Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Hutschenreuther Kunstabteilung geschlossen

Rosenthal | Dreizehn Mitarbeiter warten auf ihre Kündigung. Die bereits gefertigte Weißware wird in Sonderaktionen verkauft.

Von Silke Meier

Sehr viel handwerkliches Können und Erfahrung sind nötig, um die filigranen Kunstobjekte herzustellen. Zum 31. Mai wurde die traditionsreiche Kunstabteilung geschlossen. Selb - Der Schock sitzt tief. Über neunzig Jahre bestand die Hutschenreuther-Kunstabteilung, die im Jahr 2000 von der Rosenthal AG übernommen wurde. Zum 31. Mai wurde sie geschlossen. Betroffen sind 13 Mitarbeiter. Mit der Schließung geht zumindest in Selb eine langjährige Tradition zu Ende.

Viele der traditionsreichen und kunsthandwerklich äußerst fein gearbeiteten Figuren waren von namhaften Künstlern und Modelleuren entworfen worden. Die Porzellanfiguren zählten zu den Klassikern der Porzellankunst und hatten einst Liebhaber in der ganzen Welt.

In der heutigen Zeit ist das anders. Lediglich in Japan und unter einzelnen Sammlern fanden die zerbrechlichen Objekte noch Absatz. Und das reichte eben nicht, um die Abteilung weiterhin zu betreiben, erklärt die Pressesprecherin der Rosenthal AG, Sabine Schrenk, gegenüber dem Selber Tagblatt.

"Nach der Insolvenz wurde die Abteilung auf den Prüfstand gestellt, und es gab keine andere Möglichkeit als die Schließung", bedauert Schrenk. Einige Mitarbeiter hofften darauf, in Speichersdorf weiterbeschäftigt zu werden. Doch auch daraus wurde nichts. Die Entscheidung sei tragisch, darüber sei man sich durchaus bewusst, so Schrenk. Nur, der massive Verlust war nicht mehr auszugleichen. Auch nicht im Hinblick auf die 900 Mitarbeiter, die bei Rosenthal verbleiben werden.

Die verbliebenen Mitarbeiter in der Kunstabteilung warten nun auf ihre Kündigungen, die ihnen fristgerecht zugehen werden. "Hätte es eine andere Lösung gegeben, sie wäre genutzt worden", sagt Sabine Schrenk. Es gab einfach keine Firma oder Investor, der sich noch dafür interessierte.

Gegründet wurde die Kunstabteilung der Lorenz Hutschenreuther AG von Direktor Emil Mundel. Er kaufte erste Entwürfe vom damaligen Leiter der 1908 gegründeten Fachschule für Porzellankunst, Professor Fritz Klee. In der Nachkriegszeit waren es vor allem Hans Achtziger und Gunther R. Granget, deren Schaffenskraft eine Fülle von neuen Figuren entstehen ließ.

Für jede der Figuren - über 6000 sind in den vergangenen 90 Jahren entstanden - fertigte zunächst ein Porzellanbildhauer nach Skizzen ein Modell aus Plastilin. Daraus entwickelte der Modelleinrichter ein Gipsmodell, das in bis zu 600 einzelne, exakt abgießfähige und passgenaue Teile zerlegt wurde. Nur 25-mal konnte eine Arbeitsform verwendet werden, dann musste eine neue hergestellt werden.

Mit viel Geduld und handwerklich-künstlerischem Geschick wurden die Einzelteile verputzt, verarbeitet und schließlich zusammengesetzt. Vor dem Glühbrand mussten die Rohfiguren bis zu 16 Wochen erschütterungs- und zugluftfrei trocknen. Nach dem Brand dekorierte der Figurenmaler jedes einzelne Stück individuell nach Vorlage. Nach dem Brennen erst wurden die Bomsen und Stützen entfernt und die fehlerfreien Kunstwerke in Handarbeit geschliffen und poliert.

Modelleinrichter, Former, Formengießer und Maler sind Lehrberufe mit drei Jahren Ausbildungszeit. Hinzu kommen mindestens weitere sechs oder sieben Jahre Berufserfahrung, um die Figurenfertigung perfekt zu beherrschen.

Quelle: www.frankenpost.de