Jakob Julius Scharvogel
Jakob Julius Scharvogel und die Grossherzogliche Keramische Manufaktur in Darmstadt
Das Unternehmen, dass so eng mit der Persönlichkeit Jacob Scharvogels verknüpft war, wurde bereits im Winter des Jahres 1904 gegründet. Die Produktion konnte nach Fertigstellung des Manufakturgebäudes im Frühjahr 1906 aufgenommen werden.
Scharvogel leitet als Mitinhaber die Firma, er muss sich jedoch verpflichten, bei einem Ausscheiden aus der Firma während drei Jahren nach seinem Ausscheiden innerhalb des Deutschen Reiches ein Konkurrenzunternehmen weder zu gründen noch an einen solchen Teil zu nehmen noch in die Dienste eines solchen zu treten.
Dem Unternehmen war offentsichtlich nur geringer wirtschaftlicher Erfolg beschieden, obgleich die Scharffeuer-Fliesen Scharvogels und die Terracotten, z. T. nach Entwürfen von Künstlern der Darmstädter Künstlerkolonie wie der Werkkunstschule in Offenbach, bei der Hessischen Landesausstellung 1908 in Darmstadt grosse Zustimmung fanden.
Der geschäftliche Misserfolg führt denn auch in den Jahren 1911/12 zu Verstimmungen zwischen Scharvogel und der Grossherzoglichen Verwaltung. Am 22. September 1913 bittet Scharvogel - aus gesundheitlichen Gründen - um seine Entlassung. Dieser Bitte wird am darauffolgenden Tage entsprochen. Bereits am 1. Oktober 1913 wird die Manufaktur an die Grossherzogliche Majolika Manufaktur in Karlsruhe verpachtet, der Pachtvertrag jedoch schon im Juni 1914 wieder aufgehoben.
Über die Tätigkeit der Manufaktur zwischen 1914 und 1924 ist nichts bekannt. Im Februrar 1923 befindet sich die Manufaktur im Besitz der Ältesten Volksstedter Porzellanfabrik AG, 1924 wird sie an die Max Roessler Feinsteingutfabrik AG, Rodach bei Coburg, veräussert. Das Produktionsprogrammm umfasst Hartsteingut als Gebrauchs- und Zierware. 1931 werden wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Öfen abgetragen und der Betrieb eingestellt.
Das Produktionsprogramm umfasste während der Wirkenszeit Scharvogels, der künstlerisch bedeutenden Epoche, vorwiegend Terracotten als Baukeramik und farbig glasierte Steinzeugfliesen (Scharffeuer-Fliesen), die z. B. in den verschiedenen Badehäusern Bad Nauheims, in den Empfangsräumen für den Grossherzog im Hauptbahnhof in Darmstadt (heute die Räume der Bahnhofsmission) oder in der Eingangshalle des jetzigen Studentenheims An den Hirschköpfen, Darmstadt, Dieburger Strasse, Verwendung fanden.
Daneben hielt Scharvogel durchaus die Produktion von Kunstkeramiken aufrecht: zahlreiche mit an japanischen Überlaufglasuren oder chinessische Emails erinnernde Ziergefässe sind erhalten geblieben, die das Scharvogelsche Signet und das der Grossherzoglichen Keramischen Manufaktur ausweisen.
Das ständige Suchen nach neuen Glasurmöglichkeiten und Farben findet seinen Niederschlag in der Vielfalt der Fliessenmuster, ermessen lässt es sich an den mehrfach erhaltenen Gefässen mit Glasurproben.
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