Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

C.M. Hutschenreuther

Im Alter von 18 Jahren war Carl Magnus Hutschenreuther selbständig mit dem Vertrieb von Porzellan aus der Malerei seines Vaters und der Fabrik seiner Verwandten in Wallendorf Thüringen landauf und landab unterwegs. Seine Wege nach Ostbayern und in die böhmischen Bäder führten ihn nach Hohenberg an der Eger zu seinen Verwandten. Es war, als ob ihn die geheimnisvolle Spur der Weissen Erde in das Land zog, das sein Schicksal werden sollte.

Es begann 1814 auf Burg Hohenberg

Wohl selten im Leben grosser Persönlichkeiten hat die Liebe keine Rolle gespielt. Auch C.M. Hutschenreuther fand bei seinem Verwandtenbesuch in Hohenberg an der Eger die Frau für sein Leben. Johanna Maria Barbara Reuss, Tochter des Oberförsters auf der Burg. Ihr Vater, der als erfahrener Forstmann auch die geologischen Verhältnisse in seinem Revier genau kannte, erzählte ihm von weissen Erden in den Wäldern. Brauchbare Funde machte C.M. Hutschenreuther in der Nähe von Hohenberg.

In dieser Zeit mussten sowohl Glas als auch Porzellan noch mit Holz gebrannt werden. Die Zeit der Stein- und Braunkohle begann erst später. Holz aber konnten die riesigen Waldgebiete Ostbayerns und Böhmens in unerschöpflichen Reichtum liefern. C.M. Hutschenreuther beschloss die Herstellung von Porzellan in Hohenberg. Er führte in der Fabrik Wallendorf in Thüringen in aller Heimlichkeit Probebrände mit dem gefundenen Kaolin durch. Das Ergebnis befriedigte, er kehrte nach Hohenberg zurück und begann in Räumen der Burg zu arbeiten. Es sollten Jahre dauern, bis er alle Schwierigkeiten überwunden hatte. Vorerst bezog seine Manufaktur Weissware aus seiner alten Heimat Thüringen und pflegte den Handel mit Böhmen. Die hohen Hitzegrade mit Holz zu erzeugen, war das fast unlösbare Problem in der Erfinderzeit. Tschirnhaus und Böttger mussten Jahrzehnte dafür verwenden, um immer neue, bessere Öfen zu konstruieren. Grosse Mengen an Brennmaterial mussten die Wälder im 18. und 19. Jahrhundert liefern. Dieser Umstand wäre fast ein Grund des Fiskus für die Ablehnung des Gesuches von C.M. Hutschenreuther gewesen. Vier kleine Hammerwerke und die Märkte Thiersheim und Selb pr otestierten aus Sorge um das Brennmaterial gegen die Einrichtung der Porzellanfabrik. C.M. Hutschenreuther musste versprechen, sich das Holz aus den benachbarten Böhmischen Wäldern zu besorgen.

Die Pionierarbeit von C.M. Hutschenreuther wirkte sich für das Gebiet an der böhmischen Grenze zur Bereicherung des Landes und seiner Wirtschaftskraft in ungeahnten Masse aus. Schon 25 Jahre später entstanden die Porzellanfabrik Tirschenreuth und die spätere Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther, Arzberg. Unternehmende Porzellandreher und Brenner, aber auch die Porzellanmaler machten sich mit eigenem oder fremden Kapital selbstständig. Sie bezogen Weissware von C.M. Hutschenreuther.

Die "Schmelzmaler haben viel Geld im Sack und rauchen den Tabak" hiess es in einem Trinklied dieser selbstbewussten Gilde. 1856 ging Lorenz, der Sohn C.M. Hutschenreuther mit 80.000 Gulden Erbteil nach Selb und gründete nach dem Brande dieser Stadt ein eigenes Werk, den Grundstein zu der heutigen Lorenz Hutschenreuther AG. In den Gründerjahren von 1871 - 1900 entstand eine Reihe von Werken, deren Namen bis heute guten Klang haben. In fast jeder kleineren Stadt zwischen Hof und Weiden rauchten die Schlote und brannten die "Füchse" der Porzellanfabriken.

Chronik Porzellanfabrik Hohenberg

1814 Carl Magnus Hutschenreuther findet bei Hohenberg Kaolin und beginnt in der Burg Hohenberg die Porzellanmanufaktur; 1819 C.M. Hutschenreuther erwirbt zum Preise von 500 Gulden das Areal "Freundschaft" und richtet dort seine Produktionsstätte ein. 1822 Durch Ministerialentscheidung erhält C.M. Hutschenreuther die Konzession zur Errichtung eines Brennofens; 1845 Todesjahr C.M. Hutschenreuther.

Seine Witwe Johanna Hutschenreuther übernimmt die Leitung des Werkes. Es beschäftigt 80 Arbeiter. 1849 Ein Brand vernichtet weite Teile der Fabrik auf dem Areal Freundschaft. Wiederaufbau eines grösseren Betriebes mit drei Brennöfen; 1860 Johanna Hutschenreuther übergibt ihrem Sohn Christian Hutschenreuther und dem Schwiegersohn Phillipp Auvera die Leitung der Fabrik.

Ihr Sohn Lorenz hatte 1856 eine eigene Fabrik in Selb gegründet. 1877 Albert Hutschenreuther beerbt seinen Vater Christian, stellt das Werk von Holz- auf Kohlefeuerung um und entwickelt die Kobalt-dekoration mit grossem Erfolg. 1904 Umwandlung des Familienunternehmens durch Albert Hutschenreuther und Hugo Auvera in eine Aktiengesellschaft. In den folgenden Jahren erwarb die C.M. Hutschenreuther AG die Porzellanfabriken M. Zdekauer in Altrohlau bei Karlsbad und C. Tielsch & CO. in Altwasser (Schlessien). Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Zahnfabrik in Radeberg bei Dresden gegründet und die Dresdner Handmalerei zu grosser Blüte gebracht. Die AG beschäftigte in dieser Zeit 2300 Mitarbeiter. 1945 Verlust der Werke in Schlessien, Böhmen und Sachsen, umfangreiche Kriegsschäden an den Fabrikanlagen in Hohenberg und Arzberg.

1960 Dr. Wilhelm Oberste-Padtberg, Fürth, wird Vorsitzender des Aufsichtsrates. Die Werke Hohenberg, Arzberg und Zahnfabrik beschäftigten über 1000 Mitarbeiter. 1964 Im Jahre des 150jährigen Jubiläums sind die Werke modernisiert. Qualität und Leistung festigen die 150jährige Geltung in der Welt; 1969 Verschmelzung Lorenz Hutschenreuther AG Selb und C.M. Hutschenreuther AG Hohenberg; 1998 Insolvenz der C.M. Hutschenreuther und Betriebsschliessung Geschichte der Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther

Ausführliche Firmengeschichte Firmenchronik 1927

In der vom grossem Weltverkehr abgelegenen nordöstlichen Ecke Bayerns zwischen Sachsen und Böhmen, die heute das Zentrum der deutschen Porzellanindustrie genannt werden muss, sind Tausende von geschickten Arbeitern dauernd damit beschäftigt, Porzellanwaren aller Art, insbesondere aber feine Tafelservice herzustellen. Für viele Millionen Mark fertige Erzeugnisse wandern von hier aus jährlich über die ganze Erde.

Vor 1814 aber war nun von dieser blühenden Industrie noch keine Spur vorhanden. Porzellan war ein Luxusartikel ausgesprochener Art. Den geringen Bedarf, der durch die napoleonischen Kriege auf ein Minium herunter gefahren wurde, konnten die wenigen Staatsmanufakturen mit Leichtigkeit decken. Neben ihnen war nur noch die Thüringer Porzellanindustrie von einiger Bedeutung, die selbstständig emporgewachsen, billigere Porzellanwaren herstellte und auch einen bemerkenswerten Export hatte.

Ein Thüringer war es denn auch, der die Porzellanindustrie in Oberfranken verpflanzte. Carl Magnus Hutschenreuther, dessen angesehene Familie noch heute in Thüringen blüht, gehörte zu den unternehmenden Männern, die die Erzeugnisse des gewerbefleissigen Waldgebirges ausführten. Er handelte speziell mit Pfeifenköpfen. Auf seinen Geschäftsreisen kam er auch nach Oberfranken, wo er auf dem Weg von Wunsiedel nach Hohenberg auf dem Steinberg eine weisse Erde fand. Von dieser nahm er einige Stücke mit in seine Heimat, wo er durch Versuche feststellte, dass es Porzellanerde war.

Diese Entdeckung und das in den grossen Waldbeständen reichlich vorhandene Brennmaterial liessen in ihm den Entschluss reifen, in Hohenberg eine Porzellanfabrik zu errichten. Im Jahre 1814 übersiedelte er nach Hohenberg und begab sich sofort eifrig an sein Werk. Er wie seine Nachkommen waren Männer der Tat. Sie haben wenig schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen, am wenigsten über ihre persönlichen Erlebnisse. Es ist daher auch über die Einzelheiten der ersten Jahre nur sehr wenig bekannt. Die Porzellanerde vom Steinberg erwies sich im geschlemmten Zustand als ganz unverzügliches Material, und da er auch Feldspat und Quarz im nahen Garmersreuth fand, Holz als Feuerungsmaterial in den umliegenden Wäldern reichlich vorhanden war, bestanden für das junge Unternehmen günstige Vorbedingungen.

Natürlich begann Carl Magnus Hutschenreuther damit, seinen alten Spezialartikel herzustellen. Er fabrizierte Pfeifenköpfe, die er weiss und bunt bemalt bei seiner alten Kundschaft in der Umgebung von Hohenberg absetzte. Als der Betrieb dank dem Fleiss und der Umsicht seines Begründers immer mehr in Flor kam, wurden auch andere Artikel, wie sie Hutschenreuther aus den Porzellanfabriken seiner thüringischen Heimat kannte, aufgenommen. Neben dem Pfeifenköpfen wurden auch Puppenköpfe, Badekinder usw. hergestellt. Mit dieser Erweiterung des Sortiments ging die Erweiterung des Kundenkreises Hand in Hand. Aber nicht nur in der näheren Umgebung machte sich das Hohenberger Porzellan einen Namen, die Konkurrenz der bayerischen Fabrib wurde wegen der Güte ihrer Erzeugnisse nach und nach für die Thüringer Industrie immer fühlbarer.

Carl Magnus Hutschenreuther starb im Jahre 1845 nach einem an Arbeit und Erfolgen reichen Leben. Die kleine Porzellanfabrik, die er 31 Jahre geleitet hat, ging an seine Frau Johanna Hutschenreuther über, die sie mit Unterstützung ihrer Söhne, Christian und Lorenz Hutschenreuther weiterführte. Drei Jahre nach dem Tod des Firmengründers brach über die Fabrik ein Unglück herein, dem sie fast zum Opfer gefallen wäre. Ein Schadenfeuer legte die ganze Fabrik in Asche und da es damals noch keine Feuerversicherung wie heute gab, waren für die Familie die Verluste derart, dass es nur der grossen Energie und dem rastlosen Fleiss zuzuschreiben ist, dass die Fabrik aus Schutt und Asche, grösser, schöner und praktischer wieder emporgestieg.

Das Geschäft blühte unter der vortrefflichen Leitung der Söhne des Gründers. Als auch die Töchter herangewachsen waren und ihre Männer mit in die Leitung der Fabrik eingriffen, schied der älteste der Söhne, Lorenz Hutschenreuther, im Jahre 1856 aus, ging nach Selb und gründete dort unter seinen Namen eine neue Porzellanfabrik. Johanna Hutschenreuther übergab 1960 die Fabrik der zweiten Generation; ihrem Sohn Christian und ihren Schwiegersöhnen Philipp Auvera aus Würzburg und Heinrich Wolf aus Bischofsgrün. Die jungen Kräfte gaben dem Werke eine weitere Ausdehnung und begannen ihm das Feld zu erschliessen, auf dem es seine schönsten Ernten einbringen sollte. Sie nahmen die Herstellung von Vasen und anderen Zierporzellanen, von durchbrochnen Desertservicen, Tafelservicen und endlich auch von Gebrauchsgeschirren aller Art auf.

Das Unternehmen wurde auch käufmännisch immer mehr entwickelt, wobei auch das Wohl der sesshaften Arbeiterschaft nicht aus den Auge gelassen wurde. Es wurde schon 1837 eine Krankenkasse errichtet, die ihren Mitgliedern in Krankheitsfällen freie ärztliche Hilfe, Medikamente und eine Entschädigung für den während der Krankheit entgangenen Lohn gewährte. Die siebziger Jahre bedeuteten für die Hutschenreuther Fabrik einen sehr bedeutenden Schritt nach vorwärts. Ihre Leiter Christian Hutschenreuther, Philipp Auvera und Heinrich Wolf wussten den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung für ihr Unternehmen in umsichtiger Weisse auszunutzen. Dazu kamen wichtige technische Verbesserungen, die an den Namen Albert Hutschenreuther geknüpft sind.

Er war der Sohn von Christian Hutschenreuther. Zu seinem Nachfolger bestimmt, hatte er sich trefflich in der Welt umgesehen und war tief in die Geheimnisse der Porzellantechnik eingedrungen, die damals noch bei weitem nicht so wie heute auf eine feste wissenschaftliche Grundlage gestellt war. Er hatte in Limoges, wo damals das feinste Gebrauchsporzellan hergestellt wurde, in verschiedenen Fabriken gearbeitet, und auch in der königlichen Porzellanmanufaktur zu Kopenhagen hatte er durch längere Tätigkeit seine Fachkenntnisse erweitert. Dazu kamen theoretische Studien und weite Reisen, um seine ausgezeichnete Ausbildung zu vollenden.

Als Albert Hutschenreuther in die Fabrik eintrat und 1877 nach dem Tod seines Vaters Mitinhaber der Firma wurde, konnte er sehr bald zeigen, dass er seine Studienjahre gut angewandt hatte. Zunächst war ein schwieriges technisches Problem zu lösen. Die Fabrik konnte nicht länger bei der Holzfeuerung bleiben, da die umliegenden Wälder sich immer mehr lichteten und das gewohnte Brennmaterial zu teuer wurde. Sie sah sich gezwungen, zur Kohlenfeuerung überzugehen. Albert Hutschenreuther gelang es, die Oefen für dieses Brennmaterial einzurichten und mit der Kohlenfeuerung ein ebenso schönes Porzellan als mit der Holzfeuerung zu erzielen. Die Kohlen mussten aus Böhmen bezogen werden und wurden anfangs mit der Achse von Schwarzenbach a. d. Saale, der damals nächsten Bahnstation, später aus Selb herbeigeschafft werden.

Erst seit 1880, seitdem die Bahnstrecke Marktredwitz-Eger ausgebaut ist, werden die Rohmaterialien von unserer heutigen Bahnstation Schirnding angefahren. Eine weitere nicht minder wichtige technische Neuerung war die Einführung des maschinellen Betriebs. Diese beiden Reformen, die billigere Kohlenfeuerung und die Anwendung von Hilfsmaschinen, die durch Dampfkraft angetrieben wurden, machten es der Fabrik möglich, an die Herstellung von Gebrauchsgeschirren im grossen heranzugehen. Diese Geschirre, also die Tafel-, Kaffee- und Teeservice sowie das Hotelporzellan sind seitdem die Spezialität der Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther geblieben. Je mehr die Fabrik dazu überging, Gebrauchsporzellan zu erzeugen und in diesen Artikel mit den besten Erzeugnissen der deutschen Staatsmanufakturen, der böhmischen und französischen Porzellanfabriken den Wettbewerb aufzunehmen, um so wichtiger wurde es für sie die wirkungsvollsten Bemalungsarten, die für das Porzellan in Frage kommen, anzuwenden und zu verbessern.

Seit jeher ist das schönste Blau, das auf Porzellan in der hohen Temperatur des Glattbrandes durch Kobalt hervorgebracht wird, die Porzellanfarbe gewesen. Schon für das chinesische Porzellan war die Qualität dieses von arabischen Händlern ins Land gebrachten Metalls von der grössten Wichtigkeit für die Schönheit dieses unübertrefflichen Porzellans; der Ruhm der Porzellanmanufaktur von Sevres ist zum grossen Teil an das wundervolle Blau, das mit Recht asl "Bleu Royal" (Königsblau) bezeichnet wird, gebunden.

Dieses Blau in hervorragender Ausführung zu liefern, machte sich Hohenberg zur Hauptaufgabe. Lange Jahre dauerten die Versuche, grosse Summen mussten geopfert werden, bis es der zähen Ausdauer Albert Hutschenreuthers gelang, das Kobaltblau herzustellen. Durch fortwährende Vervollkommnung der Fabrikation und die langen Erfahrungen steht das Hohenberger Kobaltblau in seinem gleichmässigen Ton, seiner Wärme, Tiefe und Leuchtkraft heute unerreicht da. Nicht minder eifrig pflegte Philipp Auvera die Kunst der Porzellanmalerei auf anderen Gebieten. So war die Hohenberger Porzellanmanufaktur wohl die erste, die Aetzen des Porzellans mit Fluss-Säure im grossen ausarbeitete. Die künstlerisch vollendet schönen Muster, die dem Fachmann zeigen, mit welch grosser Umsicht man schon damals verstanden hat, durch verschiedene Techniken, wie Aetzverfahren, Stahldruck und Handmalerei besondere Effekte herauszuholen, werden noch heute bewundert.

Es ist bezeichnet für die ganze Art der Hohenberger Fabrikation, dass eine so subtile Technik, die höchste Sorgfalt erfordert, hier zuerst geübt und zur grössten Vollendung gebracht werden konnte. Diese Tradition in Hohenberg stets nur nach dem Höchsten in technischer und künstlerischer Beziehung zu streben, war in den achtziger Jahren schon so stark geworden, dass Änderungen in der Leitung niemals eine Änderung dieser Grundsätze bedeuten konnten. Weder das Ausscheiden von Philipp Auvera, für den am 1. Juli 1886 sein Sohn Hugo eintrat, noch der am 14. Mai 1887 erfolgte Tod des ebenfalls um die Entwicklung der Porzellanfabrik verdienten Kommerzienrats Wolf konnten die gesunde Entwicklung des Unternehmens zum Stillstand bringen.

Albert Hutschenreuther, der inzwischen ebenfalls zum Kommerzienrat ernannt war, verstand es, von seinem Vetter Hugo Auvera sen., der es hauptsächlich verstanden hat, die Dekorationsart und die Geschmacksmuster zu verfeinern, kräftig zu unterstützt, der Fabrik immer weitere Absatzmöglichkeiten zu schaffen und endlich sogar die ausländische insbesondere die französische Konkurrenz, aus dem Feld zu schlagen. Hierbei war der stärkste Widerstand nicht in der technischen und künstlerischen Qualität der französischen Erzeugnisse, sondern in dem hartnäckigen Vorurteil der deutschen Käufer für die fremdländischen Erzeugnisse, die ihnen nun einmal von altersher im Blute liegt, zu überwinden.

Als im Jahr 1904 Kommerzienrat Albert Hutschenreuther sich nach einer langen, an Erfolgen so reichen Arbeit entlasten wollte, wandelte man die Firma unter Mitwirkung des Bankhauses Gebr. Arnold in Dresden in eine Aktiengesellschaft um. Albert Hutschenreuther trat in den Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft, deren erster Direktor der bisherige Mitinhaber Kommerzienrat Hugo Auvera sen. wurde. Als zweiter Direktor wurde sein Neffe Hugo Auvera jun., heute Generaldirektor des gesamten Konzerns, berufen, der vorher schon einige Jahre im technischen Betrieb der Firma tätig gewesen war. Auch diese äusserlichen Veränderungen blieben ohne Einfluss auf den fest ausgeprägten Charakter der Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther.

Ohne Vernachlässigung der wirtschaftlichen Gesichtspunkte blieb es nach wie vor ihre vornehmste Aufgabe, ihren Platz in der ersten Reihe der Porzellanfabriken in aller Welt durch die Güte und Schönheit ihrer Erzeugnisse zu behaupten. Heute erzeugt die Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther in Hohenberg an der Eger, unter der bewährten Leitung des Direktors Louis Schilling, ausschliesslich Gebrauchsporzellan aller Art in mittlerer bis feinster Ausführung. Ihre Erzeugnisse findet man auf der Tafel des Bürgers, der auf gediegenen Hausrat Wert legt, ebenso wie auf der des amerikanischen Dollarkönigs oder der fürstlichen Prunktafel. Die vornehmsten Hotels und Restaurants der Welt verwenden Hohenberger Porzellan.

Zu dieser weiten Verbreitung haben in erster Linie seine vorzüglichen Eigenschaften beigetragen. Zu der äusseren Schönheit der Muster, der peinlichen Sorgfalt in der Ausführung der Dekoration tritt die Festigkeit des nicht spröden Scherbens und die ausserordentliche Härte der Glasur. Gerade diese Eigenschaften, die eine ausserordentliche lange Lebensdauer des Hohenberger Porzellans auch bei stärkstem Gebrauch verbürgen, dürften zu seiner Verbreitung und Beliebtheit im Hotel und Restaurationsbetrieb nicht wenig beigetragen haben. Aber auch die sorgsame Hausfrau, die ihre Service zu den wohlbehüteten Schätzen des Haushalts rechnet, weiss diese Eigenschaften zu würdigen, wenn sie sich mit dem makellosen und doch nicht kalten Weiss, vornehmen Formen und geschmackvollen Verzierungen vereinigen. Seit dem Jahre 1909 ist die Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther auch Besitzerin der grossen böhmischen Porzellanfabrik Moritz Zdekauer in Altrohlau bei Karlsbad, die ebenfalls Gebrauchsgeschirr hergestellt.

Am 2. Oktober 1918 genehmigte die Generalversammlung den Erwerb der Porzellanfabrik Carl Auvera in Arzberg. Diese Fabrik die dem Vater des Hugo Auvera jun. gehörte, stellte in vier Oefen technisches Porzellan und Pfeifenköpfe her und hatte sich in diesem Geschäftszweig eine führende Stellung errungen. Nach dem Tode meines Vaters beschlossen die Erben die Fabrik zu veräussern und so erfolgte die Angliederung an das stammverwandte Hohenberger Unternehmen.

1923 wurde Arzberg mit Rücksicht auf die ungünstige Marktlage für Pfeifen und technisches Porzellan auf Gebrauchsgeschirr umgestellt. Gleichfalls 1918 wurden die Aktien der Aktiengesellschaft Steinfels vorm. Heinrich Knab in Steinfels erworben. Diese Gesellschaft war hervorgegangen aus dem vom Kommerzienrat Knab, dem Schwiegervater des Generaldirektors Hugo Auvera, jahrzehntelang bewirtschafteten Schlossguts Steinfels, Post Parksteinhütten (Oberpfalz) und den auf diesem Gelände von ihm geführten Industriebetrieben. Das Eigentum der Aktiengesellschaft Steinfels stetzt sich zusammen aus: der Schlosswirtschaft mit etwa 400 ha Grundbesitz, einen Pegmatitwerk, das im Untertagebau Pegmatit einen wichtigen Bestandteil der zur Herstellung des Porzellans benötigten Masse gewinnt.

Dieses Pegmatit wird nicht nur an die zur C.M. Hutschenreuther A.-G. gehörigen Porzellanfabriken, sondern auch durch Vermittlung einer später gegründeten eigenen Verkaufsgesellschaft, der Keramischen Rohstoffgesellschaft m.b.H. in Leipzig an zahlreiche fremde Porzellanfabriken verkauft. Ferner gehört ein Lithinwerk dazu. Soweit das Pegmatit nicht für die obengenannten Zwecke benötigt wird, wird es nach einem eigenen Verfahren zur Herstellung von Edelputz dem sogenannten Lithin verwendet. Dieser Edelputz dient als Fassadenbewurf und wird durch eine in Dresden befindliche Verkaufsabteilung innerhalb Deutschlands und nach dem Ausland vertrieben. Ein Kunststeinwerk stellt Kunststeine aller Art, insbesondere Bedachungssteine her, die in der landwirtschaftlichen Umgebung Absatz ihren finden.

Ein Sägewerk schneidet sowohl den Holzanfall des eigenen Waldes wie auch fremdes Holz und bringt es in den Handel. Schliesslich gewinnt das Elektrizitätswerk der Aktiengesellschaft Steinfels den für die vorbezeichneten Anlagen benötigten Kraftantrieb und wird durch eine eigene Wasserkraftanlage (120 PS) gespeist. Soweit der elektrische Strom nicht von den Werken selbst verbraucht wird, wird er an die Naabwerke in Weiden abgegeben. Aus organisatiorischen Gründen hat die Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther A.-G. die vorstehenden Betriebe und zwar den landwirtschaftlichen und die industriellen von der Aktiengesellschaft Steinfels gepachtet und betreibt sie unter eigenen Namen.

Die Generalversammlung vom 29. Mrz 1920 genehmigte den Erwerb der Aktienmehrheit der Porzellanfabrik C. Tielsch & CO. in Altwasser in Schlesien. Diese im Jahre 1845 gegründetete Porzellanfabrik kann heute als eines der leistungsfähigsten deutschen Werke für Stapelware angesprochen werden. Unter der Leitung des verstorbenen Direktor Georg Faist hat die Firma als erste deutsche Porzellanfabrik die bis dahin überall üblich gewesene Form der Rundöfen verlassen und dafür das zum Brennen von Porzellan bis dahin noch nicht angewandte Tunnelofensystem praktisch und mit Erfolg durchgeführt. Durch den Erwerb der Aktienmehrheit gewann die Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther A.-G. den massgebenden Einfluss auf die Verwaltung der Porzellanfabrik C. Tielsch. Infolgedessen kam, als die Generaldirektion des C.M. Hutschenreuther Konzerns im Jahre 1921 nach Dresden in das neuerbaute Verwaltungsgebäude verlegt wurde, auch die Direktion der Porzellanfabrik C. Tielsch dahin. Inzwischen hat die Porzellanfabrik C. Tielsch & CO. A.-G. infolge der Anlehnung an den kräftigen C.M. Hutschenreuther Konzern Gelegenheit gehabt, ihre Anlagen zu erweitern und zu modernisieren. Ausser einer den neuesten Errungenschaften der Technik entsprechenden Massemühle sind zwei weitere Tunnelöfen gebaut worden, so dass diese Fabrik heute über zehn Porzellanrundöfen, vier Tunnelöfen und vier kontinuierliche Muffeln verfügt und mehr als 1300 Arbeitern und Angestellten Beschäftigung bietet.

Im Jahre 1921 gründete die Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther in Radeberg bei Dresden eine Zahnfabrik zur Erzeugung von künstlichen Zähnen. Die Zähne werden nach einem besonderen Verfahren hergestellt und haben sich in den wenigen Jahren seit der Gründung der Fabrik nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland grosse Beliebtheit verschafft. Die Wissenschaft und die Praxis stimmen darin überein, dass der Saxonia Zahn, der in der Dentalbranche als Zahn der Zeit bekannt geworden ist, allen in- und ausländischen Fabrikaten mindestens ebenbürtig ist. Der Vertrieb der Saxonia Zähne erfolgt durch die Saxonia-Dental Verkaufsgesellschaft A.-G. in Dresden. Zum Erwähnen bleibt noch die Umwandlung der zum Hutschenreuther Konzern seit 1909 gehörigen Porzellanfabrik Moritz Zdekauer G.m.b.H. in Altrohlau bei Karlsbad in eine Aktiengesellschaft.

Diese Umwandlung war nötig, weil die tschechisch-slowakische Republik die Beibehaltung der bisherigen Form der Angliederung der Altrohlauer Fabrik an ein deutsches Unternehmen nicht zuliess. Durch die Gründung der Altrohlauer Porzellanfabrik A.-G. in Altrohlau bei Karlsbad wurde es möglich, die alte Beteiligung der Firma Hutschenreuther zu erhalten. Endlich bleibt hervorzuheben, den Erwerb der Dresdner Porzellanmalereien Richard Klemm Donath & CO. und Richard Wehsener. Diese altbekannten Betriebe wurden zu einem Unternehmen verschmolzen und als Kunstabteilung Dresden dem Konzern angegliedert. Gestützt auf die grosse Tradition der Stammfabrik hat die Kunstabteilung Dresden es sich zur Aufgabe gemacht, ausschliesslich vollendete Handmalereien ausgeführt von den besten Porzellanmalern nach künstlerischen Entwürfen, auf dem Markt zu bringen.