Porzellanfabrik Freureuth
Geschichte Fraureuth - Unermesslicher Holzreichtum
Mit ihrem unermesslichen Holzreichtum hatten die Thüringer die "Nase vorn" 1822 benötigten die Porzelliner für einen Brand von 120 Dutze Tassen acht Clafter Holz (24 Festmeter). Erst mit der allmählichen Einführung der effektiveren Kohlefeuerung verlor der Wald als Standardvorteil seine Bedeutung. Die Porzellanindustrie trat in der Mitte des 19. Jahrhunderts sozusagen aus dem Wald. Wer Kohle, Wasser und Erden nahe war, konnte mit ins Geschäft einsteigen. Der bis dahin übliche Manufakturbetrieb - oft weniger als 6 Arbeiter - verschwand zwar nach und nach von der Bildfläche, aber die Leute mit Spürnase bot die beginnende Industrielle Fertigung des Weissen Goldes ausserordentliche Gewinne. Einer dieser cleveren Männer mit Spürsinn und dem Mut zum Risiko war Georg Bruno Foedisch, am 9. Juli 1839 als Sohn eines Arztes in Crimmitschau geboren. Da der Vater kurz nach Brunos Geburt starb, wurde der Knabe von seiner Mutter im grosselterlichen Haus erzogen. Der Grossvater besass in Freyreuth eine Kämmerei und Wollhandlung, welche er, als seine Wollkämmerei beim grossen Stadtbrand 1802 in Greiz verloren ging, unter günstigen Voraussetzungen neu hatte aufbauen können. Sein Enkel Georg Bruno Foedisch begann nach Abschluss der Schulzeit auf dem Knabeninstitut zu Kloschwitz eine kaufmännische Lehre bei der Plauener Firma Schwer und Steinhäuser. Danach kehrte er ins grosselterliche Unternehmen zurück. Die Arbeit scheint in nicht gefallen zu haben, denn bald zog er weiter nach Glauchau und war acht Jahre in einer Stofffabrik tätig. Als er von einem Verwandten etwas über die verlockenden Möglichkeiten der Porzellanherstellung erfuhr, begab er sich nach dem böhmischen Klösterle und lies sich von böhmischen Porzellinern in die Geheimnisse der Porzellanherstellung einführen. 1865 kehrte er nach Fraureuth zurück und begann die alte Wollkämmerei in eine Porzellanmanufaktur umzuwandeln. Gründete mit seinem Vetter Arved von Römer, einem Rittergutsbesitzer aus dem nahen Unterpleis, die Porzellanfabrik von Römer und Foedisch Fraureuth. Und begann, nachdem böhmische Arbeiter die Einheimischen angelernt hatten, 1867 mit 60 Arbeitern und zwei Öfen die Produktion. Als Warenstempel wählten die beiden ein unauffälliges, schlichtes lateinisches F im Kreis.
Dieses lässt vermuten, dass ein relativ grosser, ungesättigter Markt bereit war, alle Porzellane sofort aufzunehmen. Ob mit oder ohne Stempel, Hauptsache, die Ware war aus Porzellan. Erst etwa um die Jahrhundertwende wurde das Warenzeichen ein wichtiges Gütezeichen. Der überwiegende Teil der Käufer fragte nun nicht mehr: Ist es aus Porzellan?, sondern: Von wem ist das Porzellan?. Im Laufe der 60 jährigen Firmengeschichte hat sich mehrfach das Markenzeichen geändert. Da Porzellan, ähnlich wie Papier, ein recht geduldiges Material ist, stempelten die Fraureuther zeitweise ziemlich verwunderliche Erkenntnisse auf ihre Geschirre. So nach dem I. Weltkrieg, als der Stempel Fraureuth plötzlich den Zusatz Saxony erhielt, was ja nicht stimmte, denn nach der Auflösung der reussischen Staaten gehörte der Ort weiter zu Greiz und damit zu Thüringen. Alteingesessene Fraureuther haben sich darüber schwarz geärgert, und noch heute, wo aus praktischen Erwägungen Fraureuth den sächsischen Kreise Werdau zugeschlagen worden ist, weissen sie geradezu flehentlich auf die schreiende Ungerechtigkeit hin, die aus uralten Reussen plötzlich Neusachsen werden lies. Da dem Tüchtigen bekanntlich das Glück gehört, gedieh die Firma zunächst prächtig. Ständig wurde die Fabrik vergrössert, so dass sie schliesslich die stattliche Fläche von 8,5 ha bedeckte. Die Materialien bezog man aus Böhmen, die Kohle lag vor der Tür im Zwickauer Revier. Aus lokalen Anfängen heraus entwickelte sich der Absatz der Erzeugnisse schliesslich weltweit. Musterlager in Wien, Berlin, Hamburg, London, Vertreter hier wie in Paris und Mailand unterstützten Vertrieb und Verkauf. Das eigene Musterlager in Berlin-Kreuzberg SW 47, Ritterstrasse 72 z.B. bestand mehrere Jahrzehnte. Zeitweise waren Fraureuth und die bayerische Firma Edelstein die einzigen Porzellanhersteller überhaupt, welche in der Metropole des Reiches solche modernen Verkaufsmethoden praktizierten. Er Erfolg gab Fraureuth recht!
Eingliederung der Wallendorfer Porzellanfabrik
Heute über 60 Jahre nach dem Ende der Porzellanfertigung, ist Fraueuth in Berlin immernoch ein Begriff, und der Vorrat an Porzellan mit dem PF unter dem Fürstenhut ist schier unerschöpflich. In diesem Zusammenhang ist eine Beobachtung bemerkenswert, die man beim Durchblättern alter und neuer Lexika machen kann: Fehlten das Stichwort Fraureuth und der Hinweis Porzellanindustrie früher nie, so ist Fraureuth mit dem Untergang seiner berühmten Fabrik bald aus allen Nachschlagewerken verschwunden. Die Fraureuther holten sich zunächst ihre Arkanisten aus Bayern und der K. u. K. Monarchie Böhmen. Der später am Greizer Markt ansässige Porzellanmaler Leopold Petschauer kam von dort. Er und sein Sohn Adolf bemalten jahrein, jahraus Weissporzellan aus Fraureuth und drückten stolz und gewissenhaft ihren ovalen roten Stempel L. Petschauer Greiz i.V. Porzellanmalerei neben das olivgrüne Spiegelmonogramm der Fraureuther. Als Fraureuth allerdings 1919 die Manufaktur Wallendorf erwarb, hörten diese Aufträge auf. 1868 heiratete Bruno Georg Feodisch die 24jährige Anna Melitta Thomas aus Glauchau. Sie gebar zwei Kinder - Frieda und Georg - die im frühesten Kindesalter starben. Während Bruno Georg Foedisch schon frühzeitig (6.April 1885) verstarb, überlebte ihn seine Witwe um fast 56 Jahre (19. 2.1941 - fast 100 Jahre alt).
Den Vorstellungen der Zeit entsprechend bauten die Foedisch direkt neben der Fabrik eine schlichte, gediegene Villa, in der sich heute das Amt des Bürgermeisters befindet. Das Haus schmückte Zierporzelllan aus eigener Produktion. Ausserdem liess sich Foedisch einen gewaltigen Heizofen aus dunkelbraunen Porzellan in sein Herrenzimmer setzen. Es dürfte nicht nur der grösste Fraureuther - es wird damals wohl auch der grösste Porzellankörper der Welt gewesen sein - da der über 75 m höhere Porzellanturm in Peking 1862 endgültig abgerissen worden war. Im Laufe der Zeit wandelte sich Fraureuth. Die Porzellanfabrik wurde der Mittelpunkt des Ortes. Die meisten Familien ernährte nicht mehr die Weberei, sondern die Porzellanfabrik. Bald fand man Porzelliner in Werdau, Reudnitz, ja selbst aus Schönfeld kamen die Arbeiter bei Wind und Wetter zu Fuss! Die Anlagen wurden vergrössert, zunächst auf neun später auf zwölf mächtige Rundöfen, die die Gegend gewaltig verqualmten. In den Jahren von 1880 bis 1885 erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten auf 600. Welchen hervorragenden Ruf die Geschirrmacher aus dem Reussenlande schon nach wenigen Jahren genossen, belegt eine geradezu überschwengliche Betrachtung in der deutschen Keramikzeitschrift. Am 8. November 1888 schreibt der Mitherausgeber des in Coburg verlegten Sprechsaals, Alexander Schmidt, anlässlich der Deutschen Kunstgewerbeausstellung in München: "In einem geräumigen, anmutig geschmückten, einladenen Cabinet haben von Römer & Foedisch in Fraureuth reiche Sortimente ihres schönes Porzellans ausgestellt. und geben mit denselben das volle Bild ihrer bedeutenden und weit bekannten Leistungsfähigkeit". Die Firma war natürlich von der Qualität ihrer Produkte überzeugt und konnte stolz auf manche offizielle Anerkennung wie z.B. den ersten Preiss auf der Weltausstellung 1879 in Sydney hinweisen. Um die Jahrhundertwende ging die deutsche Kunstszene gegenüber Thüringer Porzellan auf Distanz.
Thüringer Porzellanindustrie und ihr Ruf
1911 erschien in der renomierten Münchner Zeitschrift Dekorative Kunst ein Artikel, worin festgestellt wird: "Die Thüringer Porzellanindustrie geniesst im allgemeinen keinen guten Ruf. Sie ist die Heimat der billigsten und schlechtesten Massenfabrikation und der skrubellosesten, minderwertigsten Nachahmung guter Vorbilder der grossen staatlichen Manufakturen". Die Kritiker zeigten den Thüringern die kalte Schulter. Porzellan, meinten sie, mache Meissen, Berlin, Nymphenburg, Fürstenberg, Höchst; die Porzellanbrenner zwischen Werra und Saale seien allenfalls in der Lage, gute Erzeugnisse schlecht zu kopieren. 1909 richtete Prof. Gustav E. Pazaurek im Landesgewerbemuseum in Stuttgart eine ständige Sonderausstellung Geschmacksverirrungen im Kunstgewerbe ein, in der dem Besucher viele Plagiate der bösen Thüringer gezeigt wurden. Geholfen hats der Konkurrenz nicht. Thüringer Porzellan war und blieb ein Renner. Die Käufer dachten eben anders als die Kunstpäpste. Produktion und Umsätze stiegen von Jahr zu Jahr. Natürlich auch die Selbstkosten. Wie zum Beispiel die für den Transport, dem grossen Kostenfaktor dieser Industrie. Kaolin, Quarz und Feldspat, Kohle, Betriebsmittel und nicht zuletzt die fertigen Erzeugnisse mussten in grossen Mengen befördert werden. Die Jahresproduktion eines Ofen erforderte einen Eingangsverkehr an Roh- und Hilfsstoffen von über 100 Waggons. Für den Ausgangsverkehr waren dann nochmal mindestens 20 Waggons nötig. Nur in Fraureuth lag keine Eisenbahnschiene! Die Sächsische Staatsbahn fuhr bei Werdau am Ort vorbei. Trotz aller Bemühungen um einen Gleisanschluss blieb es beim Pferdetransport von und zur Bahnstation Werdau. Die Werdauer Spediteure Volkmarshausen und Gebr. Bauer besorgten die Arbeit mit zeitweise zwölf Gespannen. Als B. Foedisch 1885 starb, sein verbissener Kampf um einen Eisenbahnanschluss soll angegeblich kurz vor dem Erfolg gestanden haben, war sein Haus gut bestellt. Betroffen vom frühem Tod ihres Chefs widmete ihm seine Belegschaft einen in Stein gemeisselten Nachruf, der noch heute auf dem verwahrlostem Grabmal der Familie Foedisch auf dem Fraureuther Friedhof zu lesen ist: Die prosperierende Porzellanfabrik wurde auch nach dem Tode Foedischs weiter vergrössert. Um den finanziellen Unterbau zu stärken und das private Risiko zu verkleinern, wandelten die Witwe Foedisch und v. Römer 1891 die Fabrik in eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 1,7 Mill. Mark um. Von Römer standt dem Aufsichtsrat vor, alleiniger Direktor wurde M. Ludloff. Zu Revisoren wurden die Greizer Kaufleute Carl Henicke und Nicolaus Fries ernannt. 1893 wurde der Greiz-Schönfelder Rittergutsbesitzer Hans v. Kommerstädt Hauptaktionär. Von Römer und Foedisch, Porzellanfabrik Fraureuth Sitz einer der grössten Porzellanfabriken Deutschlands: 29 Gebäude, 9 mächtige Brennöfen mit Steinkohlenfeuer. Meissner Zwiebelmuster wird gepflegt; 200 Arbeiter bemalen Porzellan. 18 Muffelöfen und 3 Zugschmelzen besorgen das Einbrennen; Gebrauchsgeschirr allein an Tassen fast 200 Nummern, mehr als 8000 Dekorvorlagen im Musterbuch, Rokoko. Die Arbeit in der Fabrik - grundsätzlich Akkord - war hart. Der ständige Wechsel von Hitze und Kälte, Zugluft, Wasser, Staub, Bewältigung des umfangreichen Transports, Heben und Senken fast ohne technische Hilfsmittel verlangten den ganzen Menschen. Viele Porzelliner litten an Auszehrung, Schwindsucht, Tuberkulose. Nicht wenige wurden frühzeitig dahingerafft. Tatsächlich war sich die Firmenleitung bewusst ihrer sozialen Verantwortung. So wurde 1911 26 Wochen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen gestreikt.
Generaldirektor Singer
1912/13 geriet die A.G. in leichte Turbulenzen. Eine durchgreifende technische Reorganistation brachte aber bereits im folgendem Jahr wieder schwarze Zahlen. 1913 starb Hans von Kommerstädt, der Freiherr aus Greiz-Schönfeld. Seine Aktien hatten inzwischen Berliner Kaufleute erworben. 1914 dann das Schicksalsjahr. Nicht nur weltgeschichtlich, sondern auch für Fraureuth: Ereignisse mit fatalen unvorhersehbaren Folgen. Als am 28. Juni serbische Verschwörer in Sarajevo den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand ermordeten, kam es fast gleichzeitig in Fraureuth zu einem Revirement in der Führung des Unternehmens. Der Kaufmann Felix Singer Berlin wurde unter der Amtsbezeichnung Generaldirektor zum Vorstand bestellt und ermächtigt, die Gesellschaft allein zu vertreten. Die letzten noch lebenden Porzelliner Fraureuths werden noch heute fuchtig sobald der Name Singer fällt.
Der I. Weltkrieg und die wirtschaftlichen Folgen
Der erste Weltkrieg brachte die Fabrik keinen finanziellen Einbruch. Die Bilanz vom 31.12.1914 bemängelte zwar die seit Kriegsbeginn ganz bedeutend zurückgegangenen Umsätze, aber immerhin vermerkte sie auch 41.654 Mark Reingewinn. Zwei Jahre später hatten die Umsätze die höchsten Friedensziffern überschritten. Das Geschäft florierte, wahrscheinlich auch dank der vorzüglichen Berliner Verbindungen, wie nie. Zur Leipziger Herbstmesse 1916 brachte die Firma Neuheiten in Form, Farbe und Dekor heraus, die Kritiker als hervorragend schön bezeichneten. Im Juli 1917 offerierten die eifrigen Reussen den staunenden Deutschen Kriegsbutterdosen. Die waren nur ein viertel so gross wie die Friedensdosen. Eine vaterländische Parole, in Goldbuchstaben quer über das kleine Deckelchen gemalt, machte dem Butterfreund den Verlust an Inhalt schmackhaft. Formen und Dekore der Fraureuther mochten manchmal skurril erschienen sein, aber stets behielt die Firma den Grundsatz im Auge, dass Porzellan Freude machen soll. So fand Fraureuth zu seinem eigenen Stil, dem man Sachliche Verspieltheit nennen könnte. Tatsächlich erkennt der Fachmann mit ziemlicher Sicherheit Fraureuth, ohne vorher einen Blick auf das Herkunftszeichen zu werfen. Es ist interessant, dass gerade die Fraureuther Spätwerke zu den schönsten der 60jährigen Produktion gehören. Während des Krieges pinselten Fraureuther Maler natürlich martialisch dreinblickende Kaiser, Könige, stolze durch die Wolken ziehende Zeppeline, U-Boote in voller Fahrt auf Vasen und Teller. Ansonsten blieben sie aber ihrem bewährten Prinzip treu. Was sie fertigen, war praktisch schlicht und schön. Die Kundschaft war begeistert. Die Nachfrage stieg, mit ihr stiegen die Umsätze und der Gewinn. 1918 errichteten die Fraureuther in Dresden eine Kunstmalerei, der erste Kräfte für alle verschiedenen Zweige dieses Gebietes zur Verfügung stehen, wie in der Werbung behauptet wurde. Zur Leipziger Herbstmesse 1918 mussten die Hotels wohnenden Messbesucher infolge der Beschlagnahme der Hotelwäsche und des allgemeinen Mangels derselben die eigene Bettwäsche sowie die benötigten Handtücher von "derhemm" mitbringen. Mitte des 1919 übernahm Fraureuth die Wallendorfer Manufaktur; ein zwar sanierungsbedürftiges aber tradionsreiches Unternehmen, welches für seine Kaffee- und Teegeschirre nach Meissner Vorbild und die charmantnaiven figürlichen Plastiken bekannt war. Wallendorf angeschlossen war die Malerei in Lichte. Dieser Arrondierung folgte die Arbeitsteilung. Fortan wurde in Fraureuth hauptsächlich Gebrauchs- und Luxusgeschirr in reicher Auswahl und in allen Preislagen hergestellt. In der Fabrik für Kunst- und Luxusporzellane Wallendorf schufen Künstler wie Bildhauer Otto Richter, Carl Nacke, Hans Harders, Prof. Anton Grath und Hugo Becher interessante Plastiken. Vasen und Dosen in Auf- und Unterglasurmalerei entwarfen nach Dekorentwürfen Kunstgewerbler wie Hermann Kliffmüller, Hilde Henkel, Lotte Lass, Hella Model, Elsa Krebs; dazu figürliche Lampenfüsse und Lampenvasen. Die Malerei Lichte fertigte sog. Galeriekopien auf gerahmte Platten, Dosen und Sammelteller. Dazu kamen ausschliesslich handgemalte Tafel-, Kaffee-, Frühstücks-, Geflügel- und Wildservice mit antiken und modernen Dekoren. Hergestellt wurden auch Tafelgeschirr mit einzelnen Früchten, Fruchtstillleben, feine Moccatassenserien in Fond und in Kobalt mit Reliefs, figürlichen Bildern, dazu Ziergegenstände mit Blumenmalereien in Alt-Meissner- und Alt Wiener Genre, mit Watteau Szenen oder Boucherbildern aus der Kunstabteilung Pragerstrasse 46 in Dresden. Ein wahrlich beindruckendes Angebot. Da mochte sich auch der berühmte Paul Linke wie viele seiner Zeitgenossen der allgemeinen Fraureuth Begeisterung nicht entziehen. In dankbarer Erinnerung an eine zierlich-anmutige Tänzerin aus Fraureuther Porzellan komponierte er ein flottes kleines Instrumentalstück: Das Fraureuther-Porzellanpüppchen.
Wirtschaftliche Folgen aufgrund Kohlemangel
Am 12 August 1918 wiederholen sich in der Aufsichtsratssitzung des Verbandes Deutscher Geschirrfabriken Klagen über unerträglichen Kohlenmangel. In seiner Not empfiehlt der Verband seinen Mitgliedern sich irgendwelche Aufträge auf Kriegsware zu beschaffen, da dann allein einigermassen Kohle zu erlangen sei. Die wichtigste Möglichkeit der damaligen Lösung des Kohlenproblems, Herstellung von Kriegsgerät in Form von chemo- und elektrotechnischem Porzellan, sollte nicht ohne schädliche Einwirkung auf die Industrie bleiben. Die allgemein einsetzende Propaganda für die Isolatorenherstellung (Stanzartikel) rief zahlreiche neue Betriebe auf den Plan, die sich zusammen mit vielen alten diesem Produktionszweig zuwandten. 1921 kam es aufgrund der vorprogrammierten Überproduktion zu einem katastrophalen Preissturz für Niederspannungs Isolatoren, in dessen Folge der Verband Deutscher elektrotechnischer Porzellanfabriken - in Wahrheit das Preiskartell - zusammenbrach. Daraufhin verlegten sich die Niederspannungsfabriken auf die Tassenquetscherei da ihnen nunmehr dieser Artikel der rentabelste zu sein schien. Die neuerlichen Überproduktion schlechter Tassen zu Schandpreisen erschwerte die Lage der alten Geschirrfabrikanten wie Fraureuth erheblich. Soziale Errungenschaften wie 8 Stunden Tag und notwendig gewordene Lohnerhöhungen steigerten die Produktionskosten ebenso wie die gestiegenen Preise für Zedtlitzer Kalolin, welches Fraureuth seit jeher verarbeitet hatte. Die böhmischen Schlämmereien versandten ab 1919 ihre Rechnungen in Kc, eine Währung, die sich gegenüber der Mark im Laufe des Jahres 1922 in eine Edelvaluta entwickelte. Während in Bayern und dem übrigen Süddeutschland eine Reihe neuer Kaolin Fundstellen entdeckt wurden, die wirtschaftlich den einheimischen Gewerken zugute kamen, war Fraureuth weiterhin der Kohle, aber nicht dem Kaolin nahe. Hinzu kamen die Kosten des anachronistischen Gütertransportes von und nach Werdau, die sich voll zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit auswirkten. Ein weiterer Schwachpunkt Fraureuther Firmenpolitik war die ungenügende, z.T. geradezu dilettantische Reklame.
Fraureuths wirtschaftlicher Bankrott
Auch die Inflation hatte für die Firma verheerende Folgen. Die Fraureuther Erzeugnisse waren in dieser Zeit der totalen Geldentwertung aufgrund ihrer sehr guten Qualität für den Inslandmarkt zu teuer. Das wichtige Inlandgeschäft brach zusammen, weil sich nur noch billige Massenware geringer Qualität verkaufen liess. Albert Näser, der letzte Lagerchef der Fraureuther meinte dazu lapidar: Geld konnten wir nur noch im Ausland holen. Nachdem 1922 noch 25 Millionen Mark in Wohnungsbau und 50 Millionen Mark in die neue Geschirrfabrik investiert worden waren, geht es 1923 bergab. Der Jahresabschluss ist tiefrot. 1 044 127 RM Verbindlichkeiten. In der Generalversammlung 1924 gerät Singer in die Schusslinie der Kritik. Mit dem Hinweis, er habe bei seiner kürzlichen Amerikareise das grösste Importunternehmen für seine Fabrikate gewonnen und eine Niederlassung der Porzellanfabrik Fraureuth in New York gegründet, kann er sich retten. Die Differenzen sind augeschoben nicht aufgehoben. Wie ein führerloses Schiff schlingert die schwer angeschlagene AG durch die schwere See eines mörderischen Konkurrenzkampfes. Die Kreditoren halten das Geld zurück; schon müssen aufgrund fehlender flüssiger Betriebsmittel grössere Aufträge abgelehnt werden. 1925, die deutsche Wirtschaft hat sich relativ gut von der Inflation erholt, legt Fraureuth die Tunnelöfen still. Mittlerweile hat das Unternehmen 510 000 RM Steuerschulden. Am 30. September 1925 scheidet Generaldirektor Singer aus dem Vorstand aus. Im Dezember zerschlagen alle Hoffnungen, dass Unternehmen durch Ausgabe neuer Aktien sanieren zu können. Im Januar 1926 wurde Konkurs angemeldet. Gerichtsvollzieher verteilten Kuckucks im Werksgelände. Zum 31. März 1926 wurde dem gesamten kaufmännischen und technischem Personal gekündigt. Fraureuth war Notstandsgebiet geworden. Über 300 Arbeiterfamilien sahen sich gezwungen, ihre alte Heimat zu verlassen. Viele wanderten nach Bayern ab. Über die AG wird die Geschäftsaufsicht durch Rechtsanwalt Leisewitz verhängt. Diverse Versuche, die Firma wieder flott zu machen, scheiterten. Am 26. Oktober 1926 berichtet der Sprechsaal: Die in grosser Notlage befindlichen Lohngläubiger erhielten zunächst 50% ihrer bevorrechtigten Forderungen. Als der frühere Generaldirektor Singer im Frühjahr 1927 Forderungen in Höhe von 150.000 RM im Wege der Klage geltend macht, ist sogar der Konkurs in Frage gestellt. 1927 wurden die letzten Lagerbestände verscherbelt. Die Konkursmasse war längst Spekulationsobjekt geworden. Fraureuth war auf dem Sprung zum Grosskonzern zusammengebrochen. Dem Greizer Konkursverwalter Rechtsanwalt Dr. Drahota oblag es, das Buch der Fraureuther Porzellanfabrik endgültig zu schliessen.
Literaturhinweise
Quellen: 1) Aus 250 Jahre Staatl. Porzellanmanufaktur Meissen 1960 2) Die Anfänge der Porzellanfabrikation auf dem Thüringer Walde, Dr. Wilhelm Stieda, 1902 3) Handbuch des Verbandes Deutscher Porzellangeschirrfabrikanten gmbH/ Ausgabe 1922.
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