Arzberg
Carl Schumann
Carl Schumann AG | Arzberg 1872 wurde die Porzellanfabrik als Tonwarenfabrik durch Heinrich Schumann gegründet. 1881 musste das Werk den Eisenbahnbau weichen. Das neue Stammwerk wird in Arzberg (Oberfranken) errichtet. Die beiden Söhne Schumann Christoph und Carl sind in den väterlichen Fabriken tätig. 1905 Gründung der Keramischen Werke GmbH Duisdorf und der Firma Schumann und & Schreider, Porzellanfabrik Schwarzenhammer. 1926 Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.Die historischen Wurzeln der Carl Schumann Porzellanfabrik reichen in das Jahr 1872 zurück, als Christian Heinrich Schumann in Arzberg mit der Herstellung von Tonwaren begann.
Das eigentliche Geburtsjahr der Porzellanfabrik ist das Jahr 1881, als der Betrieb auf die Porzellanfertigung umstellte. 1896 trat sein Sohn Carl Schumann als Nachfolge an und baute bis zu seinem Tode 1926 das Unternehmen ständig aus. Schumann begründete für die damalige Zeit vorbildliche soziale Einrichtungen. Im sogenannten Röslau-Gebäude befanden sich Unterkünfte für auswärtige Mitarbeiter, eine Bibliothek mit Lesesaal und eine Werkskantine. Das Werk ihres Vaters, des inzwischen zum Geheimrat ernannten Carl Schumann, setzten die Söhne Carl und Heinrich beharrlich fort. Auch sie sahen im Unternehmertum auch eine soziale Verpflichtung. So sorgte die Firma nach dem letzten Krieg beispielhaft für sudetendeutsche Vertriebene und gab ihnen Arbeit und Unterkunft. Dafür sorgte die 1950 gegründete Schumann-Wohnungsbau GmbH. Den Höchststand an Mitarbeitern, 1053 Arbeitern und Fachleuten in der Fertigung sowie rund 70 Angestellten, hatte die Fa. Schumann in den Jahren 1953/54. Für die Fertigung waren damals drei Rundöfen und drei komplette Tunnelöfenanlagen in Betrieb.
Durch Modernisierung, Rationalisierung und Sortimentsbereinigung hat sich die Zahl der Beschäftigten auf 350 reduziert. Carl Schumann starb, als ehemaliger Bürgermeister und Ehrenbürger von Arzberg, im Alter von 78 Jahren. Sein Werk setzte der Sohn Dr. Carl Schumann fort, der das Unternehmen als Aktiengesellschaft übernahm und fortführte.1981 feierte die Porzellanfabrik ihr 100 jähriges Bestehen.
Dipl.-Kfm. Sabine Schaefer, eine Enkelin des 1926 verstorbenen Geheimrats Carl Schumann, setzte nun mit der Übernahme der Geschäftsleitung 1981 die Familientradition des Unternehmens fort, das Marktbeziehungen nicht nur im Inland, sondern auch in zahlreichen europäischen Ländern und in Übersee unterhielt.Der Betrieb fusionierte 1990 mit den Gebr. Frank GmbH & Co. KG. Die 'Vereinigte Porzellanwerke Carl Schumann Arzberg Colditz Freiberg' wurden 1995 endgültig geschlossen.
Arzberg Porzellanfabrik Abteilung Lorenz Hutschenreuther
Die 1887 von Christoph Schumann gegründete Fabrik wurde 1891 an Theodor Lehmann verkauft. 1903 wurde sie von der Porzellanfabrik Schönwald übernommen und ging mit dieser 1927 in den Kahla Konzern über. Kriegsbedingten Produktionseinschränkungen und Zerstörungen von Teilen der Anlagen erfolgten 1946 durch die Enteignung der in der sowjetischen Zone befindlichen Werke die Zerschlagung des Kahla Konzerns. Mit der Verlegung seines Firmensitzes nach Bayern begann in den Betriebsanlagen in Arzberg, die nach Plänen von Hermann Gretsch wieder aufgebaut worden waren, jedoch eine rasante Entwicklung. Um die Mitte des Jahrzehntes reichten die Anlagen in Arzberg nicht mehr aus, so dass ein Zweigwerk in Schwandorf errichtet wurde zu Beginn der 1960er Jahre technisch vollständig erneuert. Auch nach der 1972 erfolgten Fusion der Kahla AG und der Hutschenreuther AG führte die Porzellanfabrik Arzberg ihren Namen weiter. 1998 ging die Fabrik in den Besitz der Winterling Porzellan AG in Kirchenlamitz über und wurde nach deren Insolvenz 2000 von der SKV Porzellan Union GmbH in Schirnding übernommen. Die Fertigung in Arzberg wurde Ende des Jahres 2001 eingestellt. Es steht ausser Zweifel, dass der Rückgriff auf die seit der Mitte der 1930er Jahre entstandenen Entwürfe von Hermann Gretsch, die teilweise bis 1971 in der Produktion blieben, den raschen wirtschaftlichen Aufstieg nach dem Krieg begünstigte.
Die Bedeutung von Arzberg in den 1950er und 1960er Jahren gründet sich jedoch im wesentlichen auf die Service Entwürfe von Heinrich Löffelhardt. Als ein Höhepunkt kann das 1954 entstandene Service 2000 angesehen werden, das bis 1977 in der Fertigung blieb. Die Entwürfe Löffelhardt fanden bei der Kritik starke Beachtung und wurden auch international vielfach prämiert, so auf den Mailänder Triennalen von 1954, 1957 und 1960. Wirtschaftliche Entwicklung der Porzellanfabrik Arzberg von 1887-1987
Namentlich erinnerte Geißenhörner bei seiner Festtagsrede zur 700 Jahrfeier 1968 in Arzberg an die Verdienste dreier Männer, die den Grundstock für die spätere Blüte der drei Arzberger Porzellanfabriken in den 80er und 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts legten, ohne im eigentlichen Wortsinn auch deren Gründer zu sein. Es sind zwei gebürtige Thüringern und ein Niederländer: Carl Schumann, Theodor Lehmann und Carl Auvera (1904 zugehörend zur C.M. Hutschenreuther AG)
Die Anfänge der Porzellanfabrik Arzberg 1887-1902
Die Gründer der Porzellanfabrik unterhalb der sog. Jakobsburg an der Eisenbahnlinie Marktredwitz-Schirnding-Eger, durch die Arzberg seit November 1879 an das Eisenbahnnetz angeschlossen war, ist Christoph Schumann (1864-1916) aus Angelroda in Thüringen. Sein Vater Heinrich Schumann hatte seit 1872 in Arzberg eine kleine Tonwarenfabrik betrieben, die jedoch den Eisenbahnbau weichen musste. Für den Erlös von 28.000 Mark entstand 1881 am Marktplatz, mitten in der Stadt, das Stammwerk der später nach dem älteren Sohn benannten Porzellanfabrik Carl Schumann. Wohl als Folge der Erbauseinandersetzung machte sich Christioph Schumann 1887 im Alter von 23 Jahren selbstständig. Seine mit zwei Brennöfen ausgestattete Porzellanfabrik beschäftigte schon im Gründungsjahr 90 Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Fabrik wurde durch Theodor Lehmann 1890 übernommen und brachte sie in wenigen Jahren auf einen Stand, dass sie schon 1905 560 Beschäftigte zählen konnte.
Christoph Schumann verzog nach Schwarzenhammer bei Selb. Dort starb er 1916 als Mitinhaber der Porzellanfabrik Schumann & Schreier. Nach einem Bericht der Arzberger Zeitung meldete Theodor Lehmann im Januar 1892 den Geschäftsbetrieb der von Christoph Schumann käuflich erworbenen Porzellanfabrik unter der Firma Lehmann & Roßberg mit 94 Arbeitern an.
Theodor Lehmann stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in der Stadt Kahla im Herzogtum Sachsen-Altenburg. Hier war er am 23.März 1864 als viertes Kind des Fabrikanten Carl August Lehmann geboren. Carl August Lehmann betrieb eine Papier- bzw. Pappenfabrikation und später auch eine Massemühle zur Porzellanherstellung. Die von ihm belieferte Porzellanfabrik an der Bahnhofstrasse in Kahla übernahm er schliesslich selbst aus der Konkursmasse. Diese sog. Lehmannsche Porzellanfabrik mit fünf Rundöfen mitsamt der Massemühle an der Saale erbten die beiden jüngsten Söhne Carl August und Theodor zu gleichen Teilen, als der Vater am 31. August 1888 starb. Die beiden Söhne verkauften sie schon im folgenden Jahr an die neu gegründete Aktiensgesellschaft Porzellanfabrik Kahla in Kahla. Mit der Umwandlung der 1760 gegründeten Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf in eine Aktiengesellschaft hatte Dr. Gustav Strupp, Mitinhaber der Bankhauses B.M. Strupp in Meiningen, im Jahre 1884 den Anfang gemacht mit den grossen Kapitalumschichtungen in der Thüringer Porzellanindustrie. 1886 tat die Porzellanindustrie Königszelt in Schlesien den gleichen Schritt, und wiederum knapp zwei Jahre später gelang Strupp am 5.Januar 1888 die Neubegründung der seit 1844 bestehenden Porzellanfabrik Kahla als Aktiengesellschaft. Die Kahla AG entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Kernbetrieb des immer weiter ausgreifenden Strupp Konzerns. Im Jahre 1889 erwarb sie nicht nur die bereits genannte Lehmannsche Porzellanfabrik, sondern errichtete gleichzeitig in Hermsdorf eine Tochterfabrik mit zehn Brennöfen.
Theodor Lehmann begegnet uns 1890 als Angestellter der Porzellanfabrik Kahla. Sie sandte ihn als Prokuristen in die soeben gekaufte Porzellanfabrik Zwickau in Sachsen. Zusammen mit Max Rückert übernahm er die Leitung, ging jedoch schon im folgenden Jahr nach Arzberg, erwarb von dem gleichaltrigen Christoph Schumann dessen junge Porzellanfabrik und gründete 1892 die bereits erwähnte Firma Lehmann & Roßberg. Unbekannt ist das Geschäftsverhältnis von Lehmann und Roßberg. Aus den von der Stadtsparkasse Arzberg aufgezeichneten Eingängen an Kommunalsteuern und städtischen Umlagen geht hervor, dass die Zahlungsanweisungen von 1892-1897 durch die Firma Lehmann & Roßberg erfolgten; erst seit 1898 zeichnete danach die Firma Theodor Lehmann. Wahrscheinlich erfolgte jedoch zumindest für 1897 routinemäßig eine nicht korrekte Eintragung der Firma. Denn auf einer überlieferten Rechnung vom 16.Juli nennt sie sich bereits Theodor Lehmann Porzellanfabrik. Zwar liegen keine Produktionsziffern vor; aber indirekt beweisen die seit 1895 Jahr für Jahr beim Arzberger Magistrat vorgelegten und von diesem genehmigten Bauanträge für Um-, Erweiterungs- und Neubauten auf dem Gelände der Porzellanfabrik Theodor Lehmann einen ausgezeichneten Geschäftsverlauf. So entstanden in den Jahren 1898 und 1899 je ein neuer Rundofen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten auf 180; und als Ende 1900 zwei weitere Brennöfen die Produktion aufnahmen, stieg die Belegschaft sogar auf 290 Mitarbeiter an.
Mit der wachsenden Kapazität durch die Inbetriebnahme neuer Brennöfen in Arzberg nahm der Porzellanexport in die USA immer mehr zu; und am 20.Dezember 1901 verpflichtete sich Theodor Lehmann gegenüber der Berliner Niederlassung der New Yorker Firma Geo. Borgfeldt & CO. zur Lieferung von Porzellan im Wert von 480.000 RM Jährlich für die Jahre 1902, 1903 und 1904 und zwar in monatlichen Lieferungen im Wert von je 40.000 RM. Dieser Grossauftrag beschleunigte ohne Zweifel im Frühjahr 1902 eine nochmalige Vergrösserung der Fabrikgebäude, die allerdings Anfang Mai durch einen Großbrand unterbrochen wurde. Das genaue Ausmaß der Zerstörungen ist nicht bekannt; sie waren jedoch so erheblich, dass Lehmann sich am 23.Mai als Bürgermeister förmlich bis Ende Juni beurlauben liess wegen der Inanspruchnahme beim Wiederaufbau seiner durch Brand zerstörten Fabrik. Da zumindest ein Brennofen ausgefallen war, geriet die Firma jedenfalls auch in Schwierigkeiten, vertraglich vereinbarte Porzellanlieferungen termingerecht auszuführen. Hier dürfte der Anlaß zu suchen sein für Lehmanns Bemühungen um eine Kooperation bzw. auch einen Zusammenschluß seiner Fabrik mit einer leistungsfähigen anderen Firma. Die Verhandlungen führten schliesslich im Mai 1903 zum Verkauf der Porzellanfabrik Theodor Lehmann an die Porzellanfabrik Schönwald AG.
Die Entwicklung der Porzellanfabrik Arzberg als Porzellanfabrik Schönwald, Abteilung Arzberg
Die 1879 gegründete Porzellanfabrik von Johann Nikol Müller in Schönwald hatte sein Sohn Friedrich im Jahre 1898, zwei Jahre nach dem Tod des Vaters und nach dem Auscheiden seiner Brüder aus der Firma, in eine AG umgewandelt und ging in den Einflussbereich des Strupp Konzerns über. Friedrich Müller leitete als angestellter Direktor indes weiterhin die Geschäftsführung. Die Fabrik verfügte über 12 Brennöfen, als Lehmanns Betrieb mit seinen 6 Rundöfen in die AG eingegliedert wurde, als Porzellanfabrik Schönwald, Abteilung Arzberg. Der Aufsichtsrat bestellte unter dem Vorsitz des Kommerzienrats Dr. Gustav Strupp am 2.Juni 1903 die Herren Lehmann und Müller zu gleichberechtigten Direktoren. Um sich ganz seinen neuen Aufgaben als angestellter Direktor in Arzberg und Schönwald widmen zu können, legte Theodor Lehmann mit Wirkung vom 7. Juli 1903 sein Amt als Bürgermeister der Stadt Arzberg nieder.
Doch schon wenige Wochen später kam es zu schweren Differenzen zwischen den beiden Direktoren, so dass der Aufsichtsrat am 18.September 1903 beschloss, ihre Aufgaben in der Weise zu trennen, dass Lehmann die technische und Müller die kaufmännische Leitung und die Expedition erhielt. Aber anscheinend war Direktor Friedrich Müller der von Theodor Lehmann ausgehenden Dynamik nicht gewachsen; jedendalls resignierte er und schied zum 1.April 1094 endgültig aus der Firma aus. Praktisch übernahm Lehmann die alleinige Leitung in beiden Werken bereits mit Jahresbeginn 1904. Direktor Lehmann stimmte die Porzellanproduktion der beiden Werke geschickt aufeinander ab, indem er seit 1905 Schönwald zu einem Schwerpunkt der Produktion von Hotelporzellan entwickelte. Auf der Rückfahrt von einer Geschäftsreise mit der Eisenbahn verstarb Theodor Lehmann mit 44 Jahren an einem Herzinfarkt. Der plötzliche Tod ihres Direktors verlasste den Aufsichtsrat der Porzellanfabrik Schönwald AG zu einer bemerkenswerten Änderung in der Betriebsleitung der beiden Werke:
Edmund Krüger aus Stadtilm in Thüringen sollte am 1.Januar 1909 die Geschäftsleitung übernehmen. Die gleiche Aufgabe in Schönwald sollte zum gleichen Termin der bisherige Prokurist A. Tischendorf übernehmen. Mit Jahresbeginn sollte jede der beiden Firmen selbstständig für sich arbeiten unter verantwortlicher Leitung ihres Direktors.
Die Porzellanfabrik Arzberg - Zweigniederlassung der Porzellanfabrik Kahla
Die Porzellanfabrik Schönwald AG und die Porzellanfabrik Schönwald, Abteilung Arzberg gingen 1927 beide in den Besitz der Kahla AG über. Als Zweigniederlassung der Porzellanfabrik Kahla gewann die Porzellanfabrik Arzberg erneut einen eigenen Handlungsspielraum, die sie 1921 weitgehend verloren hatte. Hermann Zschöckner schied aus der Betriebsleitung aus, und an seine Stelle trat als kaufmännischer Direktor Fritz Kreikemeier aus Fürstenberg an der Weser. Obwohl er nur vier Jahre in Arzberg blieb, brachte seine Begegnung mit dem Architekten und Designer Dr. Hermann Gretsch 1930 für die Porzellanfabrik Arzberg den entscheidenden Wendepunkt. Gretsch entwarf für ihn noch im gleichen Jahr das Geschirr Arzberg 1382, und Kreikemeiers technischer Mit-Direktor August Schrumpf schuf im Winter die erforderlichen Formen, so dass schon 1931 die kompromißlos schlichte und gerade deshalb zeitlos schöne neue Form 1382 in die Produktion gehen konnte.
Die Ära Gretsch
1930 kam es zu ersten Kontakten zwischen dem damaligen Direktor Fritz Kreikemeier und Hermann Gretsch. Gretsch entwarf noch im selben Jahr die Form 1382 für Arzberg, die 1931 eingeführt wurde. Obwohl der Markterfolg dieses komplett neuartigen Geschirrs zunächst ausblieb, hielt man an der neuen Linie fest und konnte nach einigen verlustbehafteten Jahren 1935 wieder Gewinn erwirtschaften. Ab 1931 trug die Bodenmarke der produzierten Stücke den Schriftzug "Porzellanfabrik Arzberg, Arzberg (Bayern)". Bereits 1939 war das neue Konzept so erfolgreich, dass die komplette Produktion der Fabrik Arzberg auf die neue "Gretsch-Linie" umgestellt wurde. 1945 wurde das Werk gegen Ende des Zweiten Weltkrieges teilweise zerstört. Als Folge des Krieges lag die Stadt Arzberg jetzt am Rande der innerdeutschen Grenze; wichtige Rohstofflieferungen aus Thüringen waren nicht mehr möglich. Der Wiederaufbau geschah somit unter erschwerten Bedingungen und die Zusammenarbeit mit Hermann Gretsch wurde für die Fabrik essentiell. Ab 1947 wurde als Bodenmarke nur noch der Schriftzug "Arzberg" aufgebracht.
Die Ära Löffelhardt
1950 starb Hermann Gretsch unerwartet und hinterliess eine Lücke, die den Konzern in eine Krise zu stürzen drohte. Dem damaligen Kahla-Vorstand Emil Geissenhöner gelang es jedoch, Heinrich Löffelhardt als Nachfolger für Gretsch zu gewinnen. Unter Löffelhardts künstlerischer Leitung entstehen in den folgenden Jahrzehnten weiterhin sehr erfolgreiche und hochprämierte Entwürfe; im Auftrieb des Wirtschaftswunders werden sie stilbildend für seine Zeit. 1954 kam Löffelhardts Form 2000 auf den Markt, die sofort sehr erfolgreich lief und selbst für das Bundeskanzleramt bestellt wurde.
1955 reichten die Kapazitäten der Fabrik nicht mehr, so dass der Kahla-Konzern für die Produktion ein neues Werk in Schwandorf errichten liess. In der Folge wurde in den 1960er Jahren auch das Werk in Arzberg modernisiert und erstmals mit Tunnelbrandöfen ausgestattet.
In den späten 1960er Jahren und in den 1970ern kam es zu einer weiteren Krise, in deren Folge die Kahla AG und die Hutschenreuther AG 1972 fusionierten und fortan nur noch als "Hutschenreuther AG" firmieren. Die Fabrik Arzberg behielt jedoch ihren eigenen Namen und ihre Marke.
Die Porzellanfabrik Arzberg in der Lorenz Hutschenreuther AG (seit 1972)
Die Hauptversammlung der Kahla AG und der Hutschenreuther AG beschlossen am 20. und 21. Juli 1972 die Fusion beider Firmen. Gleichzeitig verschwand der traditionsreiche Name Kahla aus dem Verzeichnis der westdeutschen Porzellanindustrie. Nach dem Beschlüssen der neuen Konzernleitung in Selb unter dem Vorstandsvorsitzenden Roland Dorschner führte und führt die Porzellanfabrik Arzberg ihren Namen weiter. Das gleiche gilt für die am 1.Juni 1955 eingeführte Fabrikmarke Arzberg. Sie bürgt auch im Jubiläumsjahr 1987 trotz aller Schwierigkeiten auf dem übersättigten Markt für die Fortführung der seit 1930 in Zusammenarbeit mit Hermann Gretsch und Heinrich Löffelhardt entwickelten Linie. Für ihre Weiterentwicklung mit den Stilmitteln unserer Zeit stehen Namen wie Hans Theo Baumann, Seitz, Rabold, Ulrike Bögel und Matteo Thun ein. Gleichzeitig zeugt die sorgfältige Pflege der Marke Arzberg für die Stilkompetenz, die die Hutschenreuther AG in ihrem Geschäftsbericht 1986 zu Recht für sich beansprucht.
Nachfolger der Porzellanfabrik Arzberg – 2004 Arzberg GmbH
Die Arzberg-Porzellan GmbH ist ein deutscher Porzellanhersteller. Das Unternehmen wurde im Juni 2004 aus der SKV-Arzberg-Porzellan GmbH in Arzberg-Porzellan GmbH umbenannt. Das Unternehmen hat etwa 250 Mitarbeiter (Stand 2007). Die deutsche Produktionsstätte befindet sich heute in Schirnding. Alle Porzellanartikel werden ausschliesslich am Firmenstandort in Schirnding produziert. Hergestellt wird Porzellan der Markennamen Schirnding und Arzberg. Vor allem die von Arzberg produzierte "Form 1382" (1931) des Gestalters Hermann Gretsch hat Berühmtheit erlangt, da sie die Wende in der industriellen Prozellanindustrie weg von verzierten, historisierenden Formen hin zu schlichten, funktionellen Artikeln mit einer zeitlosen Ästhetik einläutete. Auf der Triennale in Mailand und der Weltausstellung in Paris wurde dieses Service mit Medaillen ausgezeichnet, genauso wie der Entwurf "Urbino" von Trude Petri bei der KPM, der praktisch gleichzeitig entstand. So kann die Form 1382 als "bürgerliche" Variante eines neuen, von den Ideen des Werkbunds und des Bauhaus inspirierten Porzellanstils gelten. Neuartig an der Form 1382 war auch, dass erstmals (bei einem industriell hergestellten Porzellanservice) die Teile einzeln erhältlich waren und Kunden das Service individuell zusammenstellen und "sammeln" konnten.
Obwohl Herrmann Gretsch als Verfechter einer klaren, reinen Form gilt, hat er schon 1936 den Dekor "Blaublüten" von Max Richter quasi autorisiert. Wie auch bei einigen anderen Produkten und Architekturen dieser Zeit vereinigen sich hierbei die Idee der "reinen Form" mit einem "bürgerlichen" Dekor. Ein anderer beliebter Dekor war "Rotrand", eine feine rote Linie, die Mündungs- und Standringe der Teile zierte.
Die "Form 1382" wird bis heute weitgehend unverändert produziert. Einige Formen wurden im Laufe der Jahrzehnte verändert, so hatten z. B. die Kuchen- und Tortenplatten ursprünglich zwei Handhaben, während alle Platten heute glatte Ränder haben. Den heutigen Anforderungen entsprechend sind die Teile dicker und schwerer, um den Einsatz in der Spülmaschine auszuhalten. Der Dekor "Blaublüten" wurde ebenfalls deutlich verändert: Statt des ursprünglichen leuchtenden Azurblaus geht die Farbgebung heute eher in ein gedecktes Kornblumenblau, zudem sind die Blätter der Ranken filigraner gestaltet, so dass der "flirrend-leuchtende" Charakter des ursprünglichen Dekors einem konventionellen "Blümchenmuster" gewichen ist.
Stilsuche und Neuanfang
Die 1970er und 1980er Jahre waren geprägt von der Suche nach einem neuen Stil. Es gab keinen künstlerischen Leiter mehr, sondern es wurden unterschiedliche Designer mit Entwürfen beauftragt. Teilweise wurden in rascher Folge immer wieder neue Formen vorgestellt. Erst in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren fand eine Rückbesinnung auf die schlichte, "gute" Form statt und es findet eine Konsolidierung der Produktpalette statt. Auch die Absätze der "Form 1382", die nach wie vor im Programm war, stiegen wieder.
Der gesättigte Markt erforderte von den Herstellern weitere Anpassungen und Fusionen. So schlossen sich 1993 die Porzellanhersteller Schirnding, Kronester und Johann Seltmann Vohenstrauss zur SKV-Porzellan-Union GmbH zusammen. 2000 wurde die Marke "Arzberg" von der SKV-Porzellan-Union übernommen und später das Werk in Arzberg selbst stillgelegt. Die gesamte Produktion findet jetzt in dem nur wenige Kilometer entfernten Ort Schirnding statt. Seit 2004 firmiert die SKV-Porzellan-Union als Arzberg Porzellan GmbH. Die heutige Produktpalette umfasst neben aktuellen Entwürfen namhafter Designer auch die beiden Klassiker "Form 1382" und "Form 2000".
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