Christian Fischer Boehmischer Porzellanpionier
Böhmischer Porzellanpionier
Aus der Verwandtschaft des großen Thüringer Porzellan-Industriellen Christian Nonne stammte Christian Fischer, dem Böhmen durch seine Fabrik in Pirkenhammer bei Karlsbad entscheidende Impulse in der Herstellung von Fein- und Kunstporzellan verdankt. Sein Großvater Johann Poppo Fischer hatte 1774 von Christian Nonne dessen Haus zum Keller in Erfurt gekauft und dort ein Tuchgeschäft betriebeti. Doch schon sein Vater Johann Martin Fischer (1767-1816) kaufte 1811 die Porzellanfabrik von Pirkenhamrner, die im Jahre 1803 vorn thüringischen Gutsbesitzer Friedrich Hoecke aus Buttstedt errichtet worden war, aber nicht vorwärts karn. Joh. Martin Fischer nahm für seinen neuen Betrieb den jungen Reichenbach, einen Porzellaner vom Fach aus der Schule Nonnes, zu seinem "Compagnon", behielt aber sein Erfurter Geschäft bei. Da er erkannte, daß zu einem wirklich rationellen Betrieb eine wissenschaftliche Vorbildung unerläßlich war, ließ er seinen Sohn dementsprechend auf dem Erfurter Ratsgymnasium und darnach auf dem pharrnazeutischen Institut des großen Chemikers Prof. Trommsdorf ausbilden. Als Johann Martin Fischer schon 1816 starb, war sein Sohn Christian (geb. 24. 5. 1801) erst 15 Jahre alt.
Nach Abwicklung der Erbgeschäfte ging der junge Mann nach Pirkenhamrner, wo er am 9. Mai 1817 eintraf, um für Rechnung der Familie die Leitung des unter der Bezeichnung "Fischer & Reiehenbachll eingetragenen Fabrikbetriebes zu übernehmen.Christian Fischer gelang es bald, durch unausgesetztes Forschen und Experimentieren, seine Fabrikate in Bezug auf Güte der Masse und Schönheit der Form zu einer Höhe zu bringen, durch die sie mit den Erzeugnissen der berühmtesten Fabriken des Inlandes und des Auslandes wetteifern konnten. Selbstverständlich verwendete er den hochwertigen Kaolin, ja er soll sogar eigene Gruben dort besessen haben. Seine Fabrik wurde 1822 zu einer Kaiserlich Königlich Privilegierten erklärt, und Fischer erhielt die Erlaubnis, im gesamten österreichischen Staatsgebiet Verkaufslager unter seinen Firmennamen aufstellen zu dürfen. Schon 1824 erklärte Stephan v. Kreeß das porzellan von Pirkenhammer für das beste, das in Böhmen zeugt wurde, besonders sei es durchscheinender, als das anderer Fabriken. Bei der Prager Ausstellung 1829 erhielt Pirkenhammer eine bronzene Medaille und "die Reinheit der Masse, die Schönheit der Formen und Verzierungen und die schöne und hohe Vergoldung" wurden besonders gerühmt. Im gleichen Jahre erhielt die Fabrik ein Privilegium für das Drucken von Dekoren von Metallplatten auf Porzellan unter Glasur und die Erlaubnis zur Aufstellung einer Kupferdruckpresse. Im Jahre 1831 beschäftigte Christian, Fischer in Pirkenhammer 36 Dreher, 37 Maler, Vergolder und Kupferdrucker, 16 Polierer und Hilfsarbeiter, mit dem Büropersonal insgesamt 130 Personen, die vielen mit der Herbeischaffung der Rohmaterialien beschäftigten Arbeiter nicht mit eingerechnet. Die Beurteilungskommi.~sion der Prager Ausstellung vom Jahre 1831 lobte insbesondere: Mannigfaltigkeit der Erfindung, Fügsamkeit in dem Geschmack des Augenblir-ks, unausgesetzte Aufmerksamkeit auf die Fortschritte des Auslandes. Trefflich gelungen seien von größeren Stücken Vasen, welche das glückliche Streben der Fabrik nach Intelligenz und höherer kunstsinnigen Vollendung bekundeten.
Am 20. November 1832 heiratete Christian Fischer die Tochter des württembergischen Oberregierungsrates Joh. Friedrich Ludwig Mieg aus Ludwigsburg, Emma Caroline Mieg (geb. 23. 1. 1810). Die Miegs entstammten einem alten Patriziergeschlechte aus Straßburg. Seine Gemahlin schenkte ihm sieben Kinder, sechs Töchter und einen Sohn namens Rudolf. Fünf Töchter verheirateten sich glänzend, die jüngste, namens Emma, bei deren Geburt die Mutter 1849 starb, blieb unvermählt und verschied schon mit 18 Jahren. Christian Fischers Sohn Rudolf aber, der in die Fabrik in Pirkenhammer eingetreten war, heiratete Berta Knoll, die Tochter des Gründers der Porzellanfabrik in Karlsbad-Fischern, Carl Knoll.Christian Fischer führte seine Fabrik in Pirkenhammer von Erfolg zu Erfolg. Im Jahre 1839 erhielten ihre Erzeugnisse auf der 2. Wiener Ausstellung die goldene Medaille. Der hohe Standpunkt, der gute Geschmack, die Reinheit der Masse, die Glätte der Glasur und auch die Malerei wurden über alle Maßen gelobt. Bei der Ausstellung vom Jahre 1845 endlich war Christian Fischer Mitglied der Zentral-Hofkommission, und die Fabrik befand sich daher außer Wettbewerb, was als höchste Auszeichnung galt Als sich 1846 Reichenbach zur Ruhe gesetzt und sich ein Landgut bei Saaz gekauft hatte, erwarb Christian Fischer dessen Anteil an der Fabrik in Pirkenhammer für 110 000 Gulden. Im Jahre 1852 heiratete Fischers älteste Tochter Wilhelmine ihren Vetter Ludwig von Mieg, und die Firma erhielt 1853 den Namen "Fischer & Mieg". Seine selbständige Bedeutung und seine bleibende Eigenart in der Geschichte der Porzellanerzeugung hat aber die Porzellanfabrik Pirkenhammer nur durch Christian Fischer erhalten.
Da Christian Fischer schon 1841 in Zwickau in Sachsen ein größeres Haus und ein kleines Gut in der Umgebung der Stadt gekaufi hatte, errichtete er dort eine zweite Porzellanfabrik. 1845/46 entstanden die Fabriksanlagen und ein stattliches Wohnhaus. Die Firma aber hieß dort allein "Christian Fischer". Auch diese Fabrik blühte unter seiner bewährten Leitung auf und belieferte vor allem das Rheinland. Großes Geschick entwickelte Fischer hier in der Bereitung von Porzellanfarben. Sein Korallenrot .wurde damals als unerreicht bezeichnet. Christian Fischer war aber nicht nur ein tüchtiger Fabriksherr und Chemiker, er war auch ein Freund der lateinischen Klassiker und der Musik, er war ein ausgezeichneter Botaniker und Geologe. Durch die Entdekkung von Infusorien im Biliner Sandstein gewann er die Freundschaft von Leopold von Buch und von Ehrenberg. In Zwickau wirkte er auch im Stadtrat. Als Vorbild für die industrielle Entwicklung Sachsens wurde er mit mehreren Orden ausgezeichnet, und zur großen IndustrieAusstellung im Jahre 1862 wurde er als Mitglied der Jury für -die gesamten deutschen Zollvereinsländer abgeordnet. Hochbetagt, von seinen Mitbürgern geehrt und geliebt starb Christian Fischer am 18. April 1892.
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