Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanfabrik Jospeh Schachtel

Porzellanfabrik Joseph Schachtel in Sophienau 1859-1916

1859 erwarb Joseph Schachtel (gest. 1887) in dem etwa 10 km von Waldenburg entfernt gelegenen Ort Sophienau die kleine Porzellanfabrik, die Julius Schwarz 1855 dort gegründet hatte. Für die Feuerung der zwei Brennöfen stand durch die nahen Bergwälder und die örtliche Kohlegrube hinreichend Brennmaterial zur Verfügung. Mit einer Anfangsbelegschaft von 40 Beschäftigten produzierten man mit zwei Brennöfen Pfeifenköpfe und andere undekorierte kleine Porzellanartikel. 1875 wurde eine Malerei in der Fabrik eingerichtet, um die Nachfrage nach bemalten Geschirr, Schalen, Andenktassen, Vasen und Tafelservicen befriedigen zu können. Diese Erweiterung ging nicht zuletzt auf die starke Nachfrage von seiten amerikanischer Importeure nach bemaltem Gebrauchsgeschirr zurück. Daneben begann die Fabrik als eine der ersten in Deutschland mit der Herstellung von elektrotechnischen Porzellan, z.B. Isolatoren. 1895 wurde die Produktion auf Stanzporzellan erweitert.

Bereits 1877 lieferte das Unternehmen grössere Mengen von Telegraphenglocken an die deutsche Reichspost und in die Türkei. Mit der vorgenommen Produktionserweiterung, durch die das Hochspannungsporzellan im Laufe der folgenden Jahre zum Hauptartikel der Porzellanfabrik wurde, wandelte sich die Fabrik immer mehr zu einem elektrotechnischen Betrieb, der nicht nur Porzelliner und Chemiker benötigte, sondern zunehmend auch Elektroingeneure. Die neue Bahnlinie, die seit 1880 Sophienau direkt berührte, verbesserte die Marktstellung der Porzellanfabrik zusätzlich.

Die Porzellanfabrik war der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Sophienau. 1880 verbesserten sich die Marktchancen durch den Anschluss des Ortes an die Bahnlinie. 1887 arbeiteten bereits etwa 220 Mitarbeiter in der Porzellanfabrik. Ihre Zahl stieg bis 1904 auf 350 Beschäftigte, was mehr als der Hälfte der Sophienauer Bevölkerung (670 Einwohner) entsprach. 1930 waren es sogar 500 Mitarbeiter bei einer Einwohnerzahl von etwa 750 Einwohner.

Obwohl die Fabrik Jospeh Schachtel sich schwerpunktmässig der Herstellung des technischen Porzellans widmete, behielt sie auch die Fertigung des traditionellen Tafelgeschirrs bei. Aus diesem Grund überstand der Betrieb wohl auch alle Krisenzeiten der folgenden Jahre. Im Jahre 1910 wurde die Produktion von Hochspannungsporzellan aufgenommen und ein Prüffeld für 200.000 Volt errichtet. 1930 wurde es modernisiert und erbrachte nun - als einziges in Deutschland - eine Leistung von 1.200.000 Volt Gleichstrom und 800.000 Volt Wechselstromspannungen.

Porzellanfabrik Charlottenbrunn vorm. Joseph Schachtel 1916-1919

Im Jahre 1913 starb nach längerer Krankheit Max Schachtel. Alleiniger Inhaber der Firma war nunmehr Eugen Schachtel. 1916, mitten im ersten Weltkrieg, wurde der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Die nach dem ersten Weltkrieg auftretende Wohnungsnot veranlasste das Unternehmen zu einer grosszügigen Wohnungsfürsorge für seine Angestellten und Arbeiter. In diesem Zusammenhang dürfte die Gründung der Porzellanfabrik Joseph Schachtel Hausbau GmbH im Mai 1922 in Sophienau zu sehen sein, die einige Jahre bestand und deren Geschäftsführer gleichzeitig die Leitung der Porzellanfabrik gehörten.

Porzellanfabrik Joseph Schachtel, Aktiengesellschaft 1919-1945

Ab den April 1919 firmierte die Aktiengesellschaft wieder als Porzellanfabrik Joseph Schachtel. Eugen Schachtel verstarb im Jahre 1920. 1922 wurde sie an den Strupp Konzern in Meiningen/Thüringen angeschlossen. Dadurch sollte die beabsichtigte Vergrösserung der Fabrikationsräume abgesichert werden. Die Verbindung mit einem finanzstarkem Konzern, in dem nach der Aufnahme der Porzellanfabrik Joseph Schachtel über 80% der gesamten Fabrikation von elektrotechnischen Porzellan in Deutschland vereinigt waren, schien dafür besonders geeignet.

Nach 1945 wurde mit Hilfe der deutschen Fachkräfte unter polnischer Führung die Produktion von technischen Porzellan fortgesetzt. Der letzte deutsche Fabrikleiter, Dr. Johne, arbeitete nach seiner Ausweisung 1950 an der Errichtung des Ersatzwerkes für die ehemalige Waldenburger Fabrik Krister in Landstuhl/Pfalz mit. So wie Dr. Johne fanden viele der ehemaligen Porzellanfacharbeiter und Ingeneure aus Sophienau Beschäftigung in der west- und mitteldeutschen Porzellanindustrie.