Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanfabrik Jakob Zeidler

Porzellanfabrik Jakob Zeidler & Co - Selb Plössberg

1864 Gründung der Porzellanfabrik Jakob Zeidler in Selb-Plössberg. Eine Fabrik, sie hat ihr eigenes Leben, so auch die Porzellanfabrik Jacob Zeidler & Co. In Selb-Plössberg: Das Leben der Porzellanfabrik Jacob Zeidler liest sich wie eine typische „Vita“ des 19. und 20. Jahrhunderts. Es beginnt mit der Eröffnung einer Bahnlinie vom bayerischen Hof in das böhmische Asch, von dort weiter nach Eger mit Anschluss nach Prag. Am 1. November 1865 wird der Bahnhof in Selb-Plössberg, einer Ansiedlung vor den Toren der Stadt Selb, eröffnet. Jacob Zeidler entscheidet sich angesichts der blühenden Porzellanfabrik von Lorenz Hutschenreuther, statt der ursprünglich geplanten Gaststätte eine Porzellanfabrik zu gründen. Bereits im Spätherbst 1867 wird die Produktion aufgenommen. Steinkohle kommt über die Bahn aus Mitteldeutschland, Braunkohle sowie das qualitätsvolle Zettlitzer Kaolin aus dem benachbarten Böhmen, der Versand der Ware erfolgt ebenso zügig auf der Schiene. Mit Hilfe aus dem benachbarten Thüringen, Sachsen und Böhmen requirierter Facharbeiter und aus der Region rekrutierter angelernter Arbeitskräfte nimmt das Unternehmen einen nur von kurzen Konjunkturkrisen überschatteten Aufstieg. Besonders intensive Bauphasen fallen in die Jahre zwischen 1870 und 1875. Der Bedarf an Arbeitskräften bringt die Notwendigkeit der Schaffung von neuem Wohnraum mit sich. 1879 beziehen die ersten Porzelliner die noch heute existenten Arbeiterwohnhäuser auf der anderen Seite der Bahnlinie. In einer Periode nie zuvor gekannten Wachstums seit 1890 wächst die Fabrik Gebäude um Gebäude durch Erweiterungen und Aufstockungen, neue Ofenanlagen. 1914 finden sich hier insgesamt 10 Rundöfen sowie ein kleinerer Kiesofen zur Aufbereitung der Hartrohstoffe Feldspat und Quarz. 400 Mitarbeiter sind jetzt hier beschäftigt. Der Arbeiterwohnungsbau geht voran, aber auch eine Fabrikantenvilla, jedoch bescheidenerer Ausführung ist vorhanden.

Dann der grosse Bruch: Der erste Weltkrieg. Der Verlust an qualifizierten männlichen Arbeitskräften, Schwierigkeiten in der Beschaffung der Rohstoffe und der Kohle. Vor allem aber das Abschneiden der Exportverbindungen bei einem gleichzeitigen Stillstand der Absätze im Inland bringen die Unternehmerfamilie wie andere Porzellanfabrikanten auch in finanzielle Schwierigkeiten. In der Not erfolgt 1917 der Verkauf an Philipp Rosenthal.Rosenthal und die Porzellanfabrik Jacob Zeidler.

Direkt neben der Bahnlinie Hof-Eger gründete Jacob Zeidler 1866 seine Porzellanfabrik. Zu seinen Kunden zählte die Porzellanmalerei von Rosenthal im Schloss Erkersreuth, an die er Weissware lieferte.1917 erwarb Kommerzienrat Philipp Rosenthal sen. (1855-1937) das Unternehmen von Zeidler und richtete 1920 neben den etablierten Produktionszweigen der Geschirr-, Zier- und Elektroporzellanfertigung eine eigene Kunstabteilung ein. Kreatives Design gewann unter seinem Sohn Philip Rosenthal jun. (1916-2001) weiter an Bedeutung. 1961 kreierte das Unternehmen die Marke „Rosenthal Studio-Linie“, die nur Produkte führen sollte, die von einer unabhängigen Jury als besonders avantgardistisch bewertet wurden.Im Lauf der Jahrzehnte arbeitete die Rosenthal AG mit mehr als 1.000 Künstlern zusammen und errang über 400 Designauszeichnungen. Der dänische Künstler Bjørn Wiinblad (*1918) liess 1957 seine ersten Arbeiten für Rosenthal in Selb-Plössberg umsetzen.Mit der Fertigstellung des Werkes „Rosenthal am Rothbühl“ (1967) wurde die Porzellanproduktion in Selb-Plössberg aufgegeben.