Porzellanfabrik Epiag Ellbogen
Epiag - Erste böhmische Porzellan-Industrie-Akt.-Ges. Betriebsstätte Elbogen
Gegründet im Jahr 1815 durch die Brüder Eugen und Rudolf Haidinger aus Wien Schon im J. 1811 hatte die Mutter Josepha Haidinger Haus- und Grundbesitz in Elbogen erworben. Nach der ursprünglichen Planung vom Jahr 1811 sollte die EIbogener Fabrik ein Filialbetrieb der Wiener Porzellanmanufaktur werden. Doch durch die Verschlechterung der Lage der Wiener Fabrik und die noch unzulänglichen Verhältnisse der Elbogener Fabrik kam es nicht dazu. In ihrem Gesuch um Bewilligung der Errichtung einer Porzellan- und Steingutfabrik in Elbogen vom 20.6.1815 hoben sie als ihre vorzüglichsten Vorteile hervor: 1. Einsparung des bisher üblichen Brennmaterials durch möglichst allgemeine Einführung des Brennens teils mit rohen, teils mit abgeschwefelten Kohlen, 2. Schnelligkeit des Drehens durch Einführung einer neuen Drehmaschine und 3. Einführung des Kupferdrucks sowohl auf als auch unter der Glasur.
Am 13.7.1815 erteilte das Landesgubernium die erbetene Konzession. Am 11.7.1818 erhielten die Gebrüder Haidinger das förmliche Landesfabriksprivilegium. Die Fabrik nannte sich ""Gebrüder Haidinger, k.k. priv. Porzellanfabrik in Elbogen", aber auch "Wiener Porzellanund Steingutfabrik der Gebrüder Haidinger", bis den Gebrüdern Haidinger im J. 1823 diese letztere Bezeichnung verboten wurde. Während sie noch im J. 1817 von der Wiener Porzellanmanufaktur ein Darlehen von 5.000 fl. erhielten, wurden ab 1818 ihre weiteren Gesuche um Vorschüsse und um Vereinigung mit der Wiener Fabrik abgelehnt. Durch große Anstrengungen überstanden sie in ärmlichen Verhältnissen die nächsten Jahre ab 1818 und bauten ihre Fabrik zu einem bedeutenden Unternehmen aus, das seinen höchsten Stand in der Zeit erlangte, in der auch der Bruder Wilhelm sich an der Führung der Fabrik beteiligte. Mit den oft kostspieligen Neuerungen seiner Brüder war Rudolf Haidinger allerdings nicht einverstanden. Doch Wilhelm Haidinger erhielt im J. 1840 eine Berufung nach Wien, so daß Rudolf Haidinger sein Bestreben, die Fabrik möglichst gewinnbringend zu betreiben, verwirklichen konnte, was aber zu einem kunstgewerblichen Rückgang in der Erzeugung führte.
Außer den in ihrem Gesuch vom J. 1815 angeführten Neuerungen erfanden die Gebrüder Haidinger noch weitere Verbesserungen in der Porzellanerzeugung. So im 1. 1828 die Erzeugung von Porzellangegenständen durch Guß der Porzellanmasse in Gipsformen. Auf dieses Verfahren erhielten sie am 14.3.1829 ein Privilegium auf 5 Jahre. Es wurde bis 1830 nur bei kleinen Gegenständen, besonders Pfeifenköpfen, angewandt, ab 1831 bei den meisten Geschirren. Dann ersetzten sie die bisher üblichen Pochstempel durch Walzen, verbesserten das Trocknen der Masse durch Pressen und führten den blauen Druck unter der Glasur ein. Durch ihre Neuerungen wirkten die Gebrüder Haidinger anregend auf die übrigen Porzellanfabriken. Figuren erzeugten die Gebrüder Haidinger ziemlich spät. Ab 1828 einen primitiven S. Johann von Nepomuk, ab 1837 Figuren in Meißner Art, darunter einige recht hübsche. Um 1850 erzeugten sie noch 154 Figuren. Rudolf Haidinger, der gerne die Auflösung der Wiener Porzellanmanufaktur verhindert hätte, erwarb mehrere Formen bzw. Modelle dieser Manufaktur. Die damit erzeugten Gegenstände fanden guten Absatz, so daß noch "Springer & Co." um 1900 einen Preiskatalog "Altwiener Geschirre" verwendeten, in den auch die Elbogener Nachbildungen der 12 Apostel des Meißner Modelleurs Kändler, vermehrt um eine Christusfigur, aufgenommen wurden. Unter dem Direktor Johann Walenda wurden auch für Antiquitätenhändler einige Gegenstände mit der Wiener bzw. Meißner Marke erzeugt.
Ab 1867 besorgten Direktoren die Führung des Unternehmens. Unter den Direktoren Johann Walenda [1867-1886], Ludwig Pröscholdt [1887-1890] und Max Roesler [1890-1894] nahm das Unternehmen einen großen Aufschwung, besonders durch die Erzeugung von Luxusgegenständen aus Fayence ab 1884. Unter Direktor J. Walenda wurden auch Porzellanöfen mit blauem Unterglasurdruckdekor [Chinoiserieni hergestellt. 12) Unter dem Direktor Rudolf Wesely [1908-1921] erzeugte man die Spezialitäten "Meteor", "Aria" und "Asmanit'", unter dem Direktor Gustav Lentner [1922-1939] Elfenbeinporzellan und "Rosee"'.
Seit 1984 besitzt die Fabrik eines der modernsten Porzellanfabriksgebäude, spezialisiert auf die Erzeugung von Kaffeetöpfen.
Besitzer:
1815- Eugen und Rudolf Haidinger, 1830- Eugen, Rudolf und Wilhelm Haidinger, 1840- Eugen und Rudolf Haidinger, 1861 Rudolf d.Ä. und Rudolf d.J. Haidinger, 1866- Rudolf Haidinger d.J., ab 1867 Rudolf Ritter von Haidinger, 1873- Erste EIbogner Porzellan- und Kohlen-Industrie Aktiengesellschaft in Wien, 1875- Elbogner Porzellan- und Kohlenindustrie Gesellschaft von Springer und Oppenheimer [am 2.3.1884 trat Ludwig Ritter von Oppenheimer aus dieser Gesellschaft aus], 1885- K.k. priv. Porzellanfabri Springer & Co. [von den Brüdern Hermann, Gustav und Alfred von Springer blie nur Gustav von Springer, ab 1.1.1904 war Ludwig Pröscholdt Mitbesitzerj, 1917 K.k. priv. Porzellanfabrik Ludwig Pröscholdt [am 13.9.1917 trat Gustav Freiher von Springer aus der Firma "Springer & Co." aus. Sein Anteil wurde ihm ausbe zahlt und hatte zu dem Anteil der Internationalen Handelsbank in österreich keine Beziehung. Für ihn trat die "Internationale Handelsbank in österreich,' mit 500.000 K ein. Für diese Kommanditgesellschaft war Ludwig Pröscholdt vertretungsbefugtl, 1918 - Oepiag österreichische Porzellan-Industrie-A.G. in Karlsbad (Besitzrecht ab 1.1.1918), umgenannt ab 1.7.1920 Epiag [Erste (böhmische) Porzellan-Industrie-A.G.] bis 1945.
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