Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Der Stein der Weis(s)en - 300 Jahre Mythos Manufaktur Meissen

Albrechtsburg Meissen

 Albrechtsburg Meissen

Der Stein der Weis(s)en – 300 Jahre Mythos Manufaktur Meissen:

Die Albrechtsburg als Porzellanschloss

Hoch über der Stadt Meißen, auf der Albrechtsburg, wurde vor 300 Jahren die erste europäische Porzellanmanufaktur gegründet. In den Mauern des Ende des 15. Jahrhunderts errichteten Schlosses begann der weltweite Siegeszug des Meissener Porzellans. 2010 feiert das Schlösserland dieses besondere Jubiläum mit einer Ausstellung.

Die Ausstellung

300 Jahre Mythos Manufaktur Meissen: In der Albrechtsburg Meissen wird 1710 die erste europäische Porzellan-Manufaktur eingerichtet. An dem historischen Ort erzählen im Rahmen der Ausstellung unter dem Leitmotiv „Der Stein der Weis(s)en“ einzigartige Zeugnisse von den Anstrengungen und Leistungen der heute „unsichtbaren Manufaktur“ und gewähren faszinierende Einblicke in Geschichte und Entwicklung des „Weißen Goldes“.

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen, einer Substanz, mittels derer man unedle Metalle in Gold verwandeln könne, fand der Alchemist Johann Friedrich Böttger das Arkanum für das europäische Pendant zum chinesischen Porzellan.

Unter Zuhilfenahme der elementaren Mittel Erde, Feuer, Wasser und Luft entstand aus grobem, hartem Stein eine echte Kostbarkeit: das feine, filigrane, glänzende Porzellan. Die Ausstellung in der Albrechtsburg zeigt eindrucksvoll diesen Weg und erläutert die Entstehung und Geschichte des Porzellans und seiner Fertigung in der Albrechtsburg, wo der Mythos um das „Weiße Gold“ begann. Eigens zum Jubiläum kehren ausgewählte Stücke der frühen Meissener Porzellane zurück an den Ort ihrer Entstehung und machen die ehrwürdige Burg zu einem Schloss des Porzellans.

Die Ausstellungsthemen

„Experiment und Produktion: Die Albrechtsburg als erste Produktionsstätte des europäischen Porzellans“

Am Ausgangsort ihrer Entwicklung spürt die Ausstellung der komplexen Produktionsgeschichte des Meissener Porzellans nach und thematisiert die wirtschaftlichen und technischen Voraussetzungen ebenso wie den Manufakturbetrieb in der Albrechtsburg.

„Kunst oder Kommerz: Meissener Porzellan im 19. Jahrhundert“

Mit der Rückbesinnung auf ihr reiches Erbe erlebte die Manufaktur im 19. Jahrhundert einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Prunkvolle Vasen, kleine Ansichtentassen und wunderschöne Service veranschaulichen diese ereignisreiche Epoche im Meissener Porzellanschaffen.

Die „unsichtbare Manufaktur“

Von 1710 bis 1863 war die Albrechtsburg das wohl außergewöhnlichste Domizil Europas erster Porzellan-Manufaktur. Heute zeugt nichts mehr von den Anstrengungen, den Arbeitsbedingungen und von den künstlerischen und technischen Leistungen der ersten 153 Jahre. Die Jubiläumsausstellung lässt die „unsichtbare Manufaktur“ in den Köpfen der Besucher wiedererstehen. Ein didaktisch abgestimmtes Arrangement aus Exponaten, multimedialen Inszenierungen, sinnlichen Erlebnissen und Interaktionen vermittelt nicht nur historische Fakten, sondern setzt sie im authentischen Umfeld auch emotional in Szene.

Sinnliches Erleben – Hören, Riechen und Fühlen

Über eine begehbare Plattform bekommt der Besucher ein Gefühl für die Geräusche, die Gerüche und die Vibrationen, die zur Zeit der Manufaktur in der Albrechtsburg geherrscht haben. Geräusche wie das Hämmern des Pochwerks, in dem die Rohstoffe zertrümmert wurden oder die Dreh- und Schleifgeräusche bei der Formung des Porzellans werden annähernd reproduziert, um die Vorstellungskraft bei den Besuchern sinnlich zu unterstützen.

Räumliches Erleben – Die Presslerschen Pläne

Die Presslerschen Situationspläne aus dem 19. Jahrhundert gewähren einen Einblick in die Funktionszusammenhänge des Manufakturbetriebs in der Albrechtsburg sowie die baulichen Veränderungen, die die Beherbergung der Manufaktur nötig machte. Diese Pläne bilden auch die Grundlage für ein ca. 5 x 3 m großes interaktives Modell in der Mitte des Raumes. Es umfasst die Burg selbst und die benachbarten Gebäude während der Manufakturzeit. Über verschiedene Farbigkeiten werden die Vielzahl der einzelnen Stationen der Porzellanherstellung sowie die weite Ausdehnung und Verzweigung der komplexen Gesamtanlage über das Schloss vermittelt.

Experimentelles Erleben

An einer interaktiven Medienstation werden die Besucher selbst in die Rolle Johann Friedrich Böttgers versetzt: Virtuell stehen die verschiedenen Zutaten zur Verfügung, die Böttger für die Rezeptur des Porzellans verwendete. Dabei kann jeder Besucher seine spezifische Rezeptur testen und so auf experimentelle Weise versuchen, Porzellan herzustellen. An dieser Station wird deutlich, wie präzise die Rezeptur sein muss. Die Versuche werden von einem virtuellen Laborleiter begleitet, der Tipps und Hintergründe preisgibt.

Die Albrechtsburg – Architekturdenkmal und Kulturerbe

929 wurde die Burg Misni (Meißen) vom ersten König und Herzog von Sachsen Heinrich I. gegründet. Den Markgrafen des sächsisch-thüringischen Raums - den Wettinern - gelang die Festigung ihrer Herrschaft vor allem durch die bauliche Maßnahme, den hölzernen Festungsbau der Burg im 11. Jahrhundert durch einen steinernen zu ersetzen. So konnten schwere Angriffe aus Böhmen und Polen abgewehrt werden. Neu geordnete Machtverhältnisse im Land sowie Silberfunde im Erzgebirge veranlassten die Wettiner dazu, eine neue Residenz auf den Mauern der alten Burg zu errichten. Ab 1471 wurde das Bauwerk durch den Landeswerkmeister Arnold von Westfalen errichtet. Seine Architektur verband höchste funktionale Ansprüche mit modernsten nordalpinen Bauformen. Die repräsentative Anlage war 1489 im Wesentlichen vollendet und hinsichtlich ihrer baukünstlerischen Qualität einzigartig.

Die seltene Vereinigung mittelalterlicher Wehrhaftigkeit mit der Großzügigkeit und Eleganz eines Residenzschlosses sowie sensationelle Statik mit nach oben mächtiger werdenden Wandpfeilern über steilem Abhang macht die Albrechtsburg zu einem echten architektonischen Erlebnis. Außer als Architekturdenkmal erlangte die Albrechtsburg auch insbesondere aus historischer Sicht Berühmtheit: Der Standort des Schlosses gilt als die „Wiege Sachsens“. Ein Wandmalerei-Zyklus in der Albrechtsburg macht als einer der umfangreichsten aus der Zeit des Historismus die Geschichte rund um die Hausmacht der Wettiner erlebbar.

Die Geschichte der Porzellanerfindung

Als Johann Friedrich Böttger am 15.01.1708 in einer Labornotiz das erfolgreiche Brennen einer weißen und durchscheinenden Scherbe dokumentiert, nimmt die Erfolgsgeschichte des ersten europäischen Porzellans ihren Anfang. Weitere Versuche und Entwicklungen sind notwendig, bis August der Starke schließlich am 23.01.1710 in einem in vier Sprachen verfassten Dekret die Gründung der „Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur“ verkündet. Am 06.06.1710 wird die Albrechtsburg in Meissen zum Domizil der ersten europäischen Porzellan-Manufaktur und bleibt es bis in das Jahr 1863.

Erfindung und Vervollkommnung des Porzellans bedurften der Leistungskraft, des Wissens und des Zusammenwirkens von Vertretern verschiedener Gewerke und Wissenschaften. Böttgers experimentelles Geschick sowie sein gutes Gespür für neue originelle Lösungswege schließlich waren wesentliche Vorraussetzungen für den Erfolg der Forschungsarbeit am Problem der Porzellanherstellung. In der Ausstellung wird ergänzend die Vielzahl der Personen vorgestellt, die Böttgers alchemistischen und wissenschaftlichen Werdegang sowie seine erfolgreiche Arbeit an der Entdeckung des Arkanums begleiteten. Ein Schwerpunkt wird dabei auf den Leistungen des bedeutenden Physikers, Chemikers und Mineralforschers Ehrenfried Walther von Tschirnhaus liegen, der die erheblichen experimentellen Vorleistungen erbrachte, auf denen Böttger später bei seinen keramischen Forschungen aufbauen konnte.