Eisenbahngeschichte Selb
Selb hatte nun einen eigenen Bahnhof, der zwar ca. drei Kilometer von der Stadt entfernt lag, aber trotzdem die Wirtschaft ankurbelte. Unter anderem bedingt durch den grossen Selber Stadtbrand vom 18. März 1856 und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit gründete Lorenz Hutschenreuther 1857 die erste Porzellanfabrik in Selb. Ihr sollten noch eine grosse Anzahl folgen (u.a. Rosenthal Porzellan, Heinrich & Co, Krautheim, Zeidler, etc.). Vor allem Kohle und Rohstoffe fanden nun ihren Weg per Bahn nach Selb. Die Situation blieb aber trotz allem unbefriedigend, da die Unternehmer nach wie vor auf Fuhrwerke angewiesen waren um zur Bahnstation zu gelangen. Auf Betreiben der Stadt und besonders des Unternehmers Lorenz Hutschenreuther konnte schliesslich am 25. Oktober 1894 die Stichstrecke von Selb-Plössberg zum Bahnhof Selb Untere Stadt eröffnet werden. Der Sackbahnhof lag in etwa dort, wo sich noch heute das Gebäude der ehemaligen Oberrealschule befindet. Die Station war mit allen für einen Endpunkt notwendigen Ausstattungen versehen, wovon der Lokschuppen sogar noch heute existiert.
Auf Kosten der Firma Hutschenreuther wurde noch eine Güterbahn vom Bahnhof zur Porzellanfabrik Ludwigsmühle, der späteren Abteilung A, gebaut. Neben diesem Fabriksgleis verfügte Selb schon damals über eine beachtliche Anzahl von Werksanschlüssen, die für ein entsprechendes Güteraufkommen sorgten und die Anlagen der Station schon bald zu klein werden liessen. Aufgrund des wachsendes Verkehrs und dem Bedarf einer Direktverbindung in Richtung Wunsiedel und Marktredwitz kam es zum Bau der Lokalbahn von Selb nach Holenbrunn (an der Hauptstrecke von Hof über Marktredwitz nach Regensburg) mit gleichzeitiger Verlegung des Bahnhofsareals in den Norden der Stadt. Die Lokalbahn nach Holenbrunn wurde am 01. Mai 1914 eröffnet.
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