Ausstellung Eisennach
Die Ausstellung im Eisenacher Stadtschloss zeigt ab 24. April die Geschichte des „weißen Goldes“ in Thüringen Auch in Thüringen wurde das Porzellan erfunden. Drei Männern gelang es um 1760, das „weiße Gold“ zu schaffen. Zum Jubiläum „250 Jahre Thüringer Porzellan“ haben sich 24 Institutionen im Freistaat zusammengetan. Das Thüringer Museum Eisenach mit seiner bedeutenden Porzellansammlung präsentiert sich aus diesem Anlass im sanierten Stadtschloss am Markt mit der neu gestalteten Dauerausstellung: „Reise durch das Thüringer Rokoko - Die Erfindung des ,Weißen Goldes‘ in Thüringen vor 250 Jahren“. Sie wird am Samstag, 24. April um 15 Uhr eröffnet.
Überdies wird es ab 13. Juni im Schloss am Markt eine Sonderausstellung geben, in der Ansich-tenporzellane aus dem Fundus des Museums gezeigt werden. Im 1. Obergeschoss des Stadtschlosses am Marktplatz - der Beletage - wartet das Thüringer Museum mit der neuen Dauerausstellung auf, die dem „weißen Gold“ gewidmet ist. Die Nacherfindung des Porzellans durch drei Thüringer - Georg Heinrich Macheleid, Johann Wolfgang Hammann und Johann Gotthelf Greiner - ereignete sich um 1760 und damit vor 250 Jahren. Diese bahnbrechende technische Innovation veränderte das Leben der Menschen grundlegend. In der neuen Dauerausstellung begeben sich die Besucher auf eine Zeitreise durch das Thüringer Rokoko, aufgeteilt in folgende Etappen:
Von laborierenden Apotheken: Experimentierfreudige Alchimisten suchten und entdeckten das Porzellan in ihren Küchen. Im Thüringer Museum Eisenach gibt es eine solche ehemalige Alchimistenküche in originalem Zustand zu sehen - die „Schwan-Apotheke“ aus dem 17. Jahrhundert mit Kupferkessel, Farbenreibe, Destillierkolben und Retorten.
Beinglas und Fayence als Ersatz für „ächtes porcellain“ – Chinamode und Chinoiserien in Thüringen: Schon im 8. Jahrhundert wurde in China Porzellan hergestellt. Bis zur Neuerfindung durch Böttger in Dresden 1709 wurde in Europa lange experimentiert. Dabei entstanden Produkte, die als Porzellanersatz galten, wie beispielsweise Beinglas und Fayence. Gleichzeitig herrschte an den europäischen Höfen des 17. Jahrhunderts die Chinamode. Dokumentiert wird dies in der Ausstellung mit thüringischen Beingläsern und Fayencen. Auch Chinoiserien sind hier zu besichtigen.
Thüringer Erfindergeist und bahnbrechende Entdeckungen - Georg Heinrich Macheleid, Johann Wolfgang Hammann und Johann Gotthelf Greiner finden das Arkanum Georg Heinrich Macheleid (1723 - 1801) widmete sich ab 1755 der Porzellanherstellung. 1760 erwirkte er das Privileg zur Gründung einer Porzellanmanufaktur. Johann Wolfgang Hammann (1713 - 1785) gelang es 1762 zusammen mit Johann Georg Dümmler erstmals, Porzellan zu brennen. In Limbach experimentierte Johann Gotthelf Greiner (1732 - 1792) um 1760 ebenfalls, um das Geheimnis der Porzellanherstellung zu lüften. Gezeigt werden in diesem Raum frühe Stücke aus den von diesen drei gegründeten Manufakturen Limbach, Volkstedt und Wallendorf, darunter das älteste Wallendorfer Service.
Auswärtige Arkanisten und höfische Manufakturen - Frühe Erzeugnisse aus Gotha, Ilmenau und Closter Veilsdorf: Dieser Abschnitt widmet sich anhand früher Stücke und mit Hilfe dokumentarischer Zeitzeugnisse der Gründung dieser namhaften Fabriken. Die Alt-Veilsdorfer Porzellane gehören zu den künstlerisch ausgereiftesten in ganz Thüringen. Gezeigt werden sie zusammen mit Stücken aus Gotha und grafischen Vorlagen.
Die Tafel ist gedeckt – fürstliche Repräsentation im Stadtschloss: Hier ist eine herrschaftlich fein gedeckten Schlosstafel zu sehen: Geschliffene Gläser, Besteck, Fischgabel, Spülkummen, Wasserkanne, Schaugerichte, Damast-Servietten und das Alt-Brandenstein-Tafelservice aus der Volkstedter Werkstatt, das zu den ältesten Erzeugnissen aus dieser Manufaktur zählt. Dokumentiert wird so die neue Tafelkultur, die sich an den Höfen Europas im Barock und Rokoko durchsetzte.
Schäferstündchen und andere Vergnügungen – Porzellan und Luxusware an den Höfen Thüringens: Dieser Raum war einst Festsaal im Eisenacher Stadtschloss. Zu sehen gibt es hier eine Dokumentation über den fürstlichen Erbauer und seine wichtigsten Schlösser in der Nebenresidenz Eisenach. Exponate aus dem 18. Jahrhundert - Porzellane, Fayencen, Grafiken, eine Seidendecke mit Schäferszenen sowie Galanterien - zeigen die Welt der Jagd, Spiel, Musik und Kunst. Ein Porzellanschreibtisch aus der Manufaktur Wallendorf erinnert an die Briefkultur am Hofe.
Dokumentiert wird durch diese Zeitreise nicht nur, wie in den thüringischen Markgrafen-, Herzog- und Fürstentümern des ausgehenden 18. Jahrhunderts Menschen aller gesellschaftlichen Ebenen vom Porzellanfieber erfasst wurden. Sie zeigt auch, wie in Thüringer Manufakturen einerseits Gebrauchsgegenstände, aber auch kostbare Einzelstücke aus Porzellan geschaffen wurden. Und nicht zuletzt wird deutlich, wie das Porzellan den Alltag der Menschen stark veränderte. In der Stilepoche des Rokoko, in der die Nacherfindung des Porzellans in Thüringen und die Errichtung der ersten Manufakturen fällt, sind auch die Kabinette des Eisenacher Stadtschlosses entstanden, in denen nun die Ausstellung zu sehen ist. Die Besucher befinden sich also an einem authentischen Ort. Mit ihren historischen Dielenfußböden und Türen, profilierten Wandgesimsen, reich mit Rocaille verzierten Decken und Ecknischen bezeugen die Räume den ursprünglich repräsentativen Charakter, der dem Hauptgeschoss innewohnte.
Sonderausstellung ab 13. Juni Ansichtenporzellane Eine weitere Ausstellung im Rahmen des Jubiläums „250 Jahre Thüringer Porzellan“ wird am 13. Juni im Thüringer Museum eröffnet: Im Marstall des Eisenacher Stadtschlosses sind dann Ansichtenporzellane aus dem Fundus des Museums zu sehen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert gehörte es zum guten Ton, sich mit Porzellan zu umgeben. Ende des 19. Jahrhunderts war das „weiße Gold“ bereits zu einem selbstverständlichen Alltagsgut geworden. Dies unterstreichen auf beredte Art die sogenannten Ansichtenporzellane. Sie wurden Reisenden als Souvenir angeboten, die es in die touristisch neu erschlossenen Regionen Thüringens zog. Die Sonderausstellung im Marstall des Stadtschlosses thematisiert damit einen ganz eigenwilligen Aspekt in der Geschichte der Porzellanproduktion, der fast modern anmutet. Zugleich erinnert es an die Anfänge des Tourismus im grünen Herzen Deutschlands. Die Ausstellung dauert vom 13. Juni bis zum 15. August
Die Sammlung des Thüringer Museums Eisenach Zu den Sammlungsbereichen des Thüringer Museums Eisenach gehören Alt-Thüringer Porzellan, Fayence, Glas, Grafik, Malerei und Volkskunde. Das Thüringer Museum begann gezielt, Por-zellan aus allen frühen Manufakturen Thüringens bereits ab dem Jahr seiner Gründung 1899 zu sammeln. Die Sammlung gehört heute zu den größten dieser Art. Das Konvolut ist auf 1.600 Porzellane angewachsen – herausragende Arbeiten aus verschiedenen Werkstätten Thüringens gehören zu den qualitativen Höhepunkten der Kollektion.












