Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Franz Anton Bustelli

Franz Anton Bustelli Der bedeutendste Künstler schlechthin, den die bayerische Porzellanfabrik aufzuweisen hatte, war, wie neuere Forschung erwiesen, der italienische Bildhauer und Modellmeister Franz Anton Bustelli. Merkwürdigerweise aber sind über das Leben dieses ausgezeichneten Künstlers nur sehr mangelhafte Daten, nicht einmal die eindeutige Namensform, bekannt. Die früheste gedruckte Nachricht stand in der Augsburgischen Kunstzeitung 1772 bei der vier veröffentlichten Biographie des Nympenburger Modellmeisters Dominikus Auliczek; wird berichtet, dass um die Zeit, als Auliczek nach München gekommen war, der kurfürstliche Modellmeister Franz Pastalli, ein Italiener von Geburt, in Nymphenburg starb.

Eine andere Namensform findet sich später im Wöchentlichen Anzeiger für Kunst- und Gewerbefleiß im Königreich Bayern über die Nymphenburger Manufaktur, in der als erster Modelleurmeister Franz Pastelli genannt wird. Bald darauf tritt die Schreibweise Bastelli auf, die dann später allgemein akzeptiert wurde. Über den Künstlers eigentliche Tätigkeit als Modellmeister in Nymphenburg wissen diese Quellen nichts zu berichten. Ein wenig besser sind wir unterrichtet über das Ende seiner Arbeitszeit in Neudeck. Nach der bereits erwähnten Biographie Auliczeks starb Pastalli um die Zeit als Auliczek, von einem Schwindler geprellt, einer neuen Anstellung umsah. Da als Tag des Eintreffens Auliczeks hier der erste des Heumonats, also der 1. Juli 1763, angegeben ist, könnte nach der weiteren Schilderung der Situation der Tod des bisherigen Modellmeisters in Nymphenburg wohl noch 1763 erfolgt sein. Zu den eigenartigen Problemen nämlich, die der Forschung Leben und Kunst dieses Meisters ausgibt, gehört das plötzliche Auftauchen eines Obermodellmeisters Franz Anton Pustelli bei der württembergischen Porzellanfabrik Ludwigsburg. Es ist daher schon des öfteren die Vermutung aufgetaucht, dass der Nymphenburger Modellmeister Franz Bustelli und der Ludwigsburger Obermodellmeister Franz Anton Pustelli ein und dieselbe Person seien.

Bustelli starb am 18. April 1763 in Nymphenburg, nachdem er seit dem 3. November 1754 ununterbrochen im Dienste der kurfürstlichen Porzellanfabrik Nymphenburg gestanden hatte. Begraben wurde Bustelli wohl in Sendling, das damals zur Pfarrei für Nymphenburg gehörte. Wie aber löst sich nun das Rätsel? Bustelli hatte in Nymphenburg schon einmal im Jahre 1758, unzufrieden mit der niedrigen Bezahlung, die ihm seine Kunst nicht angemessen entlohnte, sein Glück woanders gesucht. Durch seine daraufhin erfolgte Aufbesserung von 5 auf 6 fl. wurde er veranlasst, vorerst in Nymphenburg zu bleiben. Als man aber dann gegen Ende des Jahres 1760 in Neudeck mit den Vorbereitungen zum Umzug nach Nymphenburg begonnen hatte, mochte Bustelli dem Direktor der Fabrik, Grafen Haimhausen, erneut mit der Bitte um Aufbesserung in den Ohren gelegen haben. Als er abgewiesen oder vertröstet wurde, machte er wieder einmal den Versuch, anderwärts unterzukommen. Und es ist nur natürlich, dass er sich bei diesen Bemühungen an den Direktor der Ludwigsburger Fabrik, Joseph Jakob Ringler, wandte, der ja mehrere Jahre, vom Herbst 1753 bis Anfang 1757, gleichzeitig mit ihm in Neudeck gearbeitet hatte. Bustelli aber blieb in Nymphenburg. In der Tat erhielt er dann auch im Laufe des Jahres 1761, nachdem er seinen Plan wegzugehen aufgegeben hatte, wieder eine Aufbesserung von 6 auf 10 fl. Wochenlohn.

Die in Ludwigsburg 1760 beabsichtigte Organisations Änderung durch die Ernennung eines eigenen Obermodellmeisters, von der Brücks Adressbücher etwas grosssprecherisch und vorschnell Kenntnis geben, fand also überhaupt nicht statt. Statt des in Aussicht genommenen fremden Obermodellmeisters wurde der schon 1759 erwähnte Johann Götz damals 1760 als Oberpoussirer Leiter der plastischen Produktion. Ein Obermodellmeister wurde auch nachher in Ludwigsburg nicht mehr angestellt. Nachdem steht wohl einwandfrei fest: In Ludwigsburg hat niemals ein Modellmeister Franz Anton Pustelli gearbeitet. Aller Wahrscheinlichkeit stammte Bustelli aus Locarno. Im Tessin, der Heimat so vieler Berühmter Künstler und Kunsthandwerker, gibt es eine Familie Bustelli, die das gleiche Wappen führte, wie unser Meister. Der Giovanni Giacomo Bustelli, Glockengiesser in Locarno, der 1776 bis 1778 Glocken für die Kirchen in Selva und Broglio goss, gehörte sicher auch in diese Künstlerfamilie; er ist vielleicht ein Neffe des Franz Anton Bustelli.