Porzellanfabrik Carl Tuppack
Schlesische Porzellan- und Steingut Manufaktur 1872-1885
Im August 1872 wurde die Schlesische Porzellan- und Steingut Manufaktur als Aktiengesellschaft in Tiefenfurt gegründet. Die Aktiengesellschaft übernahm die ehemalige Fabrik von F.N. Matthiesen und wurde mit einem Aktienkapital in Höhe von 300.000 Talern bzw. 600.000 ausgestattet. Im Jahre 1873 belief sich der Umsatz auf 71973 Taler. Dekoriertes Porzellan- und Luxusartikel wurden in der Fabrik hergestellt. Steingut wurde in die Provinz Posen, in die Ost- und Nordseehäfen und nach Ungarn geliefert. Durch Neubauten und die Anschaffung von Maschinen in den Jahren 1872 bis 1874 verdoppelte die AG in etwa ihre Kapazitäten und verbesserte dadurch auch die Qualität ihrer Fabrikate.
Schlesische Porzellanfabrik Louis Lövinson 1885-1891
In der vor dem Konkurs gegangenen Schlesischen Porzellan- und Steingut Manufaktur durfte Louis Lövinson 1885 die Hauptfabrik in Tiefenfurt übernehmen. Als Geschäftsführer fungierte Paul Donath. Eine eigene Malerei gehörte ebenfalls zu der Porzellanfabrik. Etwa 120 Mitarbeiter fertigten damals Gebrauchs- und Luxusgeschirre. Als Spezialitäten gehörten neben Porzellanblumen auch Rokokogeschirre. Mitte 1891 ging die Schlesische Porzellanfabrik Louis Lövinson durch Vertrag auf den Kaufmann Paul Donath über.
Schlesische Porzellanfabrik Paul Donath 1891-1909
Seit 1891 führte der damalige Geschäftsführer und jetzt Firmeninhaber Paul Donath die neue Firma unter den Namen Schlesische Porzellanfabrik Paul Donath weiter. Am 18. Juli 1891 meldete P. Donath für seine Firma beim Königlichen Amtsgericht Bunzlau eine Fabrikmarke an, die dort bereits 1886 für den Vorbesitzer eingetragen worden war und im Oktober 1891 nun auch für die neue Firma eingetragen wurde.
Diese Eintragung führte zu einem Markenschutzprozess zwischen der Königlichen Porzellanmanufaktur Meissen und der Schlesischen Porzellanfabrik. In der nachfolgenden Zeit mussten sich drei Landgerichte und das Reichsgericht in Leipzig mehrmals mit dem Rechtstreit befassen. Der Schwerpunkt in der Produktion der Porzellanfabrik von Paul Donath lag bei der Herstellung hochtransparenter Luxus- und Gebrauchsgeschirre. Die Spezialität waren Exportartikel für England, Amerika, Russland und Schweden.
Schlesische Porzellanfabrik Paul Donath GmbH 1909-1920
Im Jahre 1909 bis 1920 firmierte die Schlesische Porzellanfabrik Paul Donath in eine GmbH. Geschäftsführer wurde Ernst Wilhelm Fischer und etwa seit 1916 unter dem Geschäftsführer K. Tuppack arbeiteten ungefähr 150 Mitarbeiter an drei Brennöfen, drei Muffelöfen, in der Malerei, der Druckerei und der neueren Aerographenanlage.Nach dem ersten Weltkrieg übernahm Carl Hans Tuppack die Porzellanfabrik.
Porzellanfabrik Carl Hans Tuppack in Tiefenfurt 1920-1931
Die Fabrik geht zurück auf eine im Jahre 1808 in den Räumen einer alten Töfperei von dem Holsteiner Johann Heinrich Nikolai Matthiesen gegründete Steingutfabrik auf der östlichen Seite des Hammerbaches. 1865 wurde sie von seinem Sohn Friedrich Nikolai auf die Produktion von Porzellan erweitert. 1872 ging der Betrieb an die Schlesische Porzellan- und Steingut-Manufaktur, Aktiengesellschaft, die nach anfänglichen Erfolgen 1885 in Konkurs ging. Die Tiefenfurter Hauptfabrik wurde wohl von Louis Lövinson erworben und um eine eigene Malerei erweitert. 1891 ging sie an seinen Geschäftsführer Paul Georg Alfred Donath (1855-1901) über und erhielt den neuen Namen Schlesische Porzellanfabrik P. Donath. Nach seinem Tode wurde die Fabrik von seinen Erben zunächst weitergeführt und 1909 an die neugegründete Schlesische Porzellanfabrik P. Donath G.m.b.H verkauft. Sie bestand bis etwa 1920.
Dann wurde sie von ihrem Geschäftsführer Carl Hans Tuppack, der seit 1916 in der Firma arbeitete, übernommen und unter seinen Namen als Porzellanfabrik C.H. Tuppack weitergeführt. Trotz einiger Rückschläge in den schweren Jahren der Weltwirtsschaftskrise baute Tuppack die Porzellanfabrik, die 1931 in eine GmbH umgewandelt wurde, zu einem Unternehmen mit weit über 200 Arbeitern und Musterlagern im In- und Ausland (Dresden, Nürnberg, Köln und Königsberg) aus.
Zu den bekanntesten Produkten dieser Fabrik gehörte Geschirr mit dem Umdruckdekor China Blau, der seit den zwanziger Jahren produziert wurde. Ergänzt wurde es durch Geschirr in China Grün und China Rot sowie China Lila. neben Gebrauchsporzellan aller Art wurden hier auch Tierfiguren hergestellt, für die Tuppack einzelne Modelleure anwarb. Besonders Pferde erfreuten sich grosser Beliebtheit - vielleicht, weil die Fabrik neben Werkswohnungen und einer Gärtnerei, deren Treibhäuser die Abwärme der Fabrik nutzten, auch das nahegelegene Gut Charlottenhof mit einem Gestüt betrieb.
Die Fabrik arbeitete bis 1945 und wurde nach dem Krieg demoniert. Zu Beginn der neunziger Jahre wurde einer der ehemals fünf Brennöfen der Fabrik wieder in Betrieb genommen. In ihm wird heute aber Porzellit gebrannt, das dem Steinzeug ähnlich ist. In der Regel wird das Markenzeichen dieser Firma von einem bekrönten S zwischen den Worten Tuppack und Tiefenfurt beherrscht. Das S taucht erstmalig in der Marke von 1886 in Verbindung mit zwei gekreuzten Degen auf und soll auf die Herkunft Schlesien/Silesia hinweisen. Die Marke wurde jedoch von Meissen wegen möglicher Verwechslungsgefahr mit der Schwertermarke beanstandet und seit 1900 nicht mehr verwendet. Die Firma P. Donath ersetzte sie 1897 durch das gekrönte S, bevor sie sich 1910 für einen Greifen über ihren Namenszug entschied. Tuppack lies die S-Marke in verschiedenen Variationen wieder aufleben. Daneben wählte er für seine China-Dekore ab 1927 auch orientalische Motive.
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