1898, 1905 und 1907 pachtete er mit dem Porzellanmaler Albert Stark ab Oktober 1910 die ehemalige Rokyta-Malerei in Zechtalstraße 17, die unter der Firma Stark & Co. geführt wurde. Am 1.7.1912 kaufte er sie mit Heinrich Feiler, Karlsbad, der seit 1910 stiller Gesellschafter von Stark & Co. war, von der Filiale Karlsbad der Böhmischen Escomptebank um 35.000 K, je zur Hälfte.

Am 6.3.1916 erwarb Kretschmann den Anteil von Heinrich Feiler an der Firma "Stark & Co." mit 24.966 K 35 h und vereinigte diese Porzellanmalerei dann mit seiner Fabrik - offiziell ab 1919. Schon im J. 1900 hatte er sich das Wohnhaus Zechtalstraße 5 gebaut, in den folgenden Jahren erwarb er noch Haus- und Grundbesitz, und im J. 1918 ließ er noch eine kleine Massamühle bauen. Im Ersten Weltkrieg war die Fabrik von November 1914 bis Feber 1916 stillgelegt. Am 20.12.1919 verkaufte er seiner Tochter Ernestine Rokyta die Fabrik um 278.315 K~ und die zugehörigen Mobilien um 250.000 Ke. Er wird stiller Teilhaber mit 200.000 Ke und sein Schwiegersohn Heinrich Rokyta mit 50.000 Ke. Die Tochter brauchte nur 50.000 gleich zu zahlen. Am 13.4.1922 starb Heinrich Kretschmann, und die Tochter erbte seinen Anteil, die Enkelin Marie Rokyta das Wohnhaus Zechtalstraße 5. Fabriksleiter wurde Heinrich Rokyta. Als dieser am 24.5.1935 starb, waren die finanziellen Verhältnisse des Unternehmens durch die allgemeine Wirtschaftskrise der tschechoslowakischen Porzellanindustrie schon trostlos. Nach Heinrich Rokyta war Rudolf Lippert Fabriksleiter bis 1938. Am 30.6.1938 wurde die Fabrik stillgelegt, sie gehörte ab 1.8.1935 der Karlsbader Vereinsbank. Ab 1940 wurde das Malereigebäude von der Porzellanmalerei Johann Hoffmann in Elbogen [von 1942-1945 stillgelegt, ab 1945 unter staatlicher Verwaltung bis 1949 betrieben] und die Fabriksgebäude von seinen Brüdern, den Holzhändlern Franz und Ernst Hoffmann benützt.

Erzeugnisse:

Die Fabrik erzeugte Kinderbecher, Kaffee- und Milchtöpfe in allen Größen, Mokkatassen, Kochtöpfe, Eierbecher, Türkenbecher, Nesteier und figurale Wallfahrtsermnerungsstücke, in den ersten Jahrzehnten auch Figuren und Vasen. Da die Fabrik von 1894 bis 1910 ohne Modelleure und Malerei arbeitete, lieferte sie ihre weiße Ware - meistens Töpfe - an die Porzellanmalereien in Altrohlau, Schönfeld, Asch, Haida, Warnsdorf, Pilsen, Prag, Budapest und Elbogen. Die Modelleure Franz Wolf in Horn und Rudolf Glaser in Elbogen, die Porzellanmaler Rudolf Hanischdörfer und Albert Stark verrichteten gelegentliche Arbeiten für sie. Ihre figuralen Erzeugnisse - Faust, Gretchen; große und kleine Weihbrunnen; Madonna, Christus und Maria - bemalte im letzten Jahrzehnt des 19. Jhdts. der Schlaggenwalder Schmelzmaler Franz Langhammer. Auch der Elbogener Schmelzmaler Johann Thomaier bemalte für sie Figuren und Vasen.

Im Jahr 1900: 26 Arbeiter, 1904: 40, 1922: 85