Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

Porzellanflohmarkt 2003

300 Jahre europäisches Porzellan

Königstraum und Massenware - 300 Jahre europäisches Porzellan

Eine Ausstellung - eine besondere Region

Die Jubiläumsausstellung findet in der bedeutendsten Porzellanregion Europas statt. Nirgendwo ist die Dichte an traditionellen Porzellanbetrieben höher. Stellvertretend für die deutsche und europäische Geschichte des Porzellan Adels vereint das Porzellanikon an den beiden traditionsreichen Standorten der Weltmarken Rosenthal und Hutschenreuhter die ganze Breite und Handlungsfähigkeit des faszinierenden Werkstoffes Porzellan. Das Porzellanikon ist Europas grösstes Porzellanmuseum, das erste Industriemuseum Bayerns und Mitglied der European Route of Industriell Heritage.

Schirmher der Ausstellung Königstraum und Massenware ist der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreiches Katalogwerk. Die Schau wird begleitet von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm.

Eine Ausstellung zwei Standorte - Von Barock bis Art Deco

Die Jubiläumsausstellung beginnt in der ehemaligen Hutschenreuther Villa im Porzellanikon Hohenberg a. d. Ger. Der Gang durch die glanzvolle und erfolgreiche Geschichte des Porzellans entführt in die Lebenswelten europäischer Geschichte, nachvollziehbar am Porzellan der Epochen, die in einer speziellen Ausstellungsarchitektur stimmungsvoll in Szene gesetzt sind. Zu sehen ist u.a. Medici Porzellan, von dem es weltweit nur noch 60 Stücke gibt, Teile aus dem persönlichen Service von Katharina der Grossen, Porzellane aus den berühmten Esterhazy-Sammlungen und noch nie gezeigte Meissen Stücke von der 1747 vor der baltischen Künste gesunkenen St. Michael.

Im nahen Porzellanikon Selb, in der denkmalgeschützten Rosenthal Fabrik, geht es um Design vom Funktionalismus bis hin zu neuesten Gestaltungen, um Lifestyle und Architektur, um Kunst und um das Thema zukünftiger Aufgaben des Porzellans, was an Projekten namhafter Hochschulen und erfolgreicher Forschungsvorhaben dargestellt wird. Auf fünf Themeninseln präsentieren jeweils verschiedene Kuratoren unterschiedliche Sichten auf das weiße Gold. So kuratiert der Designtheoretiker Prof. Franciosa Burkhardt die Themeninstel Porzellan und Design. Die stellvertretende Direktorin des Museums Köln, Katja Baudin, zeichnet verantwortlich für den Ausstellungsteil, der sich mit den Porzellanarbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler befasst. Zu sehen sind Arbeiten von zehn Künstler und Designern, darunter Tobiass Rehberger und Sylvie Fleury.

Highlights der Ausstellung

Porzellan vom Meeresboden

Als die St. Michael 1747 im finnischen Golf auf dem Weg von Amsterdam nach St. Petersburg sank, nahm das Schiff unter anderem 144 Meissner Porzellane mit in die Tiefe. 250 Jahre später gab der einst unter russischer Flagge segelnde Dreimaster seine Fracht in erstaunlich guten Zustand wieder Preis. Darunter vier Kaffee- und Teeservice sowie zahlreiche Figurinen, die für St. Petersburg bestimmt waren. Die frühesten von ihnen stammen von 1736 - aus einer Zeit, in der Porzellan in Russland ausschliesslich für den Zarenhof produziert wurde. 40 Meter unter dem Meeresspiegel trugen wohl vor allem die niedrigen Wassertemperaturen der Baltischen See und der relativ geringe Salzgehalt dazu bei, dass das Porzellan wenig beeinträchtigt geborgen werden konnte. Die Ausstellungsstücke sind im Besitz des Maritimmuseums Helsinki.

Medici Porzellan

Die Porzellanexperimente im Florenz der Renaissance waren eine Leidenschaft des Franceseco De Medici. Bis zu seinem Tod 1587 liess er zu exorbitanten Kosten nach dem Weißen Gold suchen. Heute werden die Ergebnisse jedoch lediglich als Vorläufer des Hartporzellans bezeichnet, denn das Material war zu weich und zeigte oft Brennrisse und Glasurblasen. Trotzdem waren die Gefässe als Geschenke an internationale Diplomaten beliebt und unverkäuflich. Die Ausstellung zeigt eine Grotesken Vase des Medici Porzellans. Weltweit existieren nur noch etwa 60 Stücke der Medici Porzellane. Das Ausstellungsstück ist im Privat Besitz des Musee national de Ceramique Sevres.

Sisi Privat

Wo der Kaiser zu Fuß hingeht - bleibt auch der Kasein keine andere Wahl. Das Habsburger Monarchenpaar, Franz Josef und Elisabeth von Österreich Ungarn, hatten immerhin schon den Vorteil, dass ihre Toiletten und Bidets aus hygienischen Porzellan waren. Kostbar eingefasst, prunkvoll bemalt und transportabel. Das reich dekorierte Wasch-Klosett aus Nussbaumholz und Porzellan zeigt Sisis Wappen, einen goldenen Delphin. Nachdem es lange auf dem Speicher eines Antiquitätensammlers stand, wurde es in seiner Bedeutung erkannt und ins Museum geholt. Die beiden Ausstellungsstücke sind Eigentum des Sanitärmuseums der Firma Laufen, Gmunden.

Das Porzellan von Katharina der Großen

Friedrich der Große beantwortete einst das Geschenk einen kostbaren Mantel mit einem mehrere hundert Teile umfassenden Dessertservice und gewann somit die Sympathien der Zarin für das Porzellan. Neben diversen Alltags- und persönlichen Servicen, gab sie vier sogenannte Ordensservice in Auftrag, deren Ruhm und Bedeutung weit über den Zarenpalast hinausreichten. Die Ausstellung zeigt u. a. ein Stück aus dem Hl.-Georg-Ordensservice mit 80 Gedecken. Die Ordensservice der Katharina waren die ersten in der europäischen Porzellangeschichte. In allen Serviceformen zeigen sich in Formen und Mustern deren westeuropäische Vorbilder, jedoch unter Berücksichtigung der Besonderheiten der russischen Küche. Die Ausstellungsstücke sind im Besiegt des Museums Peterhof, Petersburg.

Porzellan - eine Geschichte um Spionage und Spekulationen

Die Geschichte des europäischen Porzellans ist eine Geschichte des Argwohns und der vergeblichen Geheimhaltung - und zwar von dessen Nacherfindung 1708 bis zum heutigen globalen Markt. Gleichzeitig ist es eine Story um finanzielle Spekulationen und Bankrotteure. August der Starke, der seine Kriegskassen mit dem Verkauf des Weißen Goldes zu füllen trachtete, setzte den Porzellanerfinder Johann Friedrich Böttcher samt seinen grossen Wurf dreizehn Jahre lang auf der Albrechtsburg fest. Trotzdem tauchte kurz darauf die begehrte Rezeptur an anderen europäischen Fürstenhöfen auf. Ohnehin florierte der Verkauf der Kostbarkeiten aus der 1710 gegründeten Meissner Porzellanmanufaktur weit weniger gut als erträumt. Die bald allerorten gegründeten königlichen und fürstlichen Porzellanmanufakturen blühten rasch auf, fielen aber häufig ebenso rasch dem Niedergang anheim. Im 21. Jahrhundert ist es nicht viel anders. Zahlreiche Patentanwälte bewegen sich auf der Frankfurter Konsumgütermesse, um Kopisten das Handwerk zu legen. Häufig leider vergeblich.

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