Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

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Ernst Barlach

Barlach Ernst, 02.01.1870 – 24.10.1938. Bedeutender Bildhauer und Graphiker. Konsequenter Verfechter des bürgerlichen Humanismus. 1888 Gewerbeschule in Hamburg, 1891 – 95 Dresdner Akademie als Meisterschüler von Robert Diez. Nach wechselndem Aufenthalt in Hamburg, Berlin, Wedel und Höhr im Westerwald, wo er als Lehrer an der Fachschule für Keramik arbeitet, lebte er in Berlin. Seit 1910 in Güstrow. Hier entstand der weitaus größte Teil seiner Plastiken und Zeichnungen. Bekannt geworden ist Barlach vor allem als kraftvoller Bildhauer, dessen voluminöse Gestalten Innigkeit und Volksnähe ausdrücken.

Zwischen 1906 und 1912 entstanden „Russische Bettlerin mit Schale“, „Blinder Bettler“, „Sitzendes Mädchen“, „Liegender Bauer“, „Russisches Liebespaar“ und „Schreitende Nonne“ als weiße Porzellanplastiken.

Der Künstler Ernst Barlach wurzelt in dem Jahrzehnt vor der Jahrhundertwende, in dem man sich dunkel bewusst wurde, dass eine Wende der Dinge einbrach, die auf allen Gebieten des Lebens zu Entscheidungen drängte. Ernst Barlach wird 18 Jahre alt, bis er den Ton in den knetenden Händen hält. In Hamburg währte das drei Jahre und nach Unterbrechung weitere drei Jahre in Dresden. Er war nun 25 Jahre, als er sagen konnte: Ich bin Bildhauer - dessen Arbeiten freilich noch nicht eigentlich zu seinem Werke gehören, obwohl der erste Preis, der ihm in einer Konkurrenz für die ihm schliesslich aber nicht anvertraute Ausgestaltung des Hamburger Rathaus Platzes zugesprochen wurde, doch dafür hätte zeugen sollen.

Ernst Heinrich Barlach wird 1870 in Wedel (Holstein) geboren. Der Vater Dr. Georg Barlach kommt aus einer Pfarrerfamilie und ist als praktischer Arzt tätig. Die Mutter Luise geb. Vollert ist die Tochter eines Zöllners. Seine Geschwister Bruder Hans (1871-1923) zieht es 1893 nach Russland, und seine Zwinglingsbrüder Nikolaus (1872-1925) und Joseph (1872-1923) wanderten beide in die USA aus.

1872 zieht die Familie nach Schönberg (Mecklenburg). Die Mutter ist zeitweilig in einem Sanatorium untergebracht.1877 erneuter Umzug nach Ratzeburg (Lauenburg) - in dem dortigen Elternhaus Barlachs wurde 1956 eine Gedächtnisstätte eingerichtet.

Von 1888 bis 1891 besuchte Barlach die Allgemeine Gewerbeschule in Hamburg. Seine Lehrer Michael Hornung und Richard Thiele - Mitschüler Carl Garbers und Richard Mutz. Von 1891 bis 1895 besuch der Dresdener Kunstakademie, seit 1892 Meisterschüler von Robert Diez.

Die Krautpflückerin (Rübensammlerin, Gips) war Barlachs Abschlussarbeit an der Akademie. Von Mai 1895 bis April 1896 erster Parisaufenthalt. Barlach verkehrte mit dem Maler August Schenk in Ecouen und besucht einige Zeit die Academie Julian, wo er den Bildhauer Richard Engelmann kennenlernte. Es entstehen zahlreiche Zeichnungen vom Pariser Strassenleben. Die bildhauerische Arbeit tritt hinter den zeichnerischen und literarischen Versuchen zurück.

Im April 1896 bis März 1897 illustriert er im Auftrag des Architekten Max Hittenkofer das Lehrbuch figürliches Zeichnen. Ende 1897 bis Ende 1899 arbeitet Barlach in Hamburg Altona in Werkstattgemeinschaft mit Garbers an der figürlichen Ausgestaltung des Giebelfeldes am Altonaer Rathaus. Beide erhalten den 1. Preis im Wettbewerb um die Neugestaltung des Hamburger Rathausplatzes, doch wird der Auftrag anderweitig vergeben.

1898 beteiligte sich Barlach erstmalig an der Grossen Berliner Kunstausstellung - Zeichnungen für die Jugend bis 1901. Ende 1899 erster Aufenthalt in Berlin. Begegnung mit dem Verleger Reinhard Piper und dem Kunstschriftsteller Karl Scheffler.

1900/02 Grabmal Moeller-Jarke (Bronze). 1901 - 1904 Barlach übersiedelte in seine Geburtsstadt Wedel. Er arbeitet an Kleinkeramiken für die Töpferwerkstatt Mutz in Altona. 1903 erkrankt er an Herzaffektation - Neptergruppe (Kupfer) für das Verwaltungsgebäude der Hamburg-Amerika Linie um 1901, Mutz Keramik 1902/03 Ruhender junger Goethe, Familienglück, Nöck, Triton, Wandbrunnen.

1904 zeigt Richard Mutz in seinem neueröffneten Kunstalon in Berlin-Wilhmersdorf Zeichnungen und keramische Arbeiten von Barlach.

Im Oktober erhielt Barlach durch Vermittlung von Peter Behrens einen Lehrauftrag an der Fachschule für Keramik in Göhr-Grenzhausen (Westerwald)

1906 unternimmt Barlach mit seinem Bruder Nikolaus eine Reise zu dem Bruder Hans in Russland - Taschenbuchaufzeichnungen von der Russlandreise: Blinder Bettler und Russische Bettlerin mit Schale (Keramik) - Niederschrift des Russischen Tagebuches bis 1907.

1907 In Berlin freundschaftlicher Verkehr mit dem Bildhauer August Gaul. Erster Erfolg mit zwei von Richard Mutz gebrannten Terrakotten (Blinder Bettler, Russische Bettlerin) auf der 13. Ausstellung der Berliner Sezession. Vertrag mit dem Kunsthändler Paul Cassirer: Dieser übernimmt gegen ein festes Jahresgehalt alle Arbeiten von Barlach. Im Verlag Cassirer erscheinen später auch die literaischen Werke Barlachs. Die ersten Bronze werden gegossen.

1911 wird Barlach in die Ausstellungsleitung der Berliner Sezession gewählt und 1913 sogar in den Vorstand der Berliner Sezession.

1919 wird Barlach Ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Er lehnt die Angebote einer Professur an den Akademien in Dresden und Berlin ab, ebenso die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock.

1925 wird Barlach zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der bildenden Künste in München ernannt.

1931 bezieht Barlach die grosse Werkstatt im neuen Atelierhaus. Er wird Ehrenmitglied des Vereins deutscher Buchkünstler. Ausstellungen im Hamburger Kunstverein und in der Kestner Gesellschaft in Hannover. Auf der Kunstausstellung Moderne deutsche Malerei und Skuptur im neugegründeten Museum of Modern Art in New York ist er mit 5 Bronzen vertreten.

1933 protestiert Barlach in einer Rundfunkrede gegen den Ausschluss von Käthe Kollwitz und Heinrich Mann aus der Preußissch

en Akademie der Künste. Er wird Ritter der Friedensklasse des Ordens Pour le merite. Antrag des Kirchenrates der Magdeburger Domgemeinschaft auf Entfernung des Ehrenmals Sitzende Alte (Bronze).

1936 wird Barlach Ehrenmitglied der Wiener Sezession und des Künstlerverbandes Österreichischer Bildhauer der Wiener Akademie.

1938 Letzte Arbeit: Entwürfe für ein Taufbecken in Hamm (Gips). Beschluss über die Beseitigung des Hamburger Ehrenmals. Seit September ist Barlach in der Klinik St. Georg in Rostock. Er stirbt in Rostock am 24. Oktober am Herzschlag. Am 27. Oktober findet in der Güstrower Werkstatt die Trauerfeier statt. Unter den Trauergästen sind Georg Kolbe, Käthe Kollwitz, Gerhard Marcks und Karl Schmidt Rottluff. Am 28. Oktober wird Barlach auf seinen Wunsch in Ratzeburg neben seinem Vater beigesetzt. Im November 1938 findet in der Buchholz-Gallery in New York eine Gedächtnisausstellung statt.