Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Designer Schwarzburger Werkstätten

Designer und Modelleure für die Schwarzburger Werkstätten

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit wandte sich Pfeiffer an Ernst Barlach mit der Bitte, ihm Modelle für die Ausformung zu überlassen. Barlach schickte Kleinplastiken, die als Ergebnis seiner Russlandreise 1906 und den beiden folgenden Jahren entstanden waren: Russische Bettlerin mit Schale, Blinder Bettler, Sitzendes Mädchen, Liegender Bauer und das Russische Liebespaar. Aus dem Jahre 1909 stammt die Figur Schreitende Nonne.

Diese Meisterwerke der europäischen Kunst wurden als Weißporzellan produziert. Werke anderer Künstler, wie die von Max Esser, wurden sparsam staffiert. Die Tierstücke des Berliner Bildhauers zeichnen sich durch Geschlossenheit der Form aus, ihre starke Ausdruckskraft wird durch die zurückhaltende Bemalung, die das makellose, leuchtende Weiß des Scherbens hervor hebt, noch gesteigert.

Von Gerhard Marcks, der damals die Töpferei in Dornburg leitete, erhielten die Werkstätten vier Modelle, so z. B. die schreitende Löwin, ein Werk voller innerer Spannung, strenger Kompostition und kraftvollen Ausrucks.

Auch Paul Scheurich, einer der talentiertesten Porzellanmodelleure, der später für die Manufaktur in Meissen, Berlin und Nymphenburg tätig war, schuf die ersten seiner graziösen, vom Geist des Rokoko belebten, aber doch im modernen Zeitstil geformten Figuren für Unterweißbach.

Eine vorzügliche Tierbildhauerin, die im Werkstättenkatalog von 1912 mit sieben Arbeiten erscheint, war Etha Richter. Ihre Genauigkeit bei der Beobachtung von Tieren hat sie in vielen Modellen, die lebenswahr und einfühlsam die Eigenart der jeweiligen Tiergattung wiedergeben, unter Beweis gestellt. Pfeiffer selbst entwarf einige Tierstücke. Wesentlicher als diese waren jedoch die gemeinsam mit dem Formgestalter Josef Vinecky entwickelten formschönen Gefässe mit farbigen Kristall- und Laufglasuren.

Der Bildhauer Otto Thiem war 1908 in den Unterweißbacher Werkstäten eingetreten. Zweieinhalb Jahre war er mit dem Auftrag des Rudolstädter Fürstenhofes beschäftigt, Jagdgruppen als Tafelschmuck für den Kaisersaal in Schwarzburg zu schaffen. Zwei grosse Mittelgruppen, vier Seitengruppen, vier Einzelfiguren und zwei Jagdhunde gehören zu diesem Tafelaufsatz. Es war eine Aufgabe, wie sie den deutschen Porzellanmanufakturen seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr zuteil geworden ist.

Von den später vorzugsweise in Rudolstadt tätigen Modelleuren der Werkstätten seien noch Hugo Meisel, Arthur Storch und Martha Schlameus als talentierte und vielseitige Künstler genannt. Die Unterweißbacher Werkstätten wurden für ihre Erzeugnisse mehrmals ausgezeichnet. So erhielten sie eine Goldmedaille auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel.