Ostermayr Nuernberg 1925
Bedeutsame Gedenktage im Hause L. Ostermayr Nürnberg
Das Ostmayrsche Dreigiebelhaus in der Königstrasse in Nürnberg ist in jenen Tagen mit festlichen Waldesgrün geschmückt. Vor 109 Jahren, am 15. November 1900, wurde der stattliche Neubau feierlich eröffnet. Professor Pfann - München, ein geborener Nürnberger, hatte die Pläne erdacht. Gleichzeitig sind 105 Jahre verflossen, dass die Firma Ostermayr zum ersten Male in Nürnberg genannt wurde. Von einer Feier des 100jährigen Jubiläums im Jahre 1920 wurde wegen der damaligen Zeitverhältnisse Abstand genommen.
Eine Fülle rastloser, zielbewusster Arbeit, Vergrösserungen und Erweiterungen nach der räumlichen und kaufmännischen Seite schliessen diese Zahlen in sich. Vor uns liegt ein altes, vergilbtes, mit Stockflecken bedecktes Zeitungsblättchen in dem überaus bescheiden Ausmass von 24 zu 19 Zentimetern, es ist der damalige mit Sr. Kgl. Majestät allergnädigstem Privilegium erschienene Friedens- und Kriegskurier vom 30. Juli 1840, der später in dem Fränkischem Kurier aufgegangen ist. Es ist gar kurzweilig und drollig darin zu blättern und zu lesen, welche Fremde z.B. damals in Nürnberg mit der Postkutsche angekommen und im Rothen Ross, im weissen Löw, im Strauss, im Berliner Hof und im Mondschein abgestiegen sind, oder zu erfahren, dass der berühmte Mimiker und Bauchredner Schreiber und seine Söhne aus Wien angekommen sind und sich in der Neumüllerschen Bierwirtschaft unterm Lauferschlagturm produzieren werden, oder aber Kenntnis zu nehmen von der Anzeige des Gastgebers zum Goldenen Anker, der das hiesige und auswärtige Publikum zum Thomastagsball einladet, allwo das Entre 48 Kreuzer kostet und nur die Herrn bezahlen müssen. Die letzte Seite dieses Blättchens enthält folgende Anzeige:
Bei Gelegenheit meines Umzuges aus L Nr. 9 der Bankgasse in das wenig davon entfernt erkaufte Haus L Nr. 45, ganz nahe an der Lorenzkirche, fühle ich mich verpflichtet, mich meiner verehrlichen, jetzigen Nachbarschaft hochachtungsvoll zu empfehlen und der nunmehr verlassenen, in deren Mitte ich 21 Jahre hindurch in ununterbrochener Einigkeit und Ruhe verlebte, für die vielen Beweise von Wohlwollen zu danken und um Fortsetzung gleicher Gesinnung höflichst zu bitten. Meine werthen Geschäftsfreunde, welchen ich durch diese Veränderung vielleicht etwas entfernt sein könnte, bitte ich sehr, sich die etwas grössere Mühe nicht verdriessen zu lassen, indem ich mich dankend dafür bezeigen werde, sowie ich mich auch dem hochverehrten Publikum bestens empfehle und das mir zu schenkende Zutrauen durch Billigkeit und gute Arbeit zu verdienen suchen werde.Dero gehorsamster ergebenster Johann Ostermayr, Glaser und Glashändler, nebst Gattin L Nr. 45 an der LorenzkircheAn der Museumsbrücke in Nürnberg hatte Ostermayr im Jahre 1820 seine erste Niederlassung gegründet; von dort verlegte er sein Geschäft nach Lorenzerplatz 15, wo nach und nach die Häuser Nr. 9, 11 und 13 dazugekauft wurden. Es waren für die damaligen Zeiten schon sehr stattliche Verkaufsräume, die durch Umbau und Zusammenfassung der Häuser geschaffen werden konnten. Mit einem Fleisse und einer Emsigkeit sondersgleichen wurde durch Herrn Ostermayr sen. und seine Gattin schon damals der Grundstock zu dem späteren, grossen Unternehmen gelegt. Schon damals kamen Kunden aus allen Herren Länder, Könige und Fürsten besuchten die reich ausgestatteten Verkaufsräume. Aber auch hier wurde es zu eng. Neue Kraft und frohgemuter Unternehmergeist drängte zu neuen Taten. Es entstand unter der Initiative der Herren Hans und Julius Ostermayr das Dreigiebelhaus in der Königsstrasse, dessen Eröffnung zu aller Freude noch Herr Ostermayr senior miterleben durfte. Es füllte sich bald mit den edelsten Erzeugnissen des Kunstgewerbes und mit all den tausend notwendigen und praktischen Gegenständen für Küche und Haus. Zartgetönte Kunstporzellane, aparte Beleuchtungskörper, herrlich patinierte kunstvolle Bronzen, glitzernde Kristallgefässe, irisierende Kunstgläser, eigenartiger Schmuck, feine Leder- und Stahlwaren wechselten ab mit den mannigfaltigsten Erzeugnissen für den praktischen Gebrauch. Eine Heerschau über alle Kunstrichtungen des In- und Auslandes war dem Besucher geboten.
Der I. Weltkrieg brachte dem Hause einen schweren unersetzlichen Verlust. Am 28. Oktober 1915 starb Hans Ostermayr, nachdem er seit Kriegsbeginn als Hauptmann d. R. und zuletzt Bataillonsführer an den Kampffronten gestanden hatte. Julius Ostermayr wurde nun Alleininhaber der Firma und führte mit starker Hand die Zügel des weitausgedehnten Unternehmens. Durch mustergültige Organisation, besonders auch im Verkehr mit seinen Lieferanten, die fast alle dem Hause freundschaftlich verbunden sind, durch Umstellungen und umfangreiche Ergänzungen hat er die Firma zur heutigen Höhe geführt. Möchte den altangesehene Haus den einhundertfünf Jahren seines Bestandes noch recht viele glückliche und segensreiche Jahre zugesellen!
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