Geschichte der Porzellanstadt Selb
Pflicht ist, vorallem des Mannes zu gedenken, der die Porzellanindustrie in Selb gegruendet und damit den Anstoss gegeben hat, dass Selb von einem kleinen Weberstaedtchen zur Porzellanstadt von Weltruf geworden ist. Die Stadt in der Handweberei heimisch war, wurde 1856, vor 70 Jahren (Artikel 1926) also erst, von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht, der beinahe die ganze Stadt zum Opfer fiel. Not und Elend brachte diese Katastrophe ueber das Staedtchen. Da kam noch im Brandjahr aus dem nahen Hohenberg Lorenz Hutschenreuther der Sohn des Porzellanfabrikanten Carl Magnus Hutschenreuther, der seine Fabrik dort bereits 1814 begruendet hatte, nach Selb und rief hier die aelteste Selber Porzellanfabrik ins Leben. Mit 50 Arbeitern und einem Rundofen begann er das grosse Wagnis in dem damals noch von allem Verkehr abgelegenen Staedtchen, dessen naechste Bahnstation fuenf Wegstunden entfernt lag. Facharbeiter standen ihm nicht zur Verfuegung. Veranlassung zu seiner Ansiedlung war ihm die Naehe Boehmens, von wo er Leute und Rohmaterialien bekommen konnte, und die reichen Holzbestaende in der Umgegebung von Selb, die ihm das noetige Brennmaterial lieferten. Trotz aller Erschwernisse hat Lorenz Hutschenreuther die Fabrik selbst noch zum schnellen Aufschwung gebracht.
Die Porzellanstadt Selb blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurueck. Von der Zeit der Gruendung erzaehlen nur Sagen. Unbekannt ist, ob Germanen oder Sklaven die Ansiedler waren. Vielfach werden die Sklaven als Gruender Selbs bezeichnet, da sich angeblich auch der Ortsname Selb auf slavischen Ursprung zurueckzufuehren laesst. Die aeltesten noch erhaltenen Urkunden datieren aus dem 13. Jahrhundert. In dieser Zeit gehoerte Selb zum Egerland, stand also unter kaiserlicher Oberhoheit. Im Auftrage des Kaisers geboten die Voegte von Plauen ueber die Stadt Selb. Ob es Herren von Selb gegeben hat, konnte die Geschichte noch nicht ergruenden. Spaeter wurde das maechtige Geschlecht der Forster mit Selb belehnt. Diese waren von 1355 bis 1414 im Besitz von Selb.
Die staendigen Handel mit dem Marktgrafen von Nuernberg und der Stadt Eger beschworen langwierige Kaempfe herauf, in denen die Forster schliesslich des Lehens Selb verlustig gingen.Selb kam nun unter der Herrschaft des Fuerstentums Bayreuth. Ein adeliger Amtmann zog in Selb ein. Somit war im Fichtelgebirge ein sechstes Amt geschaffen, weshalb man die Bezeichnung Sechsaemterland waehlte. Die Namen der sechs aemter sind folgende: Wunsiedel, Hohenberg, Kirchenlamitz, Weissenstadt, Thierstein und Selb. In die Marktgrafenzeit faellt die Erhebung des Marktes Selb zur Stadt (1426) und die Einfuehrung der Reformation (1526). Die Marktgrafen bauten in Selb einen der drei vorhandenen Forsterschen Herrensitze zu einem praechtigen Jagdschloss aus. Von Kriegsnot und Elend blieb Selb nicht verschont. Die Hussiten zogen um 1430 durch unsere Gaue und verwuesteten auch das Staedchen Selb. Ihrem Raubzug fiel auch die alte Pfarrkirche zum Opfer. Dann kam der dreissigjaehrige Krieg, der unzaehligen Leiden ueber unsere Vorfahren brachte. Bald waren es Kaiserliche und Kroaten, bald Schweden, die sengend und pluendernd das Staedtchen durchzogen. Mehrere Ortschaften der Umgebung verschwanden vom Erdboden. Auch Selb wurde ziemlich entvoelkert.
Die Marktgrafenzeit dauerte bis 1792. In diesem Jahre kam Selb zum Koenigreich Preussen. 1806 okkupierten jedoch die Franzosen das Selber Gebiet. Die vier Jahre der franzoesischen Besetzung bildeten fuer unserer Vaeter eine qualvolle Zeit der Leiden. ueber 6000 Gulden musste das arme Staedtchen an Kriegsentschaedigung den Franzosen entrichten. Erst 1810 wurde es vom fremden Joche befreit und kam an die Krone Bayerns. Seit dieser Zeit ist Selb bayerisch.
In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts brach ueber Selb ein schweres Unglueck herein. Es war am 18. Maerz 1856, als um die Mittagsstunde ein riesiger Brand ausbrach, der binnen weniger Stunden fast das ganze Staedtchen in Schutt und Asche legte. ueber 600 Gebaeulichkeiten fielen der Feuersbrunst zum Opfer, fast 3000 Personen waren abdachlos. Der Wiederaufbau vollzog sich innerhalb weniger Jahre, wobei man aber keinen Wert auf Schmuck und Zier legen konnte, sondern ganz einfache und schlichte Buergerhaeuser erstellte. Deswegen entbehrt heute Selb der altertuemlichen und kunstvolle Baudenkmaeler.
Die Stadt Selb zählte im Jahre 1963 19.800 Einwohner. Sie liegt an der Eisenbahnlinie Hof - Selb - Marktredwitz mit direkter Verbindung nach Bayreuth und Schnabelwaid. Selb liegt in der Nordostecke Oberfrankens, 555 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, verkörpert den Mittelpunkt der bayerischen Porzellanindustrie und darf sich deshalb mit berechtigten Stolz als "die Stadt des Porzellans" bezeichnen. Sein Name ist im Verzeichnis der Postämter, Poststellen und Telegrafenstationen der Welt nur ein einziges Mal verzeichnet. Obwohl es auf Grund des Qualitätsporzellans das in ihm erzeugt und in alle Länder der Erde exportiert wird, Weltberühmtheit erlangt hat, fristet es, verkehrstechnisch bedingt durch seine geographische Lage, die sich seit 1945 infolge des Eisernen Vorhangs noch in erhöhten Masse zu seinem Nachteil ausgewirkt hat, eine Art Stiefmütterchendasein. Ein politisches Ereignis rückte die Stadt Selb schlagartig in das Licht der Weltöffentlichkeit.
Die Stadt Selb
Die Ankunft des Freiheitszuges aus der Tschechoslowakei auf dem Bahnhof Selb- Plössberg im Jahre 1951. Damals durchbrachen freiheitsliebende Tschechen auf der heute nur mehr der Kohlenlieferung dienenden Eisenbahnstrecke Eger - Asch - Hof den Eisernen Vorhang und setzten sich nach dem Westen ab. In jenen Tagen wurde Selb für einige Stunden und Tage buchstäblich zum Mittelpunkt der Welt. Womit - mittelbar - ein Höhepunkt in seiner geschichtlichen Entwicklung erklommen war. Der Ursprung dieser Entwicklung ist nicht genau festzustellbar. Die älteste Urkunde über Selb stammt aus dem Jahre 1232. Während frühere Geschichtsforscher die Meinung vertraten, dass Selb aus einer wendischen Siedlung hervorgegangen sei, führt der Selber Heimatforscher Dr. Ludwig Riess den Nachweiss, dass Selb nicht - wie noch vor über drei Jahrzehnten angenommen wurde - 1426, sondern erst 1836 zur Stadt erhoben wurde. Dessenungeachtet bleibt festzustellen, dass laut der ältesten Urkunde aus dem Jahre 1232 Kaiser Friedrich II. dem Feldhauptmann Heinrich Vogt von Plauen, Selb sowie das benachbarte, viereinhalb Kilometer entfernte, in der Tschechoslowakei gelegene Asch übertrug.
Urkundliche Erwähnung 1281
Durch seine Urkunde aus dem Jahre 1281 wurden die beiden Märkte von Kaiser Rudolf von Habsburg an die Vögte von Plauen verpfändet. Am 21. August 1426 verlieh Marktgraf Friedrich von Brandenburg dem Markte Selb das sogenannte Wunsiedler Stadtrecht. Das entsprechende Dokument ist nicht mehr erhalten, wohl aber zwei Bestätigungen des Schriftstückes, die vom 23. Mai 1606 und vom 8. Januar 1663 datiert sind. 1823 richtete der Rat der Stadt Selb an König Max I. von Bayern ein Bittgesuch um Verleihung des Titels "Stadt", das abschlägig beschieden wurde - eine Tatsache, welche nach Auffassung von Dr. Riess untermauert, dass Selb nicht 1426, sondern erst am 17. Juni 1836 zur Stadt erhoben wurde, und zwar durch ein Reskript der Kgl. Regierung des Obermainkreises, Kammer des Innern, womit König Ludwig I. von Bayern auf wiederholte Gesuche des Selber Rates hin die Anerkennung Selbs als Stadt vornahm.
Wasserschloss am Selbbach
Anfangs der zwaniger Jahre des 14. Jahrhunderts hatte das Geschlecht der Forster, das in Eger gebürtig war, begonnen Bedeutung für Selb zu gewinnen. Die Forster traten 1308 als Forstverwalter über den Reichsforst in die Geschichte der hiesigen Gegend ein. Die vorhandenen Urkunden lassen die berechtigte Annahme zu, dass Karl VI. 1355 die Forster mit dem Selber Forstmeisteramt belehnte oder die bereits bestehende Belehnung erneuterte. 1357 wurde letztere nochmals bestätigt. Die Forster verfügten in Selb über dreu Burgsitze. Der grösste war das Wasserschloss mit Ringmauer und Graben am Selbbach, das an der Stelle des heutigen Rathauses stand.
Es wurde 1583 niedergerissen und neu erbaut. Das Schlösslein am Schlossberg, ein schmuckloses Gebäude, gehörte unstreitig zu den ältesten Bauwerken der Stadt. Das Burggut endlich stellte unzweifelhaft eine Forstersche Gründung dar. Ein weiteres bemerkenswertes Gebäude war die unter den Vögten von Plauen und Weida errichtete Kirche, die etwa den Platz der heutigen evangelischen Stadtkirche einnahm. Aus der Reihe der Forster ragt vor allem Erhard Forster hervor. Die Forster wurden indes das Opfer der damals herrschenden politischen Verhältnisse, durch die sie schliesslich gezwungen waren, ihre Besitzungen im Selber Forst zu verkaufen. Diese Massnahme erstreckte sich auf Selb mit drei gemauerten Sitzen und das Kirchlehen sowie auf die benachbarten Orten Weissenbach, Brunn, Schönwald, Schönlind, Viielitz und Neuhaus. Der Abnehmer war Burggraf Johann von Nürnberg. Der Kaufpreis betrug 4000 Gulden. Damit ging das Sechsämterland - bezeichnet nach den sechs Ämtern Wunsiedel, Weissenstadt, Thierstein, Kirchenlamitz, Selb und Hohenberg a. d. Eger - den Egeren verloren. Diese historisches Ereignis jedoch bedeutete für die Zukunft die Erhaltung des hiesigen Gebietes für Deutschland.
Es geht zwar die Sage, dass Selb 1430 mit seiner Kirche den Hussiten zum Opfer gefallen sei, doch gelang es bis heute nicht, dafür einen stichhaltigen Beweiss zu erbringen. Wahrscheinlich ist aber, dass die Hussiten 1462, als sie auf den Ruf des Herzogs von Bayern hin zum zweiten Male ins Land kamen, die erste Selber Kirche zerstörten. Zu dieser Annahme berechtigt die Tatsache, dass auf Anregung des Pfarrers Kaspar Schirndinger Papst Sixtus IV. am 21. Oktober 1475 einen von acht Kardinälen unterzeichneten Ablass von 100 Tagen all jenen erteilte, die zu den Baukosten der Selber Kirche, die seit 1310 bereits erbaut gewesen sein muss, beitrugen. Der Neu- und Um- und Erweiterungsbau der Pfarrkirche zu Selb war 1482 vollendet. Pfarrer Schirndingers Nachfolger Paulus Brandner leistete drei Jahre später dem Kurfürsten Albrecht den Priestereid. Brandners Nachfolger Christoph von Schirnding wiederum war der letzte vorreformatorische Pfarrer in Selb. Weder Geistliche noch die Selber Gemeinde sträubten sich dagegen, als der Marktgraf von Brandenburg 1527/28 durch ein Gesetz im hiesigen Gebiet die Reformation einführte.
Tiefer in die Wirren der Geschichte verwickelt wurde Selb dadurch, dass Albrecht Alcibiades 1541 den obergebirglichen Teil der marktgräflichen Lande, zu dem Selb gehörte, übernahm. Dieser verantwortungslose kleine Herrscher machte sich kein Gewissen daraus, ausländische Hilfsgelder anzunehmen, um damit seine Schulden zu tilgen. Dafür mussten viele nichtsahnende Bürger als Kriegsleute in ferne Lande ziehen. Vor allem im Schmalkaldischen Krieg, dessen Kämpfe sich auch in der unmittelbaren Nachbarschaft Selbs abspielten, zeigte sich, was für ein Unglück Albrecht Alcibiades für sein Land bedeutete. Bei den Aushebungen 1552 wurden 73 Selber zum Heere eingezogen. Als schliesslich die fränkischen Städte sowie die Kurfürsten der Pfalz und von Sachsen gemeinsam gegen Alcibiades marschierten, litt Selb schwer unter den Truppendurchzügen der Grafen von Reuss und Plauen sowie des Burggrafen von Meissen, die in der hiesigen Gegend übel hausten. In jenen Tagen - 1543 - wurde die frühere steinerne Brücke erbaut. Ende des 16. Jahrhunderts wurde in Selb neben dem Rektor ein Kantor angestellt.
Diese Tatsache veranlasst zu einem kurzen Rückblick auf das Selber Schulwesen, in dessen Entwicklung das Jahr 1528 auf das die erste behördlich anerkannte Schuleinrichtung Selbs zurück geht, den entscheidendsten Markstein bildete. Ein Anzeichen dafür, dass sich schon 1387 in Selb eine Schule befunden hat, kann darin erblickt werden, dass das zu der von Erhard Forster gestiftete Messe auf den St.-Erhard Altar gehörige Schulmeistergut im genannten Jahre der Pfründe überwiesen worden sein soll. Mit Sicherheit kann angenommen werden, dass die Schule in Selb gleichzeitig mit der Kirche ins Leben gerufen wurde. 1633 fiel der damalige Kantor Georg Kessler einen Einbruch der Kroaten zum Opfer. 1806 wurde die Schaffung einer dritten Schulstelle registriert, mit der sich die Kirchnerstelle verband, die vordem von einem Handwerker versehen worden war. Den pestalozzischen Erziehungsmethoden bereitete vor allem Magister Hagen den Boden, der für die Schule auch einen Lehrgarten für den naturkundlichen Anschauungsunterricht anlegte. Es heisst, Hagen gebühre das Verdienst, als Erster in deutschen Lande einen Schulgarten errichtet zu haben. Dessen Einweihung stand übrigens im Zeichen eines Festes mit feierlichen Zug und Kinderbelustigung, in welchen man den Vorläufer des Selber Heimat- und Wiesenfestes zu sehen hat. Die Sage berichtet, dass schon 1629 Schweden bis nach Selb vorgedrungen und von den kaiserlichen Truppen aufgerieben worden seien.
Eintragungen im Kirchenbuch aus dem Jahre 1632 lassen darauf schliessen, dass die Schweden in Selb einen Werbeplatz aufgeschlagen hatten. Ende 1631 oder Anfang 1632 schleppten in Selb sich sammelte Soldaten eine ansteckende Krankheit ein und einfallende Kroaten brachten die Blattern mit. Die Kroaten bildeten Truppen des friedländischen Heeres, das am 9. Juni 1632 zum ersten Male in Selb einfiel und sich hier fürchterlich gebärdete. 1633 erfolgte ein Truppendurchzug der Armee des Feldmarschals Gallas, der auf Befehl Wallensteins von Wunsiedel aus über Thiersheim und Selb nach Meissen marschierte.
Ermordung Diakon Albinus
Am 1. Juli 1633 wurde der Diakon Albinus aus Selb von Kroaten des Holkschen Korps bei Kautendorf ermordert. Am 31. August 1633 infolge des Waffenstillstandes zwischen dem Kaiser und Sachsen nach Böhmen zurückflutendes Holkschen Kriegsvolk schleppte in Selb die Pest ein, an der Feldmarschal Holk selbst in Tirschenreuth bei Adorf starb. In Selb gingen an der Pest vier Bürgermeister und vier Ratsmitglieder sowie unzählige Bürgerinnen und Bürger zugrunde. Andreas Krembs, auf den Bürgermeisterwürde überging und der es dank seltener Tüchtigkeit zum reichsten Manne der hiesigen Gegend brachte, soll damals die meisten Toten als diese niemand mehr begraben wollte, selbst bestattet haben. Im Jahre 1660 hat Markgraf Wilhelm von Brandenburg nachweislich die Gründung der Metzgerzunft genehmigt, die sich auf Selb und das benachbarte Arzberg erstreckte. Diese Tatsache bildet einen willkommenen Fingerzeig für die Geschichte des Selber Handwerks. Fest steht, dass die einstigen Zünfte auch im alten Selb eine gewichtige Rolle spielten. Als wichtige Beweisstücke dürfen noch vorhandene Erzeugnisse der Selber Töpfer gelten. Die früheren Bürgermeister von Selb sind fast allesamt Handwerker gewesen, was beweist, dass die Einwohner dem Handwerk eine führende Stellung im kommunalen Leben einräumten. Neben alten Zunfttruhen sind auch Zunftsiegel und andere Symbole erhalten geblieben. 1677 stiftete Markgraf Christian Ernst die Schreinerszunft, 1698 entstand die Gerberzunft. Daneben soll Selb noch eine Zunft der Papiermacher bestanden haben - ein Hinweis übrigens auf die 1709 von dem Papierer Johann Georg Jäger aus Niederreuth bei Asch begründete Selber Papiermühle, die derzeit neben der in der benachbarten Ortschaft Mühlbach befindlichen Papierfabrik den einzigen Maternlieferanten in der Bundesrepublik verkörpert (1963). Chronik der Geschichte der Stadt Selb 12. Jh. Die Kolonisation im 12. Jahrhundert brachte Siedler aus dem bayerischen Raum in die Region um Selb. Ein Adelsgeschlecht, das sich „de Selewen“ nannte, ist seit 1135 fassbar. 1281 Erstmals wird Selb urkundlich erwähnt, als es zusammen mit dem benachbarten Asch im heutigen Tschechien an den Vogt Heinrich von Plauen verpfändet wurde und Kaiser Rudolf von Habsburg darüber eine Urkunde ausstellen liess. 1357 Selb wird als Reichslehen an das Geschlecht der „Forster“ übertragen, weil von hier aus der Egerer Reichsforst verwaltet wird.1412 wird Selb an die Burggrafen von Nürnberg verkauft.
Sechsländerland 1437
Diese schufen 1437 das „Sechsländerland“, so genannt, weil die Verwaltungsaufgaben dezentral auf sechs Amtsstädte verteilt waren. Eines dieser „Sechsämter“ war Selb. 1426 Markgraf Friedrich I. von Bayreuth-Brandenburg verleiht der Stadt ein erstes Stadtrecht. Selb bleibt Zentrum des markgräflichen Forstes und bevorzugtes Jagdrevier der Bayreuther Fürsten. Noch heute erinnern die Hirschgeweihe im Stadtwappen an die jagdgeschichtliche Bedeutung der Stadt. 17. Jh. Nach mehreren Besitzwechseln und kriegerischen Zerstörungen in den darauffolgenden Jahrhunderten erlangt Selb bis weit ins 18. Jh. Bedeutung als Bergbaustandort in Verbindung mit Hammer- und Eisenschmelzwerken. Die bedeutendsten Hammerwerke (Wenden-, Kaiser-, Schwarzen- und Hendelhammer) nutzen die Wasserkraft der Eger. Bergbau findet sich im Steinbruch auf der Häusellohe (heutiger Schausteinbruch). Das dortige sehr feinkörnige Granitvorkommen, das keine Eisenbeimengungen enthält, wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem zur Herstellung von technischen Walzen für die Porzellanindustrie und von Mühlsteinen genutzt. 18. Jh. Selb ist im 18. Jh. eine Handwerkerstadt mit ca. 1.500 Einwohnern und mit Zünften der Schreiner, Zimmerleute, Gerber, Müller, Schuster und Weber. 1709 errichtet der Papiermacher Johann Georg Jäger eine Papiermühle. Sie wird zum ersten Industriebetrieb der Stadt, der bis in die 1970´er Jahre Bedeutung für die Druckindustrie haben sollte. 1810 Nach dem Friedensschluss von Wien 1809 wird Selb am 30. Juni 1810 bayerisch.
Stadtrechte 1856
1836 Am 17. Juni 1836 wird Selb zur Stadt erhoben. 1856 Durch die Unachtsamkeit einer Magd geraten am 18. März die Gebäude der Alten Apotheke in Brand. Das Feuer breitet sich innerhalb weniger Stunden aus und zerstört die gesamte Stadt. 3.500 Einwohner werden obdachlos. Mit dem Wiederaufbau ändert sich das Stadtbild v.a. aber die Erwerbsstruktur grundlegend. Die Porzellanstadt wird geboren. 1857 Impulsgeber für den industriellen Aufschwung der Stadt des Porzellans ist Lorenz Hutschenreuther, der 1857 die erste Porzellanfabrik auf der Ludwigsmühle errichtet. Seine Pioniertat besteht darin, dass er die industrielle Serienfertigung von Porzellan ermöglicht. Das „Weisse Gold“ wird auch für Normalbürger erschwinglich. In der Fabrik finden viele der arbeitslos gewordenen Weber eine neue Zukunft. 1864 Der Bahnanschluss an die Strecke Hof – Eger begünstigt die einsetzende, rasante Industrieentwicklung in Selb. Es gründen sich die Porzellanfabriken Jakob Zeidler & Co., J. Rieber, Rosenthal, Krautheim, Müller, Heinrich & Co., Jäger & Werner, Gräf & Krippner, Krautheim & Adelberg, Zeidler & Purucker, Gebr. Hofmann und die Oberfränkische Porzellanfabrik Zollfrank.
1900 Selb hat bereits 7.200 Einwohner. Inzwischen bestehen 20 Porzellanfabriken mit zusammen 100 Rundöfen.
1919 Am 1. Juli 1919 wird Selb zur kreisfreien Stadt erklärt. 1930 Die Stadt ist auf 14.200 Einwohner angewachsen. Die Zahl der Porzellanfabriken ist jedoch im Zuge der Weltwirtschaftskrise und der Inflation der 20er Jahre gesunken. Die meisten Fabriken sind durch Fusionen an andere Firmen übergegangen. Die übrig gebliebenen entwickeln sich zu Weltmarken. Heute noch sind die weltweit bekannten Marken Rosenthal, Hutschenreuther und Villeroy&Boch (vorm. Heinrich) in Selb ansässig.
1972 Im Zuge der Gebietsreform wird Selb als Grosse Kreisstadt dem Landkreis Wunsiedel zugeordnet.
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Ehrenbürger Stadt Selb
Lorenz Hutschenreuther – geboren am 8. Mai 1817, gestorben am 8. Oktober 1886, Fabrikbesitzer und Gründer der Selber Porzellanindustrie, erhielt die Ehrenurkunde am 25. Dezember 1885. Er stiftete für die Gemeinde einen Fonds von 30.000 Mark zugunsten der Errichtung einer Kinderbewahranstalt.
Viktor Hutschenreuther - geboren am 16. Dezember 1854, gestorben im November 1907, Fabrikbesitzer und Kommerzienrat, wurde am 10. Oktober 1900 durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts ausgezeichnet auf Grund seiner unermüdlichen und erfolgreichen Unternehmertätigkeit, durch welche der Weltruf seines Werkes begründet und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Selb entscheidend vorwärtsgetrieben wurde.
Philipp Rosenthal – geboren am 6. März 1855, gestorben am 30. März 1937, Dr. Ing. h. c. und Geheimrat, Generaldirektor, erhielt das Ehrenbürgerrecht am 15. Februar 1918 zu erkannt. Dies geschah in Würdigung seiner grossen Verdienste um die Entwicklung der Stadt, die mit der Aufwärtsentwicklung der Firma Rosenthal unmittelbar verknüpft war, sowie seiner stets bewiesenen gemeinnützigen Gesinnung.
Carl Wilhelm Maximilian Netzsch – geboren am 9. März 1872, gestorben am 28. Februar 1957, Granitwerkbesitzer, wurde am 19. Dezember 1946 in Anerkennung seiner auch von der nationalsozialistischen Diktatur unbeeinflussten objektiven Amtsführung als Bürgermeister während des zweiten Weltkrieges mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet.
Dr. Franz Bogner geboren am 10. Mai 1875, gestorben am 24. August 1956, Arzt und Stanitätsrat, Oberbürgermeister von Selb von 1948 bis 1956, erhielt das Ehrenbürgerrecht am 1. Januar 1946. Als damaliger zweiter Bürgermeister war er an der Wiedererlangung der Unmittelbarkeit der Stadt Selb massgeblich beteiligt. Seine für die Arbeiterschaft und damit für die Porzellanstadt Selb und deren Gesamtbevölkerung nicht hoch genug eingeschätzende Tat bestand darin, dass er als erster die Silikose erkannte und in wissenschaftlichen Arbeiten den massgebenden Behörden die Gefahr der Porzelliner Krankheit vor Augen stellte. Seinen Einsatz war es zu verdanken, dass die Staublungenkrankheit als Berufskrankheit anerkannt wurde.
Wilhelm Baumann – geboren am 15. Juli 1827, gestorben am 7. Dezember 1908, Privatier, wurde mit Stadtsratsbeschluss vom 12. Juli 1907 anlässlich seines 80. Geburtstages als unermüdlicher Förderer der Interessen der Stadt, insbesonders im Rahmen des Verschönerungsvereins, zum Ehrenbürger ernannt.