Porzellanfabrik Koeppelsdorf
Armand Marseille, der Name sagt es, ist kein hiesiger gewesen. Er wurde 1856 in Sankt Petersburg geboren und starb 1925 in Coburg. Sein Vater war Baumeister am Hof des Zaren. 1884 gründete er eine Porzellanfabrik in Köppelsdorf und leitete damit einen radikalen Wandel in diesem Ort ein, der sein Gesicht vom Bäuerlichen ins Industrielle wandeln sollte. Köppelsdorf wandelte sich zur Hochburg der Porzellanproduktion. Die Fabrik stand an der heutigen Friedrich-Engels-Strasse und ihr Areal erstreckte sich bis zur Köppelsdorfer Strasse. 1887 baute auch der Fabrikant Ernst Heubach am Bahnhof in Köppelsdorf eine Porzellanfabrik und begann mit der Herstellung von Puppenköpfen. Die beiden Familien verbanden sich im Jahr 1915, indem die Marseille-Tochter den Heubach-Sohn heiratete. 1894 kam die Fabrik von Hering & Sohn (vormals Koch und Weidhase) hinzu.
Wie der Experte für die Geschichte der Sonneberger Porzellanindustrie Ottomar Kröckel schreibt, war der Aufschwung darauf zurückzuführen, dass der Bedarf an Puppenköpfen und Gebrauchsporzellan gestiegen war, die aufkommende Elektrifizierung nach Isolatoren verlangte und mit dem Bau der Bahnlinie Sonneberg-Lauscha 1886 die Einfuhr der notwendigen Rohstoffe ermöglichte. Armand Marseille begann Kröckels Forschungen zufolge 1885 mit einem einstöckigen Fachwerkhäuschen und einem Brennofen, im dem Pfeifenköpfe und Porzellankrüge hergestellt worden sind. Dort war auch der Ausgangspunkt für die Herstellung von Puppenköpfen, die in grossen Stückzahlen gefertigt wurden. Hausbesitzer stossen noch heute bei Grabungen in ihren Grundstücken auf solche Puppenköpfe, denn mit den Porzellanabfällen wurden gerne Senken aufgefüllt. Die Puppenköpfe fanden durch die vielseitige Sonneberger Puppenindustrie ihren Weg in alle Erdteile.
Als das Porzellan bei den Puppenköpfen mehr und mehr durch andere, billigere und haltbarere Werkstoffe ersetzt wurde, stellte man den Betrieb auf technisches Porzellan um. 1919 schlossen sich die Porzellanfabriken von Ernst Heubach und Armand Marseille zu den Vereinigten Köppelsdorfer Porzellanfabriken zusammen. 1953 wurden die Porzellanfabriken Armand Marseille und Gebrüder Schoenau & Swaine enteignet und bildeten den VEB (Volkseigenen Betrieb) Sonneberger Porzellanwerke. 1964 endete die Porzellanproduktion am Standort in der Mitte von Köppelsdorf.
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